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Aus der Stadt Brandverletzungen bei Kindern werden unterschätzt
Hannover Aus der Stadt Brandverletzungen bei Kindern werden unterschätzt
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22:30 07.12.2012
Brandopfer: In Hannover sind fast 80 Prozent der Patienten unter vier Jahre alt. Quelle: Decker
Hannover

Jessica Schrader versteckt ihre Narben nicht. Selbstbewusst trägt die 18-Jährige ein T-Shirt mit Dekolletee, das eine große Narbe in Zickzackform freigibt. Die junge Frau war am Freitag zum „Tag des brandverletzten Kindes“, einer bundesweiten Aktion, zu Gast im Kinderkrankenhaus auf der Bult, um Besucher darüber zu informieren, was Verbrühungen anrichten können. Genau an ihrem zweiten Geburtstag hatte sie, während ihre Mutter im Kinderzimmer zu tun hatte, in einem unbeobachteten Moment einen Topf mit kochenden Nudeln vom Herd gezogen. „Ich hatte noch Glück, dass der Topf nur umgekippt und nicht auch noch auf mich gestürzt ist“, sagt die angehende Heilerziehungspflegerin aus Kreiensen bei Alfeld.

Eineinhalb Monate lag sie in der Medizinischen Hochschule Hannover, etwa zehnmal musste sie operiert werden, einschließlich der Hauttransplantationen und Narbenkorrekturen. Zu den Besuchern im Kinderkrankenhaus zählten gestern auch Kinder aus zehn Kita-Gruppen und zwei Grundschulklassen, die sich spielerisch über die Gefahren von Feuer, heißen Flüssigkeiten und Stromanschlüssen informierten. Mit Rettungswagen und -hubschrauber, Feuerwehrlöschübung und Wärmebildkamera demonstrierten Rettungskräfte ihre Einsatzmöglichkeiten. Staunend verfolgten die Kinder im Puppen-OP – in einem echten Operationssaal – die Erstversorgung einer Babypuppe mit Sauerstoff, Verband und Schmerzmittel.

 In Hannover sind fast 80 Prozent der Patienten mit Brandverletzungen unter vier Jahre alt.

Jedes Jahr erleiden bundesweit mehr als 30 000 Kinder unter 15 Jahren Verbrennungen oder Verbrühungen, 6000 von ihnen so schwer, dass sie stationär behandelt werden müssen. „76 Prozent aller Verletzten sind Kinder unter fünf Jahren“, sagt Mechthild Sinnig, Oberärztin der Kinderchirurgie im Kinderkrankenhaus auf der Bult. In 85 Prozent aller Fälle handele es sich um Verbrühungen. „Sie gehören zu den schmerzhaftesten Verletzungen überhaupt.“ Selbst die Verbände müssten unter Narkose gewechselt werden. Zumeist ziehen thermische Verletzungen langwierige Behandlungen mit lebenslangen Narben nach sich. Als Grund für die wachsende Zahl von Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern nennt Sinnig mangelndes Gefahrenbewusstsein der Eltern.

Solche Unfälle sind schnell passiert, wenn Kleinkinder an Töpfe mit heißen Flüssigkeiten gelangen und diese vom Herd ziehen könnten. Häufig seien es auch Wasserkocher mit langen Schnüren, an denen die Kinder die Geräte herunterziehen. „Hier ist die Industrie gefordert, nur noch Kocher mit kurzen Schnüren zu produzieren, an die die Kinder nicht gelangen können“, sagt Sinnig. Es gebe sie bereits, aber nicht unter den Billigprodukten.

Das Kinderkrankenhaus auf der Bult hat in diesem Jahr bereits 136 brandverletzte Kinder aus ganz Niedersachsen behandelt, im vergangenen Jahr waren es 163, 2010 lag die Zahl noch bei 120. Die Klinik auf der Bult ist eines von bundesweit 18 Verbrennungszentren für schwer brandverletzte Kinder. Zuletzt wurde hier im November ein 13-jähriges Mädchen eingeliefert, das beim Klettern auf einen Kesselwagen einen Stromschlag von 15.000 Volt erlitten hatte. Eine Mutprobe. „Das Mädchen hat Glück gehabt, dass wir keine Gliedmaßen amputieren mussten“, sagt Sinnig.

Die Kinderchirurgin rechnet damit, dass die Zahl der verletzten Kinder auch in diesem Jahr wieder steigen wird, wie überall im Bundesgebiet. Zumal der Dezember mit seinen typischen Risiken durch Silvesterknaller, Verpuffungen durch Brandbeschleuniger beim Fondue oder das Zündeln mit Adventsgestecken noch nicht vorbei sei.

Was tun bei Verbrühungen? Erste-Hilfe-Tipps

85 Prozent aller thermischen Verletzungen bei Kindern passieren durch heiße Flüssigkeiten. Was zu tun ist, wenn sich ein Kind verbrüht hat, erläutert Mechthild Sinning, Kinderchirurgin am Kinderkrankenhaus auf der Bult:

• Die Gefahrenquelle muss entfernt werden, beispielsweise die Tasse mit heißem Tee oder Kaffee.
• Die erhitzte Kleidung ausziehen. „Baumwolle hält Wärme besonders gut, das verstärkt die Verletzung und die Schmerzen des Kindes.“
• Um die Schmerzen zu lindern, die verletzte Stelle unter etwa 15 Grad kühles Wasser aus dem Wasserhahn halten, etwa zehn bis 15 Minuten lang. „Nicht länger, weil das sowieso kein Kind aushält und ihnen diese Zeit schon endlos vorkommt.“ Keinesfalls sollten eiskaltes Wasseroder Eiswürfel auf die verletzte Stelle aufgebracht werden, weil das Gewebeschäden verschlimmert.
• Die Wunde mit einem sauberen Tuch, zum Beispiel einem Küchentuch, abdecken und das Kind in eine Decke hüllen, damit es nicht auskühlt. Zwischendurch den Rettungsdienst unter 112 verständigen und das Kind fachärztlich behandeln lassen, auch schmerztherapeutisch.
• Vor sogenannten Hausmitteln warnt die Ärztin ausdrücklich: kein Mehl, keine Zahnpasta und kein Gänseschmalz. „Solche Substanzen verschlimmern die Verletzungen und sorgen schlimmstenfalls für eine noch stärkere Narbenbildung.“
• Die „Aktion Paulinchen“, die seit neun Jahren zu dem bundesweiten „Tag des brandverletzten Kindes“ aufruft, bietet auf der Website www.paulinchen.de Tipps, um Kinder vor Verbrennungen, Verbrühungen und Verletzungen durch Strom und Chemikalien zu schützen.

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