Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Bratmanns Wiederkehr
Hannover Aus der Stadt Bratmanns Wiederkehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:57 15.02.2012
Von Gunnar Menkens
Frank Schmidt und seine mobile Wurstbude. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Heute ist einer von diesen Tagen, die kein Tag sind. Passanten hasten dick eingemummelt durch die Innenstadt, eilig auf dem Weg zu einem warmen Ort. Nur manchmal bleibt ein Fußgänger stehen vor diesem Mann mit dem komischen Apparat. Vor dem Bauch trägt er einen Grill, befeuert von einer Gasflasche auf seinem Rücken, und obwohl es nicht regnet oder die Sonne brennt, überdacht ein bunt gestreifter Schirm Verkäufer und Gerät. Es ist Unternehmer Frank Schmidt, 33 Jahre alt, ein kräftiger Mann, der auf seinem mobilen Grill Bratwürste wendet. Thüringer, „Original German Bratwurst“. Das Stück kostet – im Brötchen in die Faust gelegt – 1,20 Euro. Der Umsatz heute ist eher lau.

Jetzt klingelt sein Handy. Die Aushilfe für den Nachmittag mag nicht kommen. Zu kalt, zu wenig Umsatz. Schmidt ist genervt, aber er bleibt freundlich, er will den Schüler bei der Ehre packen. „Bist du Mann oder Maus?“, fragt er. Die Antwort tendiert zur Maus. Schmidt kann ihn nicht zwingen, die junge Aushilfskraft ist noch unabhängiger als der Betriebsinhaber. Was wird nun aus dem Nachmittag? Er weiß noch nicht.

Der Kampf von Frank Schmidt geht weiter. Gegen manches lustlose Personal. Gegen zu heißes, kaltes, nasses und windiges Wetter. Gegen krakenartig sich ausbreitende Konkurrenz, die unablässig brät, kocht, dönert, schmiert und belegt, dünstet und frittiert. Gegen die Stadt geht es auch noch.

Bis jetzt ist Schmidt immer wieder zurückgekommen. Seit sieben Jahren steht er in der City, meist am selben Platz. Georgstraße, Ecke Große Packhofstraße. Hier steht es am besten um den Bratwurstverkauf. „Die Leute haben immer dieselben Laufwege“, sagt er im Stil eines Fußballtrainers, der die Bewegungsmuster seiner Spieler kennt. Inzwischen wüssten die Menschen, wo er steht, Stammkunden sowieso. Mal den Ort wechseln, um kurzfristig woanders zu versuchen, bessere Geschäfte zu machen, das bringt nichts, sagt Schmidt. „Man muss einen Standort einarbeiten.“ Am Schillerdenkmal zum Beispiel, nur eine lange Gerade entfernt, sinkt sein Umsatz sofort um 30 Prozent. Auf halber Strecke, Georgstraße, Ecke Kleine Packhofstraße, steht zudem die Konkurrenz, womit alle in Hannover tätigen mobilen Bratwurstverkäufer genannt sind.

Dabei hat Schmidt die Erlaubnis, sich in der City zu bewegen. Das bestätigen Reisegewerbekarte und Sondernutzungssatzung der Stadt: „Der Bauchladenverkauf ist ein im Umherziehen ausgeführter Verkauf.“ Natürlich ist vorgeschrieben, womit ein Bauchladenverkäufer umherziehen darf. „Die Verkaufseinrichtung (Tasche, Bauchladen) darf keinerlei Verbindung mit dem Erdboden haben und eine Gesamtbreite von 1,50 Meter und eine Tiefe von 1,00 Meter nicht überschreiten.“ Das reicht für Würste, Brötchen, Salz, Senf, Ketchup, Servietten. Würde ein Bauchladenhändler versuchen, Getränke zu verkaufen, würden Ordnungsmächte einschreiten.

Vorschrift ist weiterhin: ein Spuckschutz vor dem Rost, ein Schirm zum Schutz vor herabfliegendem Vogelmist und Staub sowie eine Vorrichtung zum Händewaschen. Es ist nicht gestattet, sich gewissen Märkten auf weniger als 250 Meter zu nähern.

Und das ist der Punkt, über den sich Schmidt immer  noch aufregt. Als vergangenen Dezember wieder Weihnachtsmarkt war, postierte er sich wie jeden Tag. Georgstraße, Ecke Große Packhofstraße. Bis jemand von der Stadt sagte, Schmidt, der Bauchladenhändler,  unterschreite den zulässigen Mindestabstand. Zum Beweis diente eine am Computer erstellte Luftlinienmessung. Schmidt war der Meinung, die Distanz sehr wohl einzuhalten, mit einem digitalen Messgerät war er ja extra Straßen abgelaufen. Er legte Widerspruch ein.

Die Stadt schweigt dazu, Schmidt nicht. „Um Großgastronomen zu schützen, müssen die kleinen Leute leiden.“ Andererseits ist es so, dass Standbetreiber Miete zahlen und nicht zusehen wollen, wie Schmidt nebenan Bratwürste verkauft. Schmidt sagt, ja, das könne er verstehen, er wollte aber bloß an seinem alten Platz bleiben. Aus Schmidts Sicht rückte der Weihnachtsmarkt näher an sein Geschäft heran. Gleichviel: Die Stadt forderte den Händler auf, umzuziehen. Zum Schillerdenkmal. Aber Schmidt will kein Umherzieher sein. Man streitet.

Als Student der Betriebswirtschaft hat er einmal mit dem Wurstverkauf begonnen, dann blieb er dabei. Schmidt darf zwei Grills betreiben. Einen Mann hat er fest angestellt, zwei weitere Mitarbeiter helfen auf 400-Euro-Basis. So viel wirft der Laden doch ab. Manchmal aber, nach zehn Jahren im Geschäft, fragt er sich, wie lange er Bratwürste verkaufen will. Noch lange also? Schmidt schüttelt den Kopf. „Nee“, sagt er.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Hannovers Einzelhändler zeigen sich zunehmend verärgert über die Probleme mit aggressiven Fußballfans in der Stadt. Wegen des erforderlichen Großeinsatzes der Polizei beim Europa-League-Spiel zwischen Hannover 96 und dem FC Brügge befürchten sie starke Umsatzeinbußen.

Tobias Morchner 14.02.2012

Ein 34-Jähriger Mann hat im Kiosk seiner Ehefrau mit Marihuana gedealt. Zur besseren Tarnung steckte er die Drogen in Zigarettenschachteln und verkaufte sie so an eingeweihte Kunden. Außerdem beschlagnahmten die Ermittler eine Indoorplantage mit 136 Cannabispflanzen.

15.02.2012

Das Amtsgericht in Hannover ist am Dienstagvormittag wegen einer Bombendrohung geräumt worden. Ein anonymer Anrufer hatte sich gegen 10 Uhr bei der Polizei gemeldet und erklärt, im Altbau des Gebäudes im Volgersweg würde in Kürze ein Sprengsatz gezündet.

Tobias Morchner 14.02.2012