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Aus der Stadt Höhere Kita-Beiträge wegen Erzieher-Streik?
Hannover Aus der Stadt Höhere Kita-Beiträge wegen Erzieher-Streik?
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00:15 11.05.2015
Von Saskia Döhner
Die Erzieher streiken für eine Aufwertung ihres Jobs. Im Schnitt würde das 10 Prozent mehr Gehalt bedeuten. Die Stadt hält das für unbezahlbar. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Seit Freitag läuft der Kita-Streik in städtischen Betreuungseinrichtungen. Er schafft nicht nur aktuell Probleme für tausende Eltern. Am Ende könnten die Eltern auch die Leidtragenden der Forderungen sein, die mit dem Streik durchgesetzt werden sollen.

Eltern, die ihren Nachwuchs in kommunalen Kitas betreuen lassen, müssen jetzt ihre Kinderbetreuung selbst organsieren. Denn Erzieher und Sozialarbeiter sind in einen unbefristeten Streik getreten. Was Freitag in Hannover, Osnabrück, Wolfsburg, Osterholz-Scharmbeck und Oldenburg begann, soll in der nächsten Woche auf das ganze Land ausgedehnt werden. Mindestens zwei Wochen, wahrscheinlich aber noch viel länger soll der Ausstand dauern. Die Erzieher streiten für eine grundsätzliche Aufwertung ihres Jobs und fordern deutlich bessere Eingruppierungen. Dies würde im Schnitt zehn Prozent mehr Gehalt bedeuten. Die kommunalen Arbeitgeber halten dies für unbezahlbar.

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Der unbefristete Streik der Sozialarbeiter und Erzieherinnen hat begonnen.

Allein zehn Millionen Euro müsste die Stadt Hannover drauflegen. Höhere Kita-Gebühren gelten deshalb als sehr wahrscheinlich. Davon will man in der Stadtverwaltung derzeit aber noch gar nichts wissen. „Wir hatten bislang genug damit zu tun, Notgruppen zu organisieren“, sagte Sprecherin Konstanze Kalmus am Freitag. In neun der insgesamt 40 städtischen Kitas ist ein Notdienst eingerichtet worden. Die 370 Plätze seien sehr gut angenommen worden, nur einige wenigen seien vermutlich aus Krankheitsgründen nicht besetzt worden, sagte Kalmus. Sollten diese dauerhaft frei bleiben, könnten Bewerber von der Warteliste zum Zuge kommen. Genaue Angaben darüber, wieviele Eltern sich um einen Platz bemüht hatten, konnte die Stadt nicht machen.

Für ihre Kitas hat die Stadt 2014 insgesamt vier Millionen Euro an Elternbeiträgen eingenommen, am Tag sind das rund 10 960 Euro, demgegenüber stehen Personalksoten von 35,32 Millionen Euro, das sind pro Arbeitstag rund 140 200 Euro. Die Erzieher kosten also mehr als das Zehnfache als das, was an Elternbeiträgen eingenommen wird. Seit Dezember prüft die Stadt, wie die Elternbeiträge, die seit 2005 nicht erhöht worden seien, angepasst werden könnten, sagte die Sprecherin.

Ob generell alle Eltern mehr bezahlen sollen oder nur die in der höchsten Verdienststufe, ist aber noch unklar. Ein Zusammenhang zwischen den geplanten Gebührenerhöhungen und dem Streik gebe es aber nicht. Auch Gemeinden im Umland planen, die Kita-Gebühren zu erhöhen, wie beispielweise Gehrden oder aber dies schon längst beschlossen, wie Ronnenberg. Dort hatte der Verwaltungsrat schon im vergangenen Jahr entschieden, die Beiträge in zwei Stufen um insgesamt 30 Prozent zu erhöhen, wie Bürgermeisterin Stephanie Harms (CDU) am Freitag erklärte. Die Stadt habe 75 Millionen Euro Schulden. Die Kosten eines Kita-Platzes würden derzeit durch die Elternbeiträge nur zu einem Fünftel gedeckt, angestrebt werde ein Drittel.

Bei Eltern stoßen die Pläne aber auf scharfe Kritik. Eine Mutter sagte, für einen Platz von 8 bis 14 Uhr zahle sie jetzt schon 264 Euro im Monat, eingeschlossen sind 49 Euro Essensgeld. In Hannover liegt das Essensgeld bei 30 Euro.

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Der unbefristete Kita-Streik hat schon an seinem ersten Tag Zehntausende Eltern und ihre Kinder getroffen. In Hannover blieben nicht nur die Kitas geschlossen, auch Sozial- und Jugendämter, Behindertenwerkstätten und Jugendzentren waren vom Ausstand betroffen.

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