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Aus der Stadt Ein Chefberater meldet sich zurück
Hannover Aus der Stadt Ein Chefberater meldet sich zurück
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21:07 14.10.2014
Von Klaus von der Brelie
Udo Schnittker (r.) bei einem Kosovo-Besuch von Lorenz Caffier, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern.
Udo Schnittker (r.) bei einem Kosovo-Besuch von Lorenz Caffier, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern. Quelle: Bundeswehr
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Nun allerdings ist der 55-jährige Soldat wieder an seinem Schreibtisch in Bothfeld - und berichtet durchaus zufrieden von einem Spezialauftrag der Nato, der ihn in diesem Sommer ins Kosovo geführt hat. „Hier schreibt die Nato eine Erfolgsgeschichte“, sagt Schnittker, „im Kosovo ist eine Trendwende gelungen. Die Lage stabilisiert sich. Das Kosovo ist auf dem Weg in die Nato und in die EU.“

Der hannoversche Kommandeur aller deutschen Feldjäger hat wie kaum ein anderer Bundeswehrangehöriger beobachtet, wie sich die Sicherheitslage im Kosovo entwickelt hat. 2001 war er zum ersten Mal auf dem Balkan im Einsatz, als Chef von gut 120 deutschen Militärpolizisten im deutschen Hauptquartier in Prizren. Heute sind nur noch zehn deutsche Feldjäger im Kosovo stationiert. „Das zeigt doch, wie positiv die Entwicklung dort verläuft“, sagt Schnittker. Im Juni 1999 ist die Bundeswehr in die einst serbische Provinz eingerückt. Fast 50 000 Soldaten sicherten damals unter der Regie der Nato den Frieden im Kosovo, die Bundeswehr schickte anfangs fast 5000 Mann. Heute ist die sogenannte Schutztruppe Kfor auf rund 5300 Soldaten aus 31 Nationen geschrumpft. Deutschland stellt davon 751 Mann. „Im kommenden Jahr können wir unser Engagement weiter zurückfahren“, sagt Schnittker. Der Aufbau eines eigenen Sicherheitsapparates komme im Kosovo gut voran. „Die Polizei leistet gute Arbeit und ist respektiert.“

Nur im Norden des Kosovo, in der Region Mitrovica, gibt es noch Probleme. Dort stellen radikale Serben die Unabhängigkeit des Kosovo infrage, und der Einfluss der Kosovo-Regierung ist recht gering. Allerdings muss die serbische Minderheit im Kosovo immer häufiger zur Kenntnis nehmen, dass ihre Unterstützung aus Serbien abnimmt, seit sich die Regierung in Belgrad bemüht, in die Europäische Union aufgenommen zu werden, und auch die Nähe zur Nato sucht.

Bei seinem jüngsten Einsatz im Kosovo hatte Schnittker einen Sonderauftrag der Nato. Er war Leiter des Verbindungs- und Beraterteams für die kleine Kosovo-Sicherheitstruppe im Hauptquartier der Kfor in Pristina. Sechs Tage pro Woche hat er dazu beigetragen, eine maximal 2400 Mann starke Streitmacht aufzustellen, deren Aufgabe und Ausstattung eher einem technischen Hilfswerk als einer Armee gleicht. „Die Jobs in der Truppe sind begehrt und gut bezahlt“, sagt Schnittker. Einen Mangel an geeigneten Rekruten gebe es nicht. Auch ehemalige Kämpfer der Kosovo-Befreiungsarmee UCK dienten heute in den „Kosovo Security Forces (KSF)“.

Schnittker erwähnt ausdrücklich, dass auch Serben und Angehörige anderer Minderheiten in die KSF aufgenommen worden sind. Zwar könne die kleine Streitmacht noch nicht in der Konfliktregion Mitrovica eingesetzt werden, in allen übrigen Landesteilen, auch in den serbischen Exklaven, sei sie aber akzeptiert und geschätzt. Die Bundeswehr hilft der KSF nicht nur bei der Ausbildung. Sie hat der Truppe auch gebrauchte Lastwagen und Jeeps überlassen.

Auch wenn er die meiste Zeit im Kosovo im Hauptquartier der Kfor in Pristina verbracht hat - Schnittker ist nicht verborgen geblieben, dass die wirtschaftliche Entwicklung in dem Kleinstaat vorankommt. „Das sieht alles recht gut aus“, sagt er und verweist darauf, dass insbesondere beim Straßenbau die Fortschritte mit den Händen zu greifen seien. Die Regierung strenge sich an, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei komme dem Land zugute, dass die Familien eng zusammenhielten. Deshalb fließe nach wie vor viel Geld von Kosovaren, die in Mitteleuropa arbeiten, in die heimische Wirtschaft.

So gern sich Schnittker an seinen Einsatz im Kosovo erinnert und davon berichtet, seit er wieder in Hannover ist, konzentriert er sich voll und ganz auf seine Arbeit als Kommandeur aller deutschen Feldjäger. Im Januar 2013 hat er das damals neu eingerichtete Kommando Feldjäger der Bundeswehr übernommen. Inzwischen hat der gebürtige Dortmunder das Leben in Hannover schätzen gelernt. „Ich fühle mich hier sauwohl“, bekennt er ohne Umschweife.

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