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Aus der Stadt Brunetti für die Ewigkeit
Hannover Aus der Stadt Brunetti für die Ewigkeit
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00:19 15.06.2015
Von Susanna Bauch
Foto: Donna Leon liest im Eilenriedestift: Frau Dr. Gesine Lübben ist der hohe Besuch im Eilenriedenstift zu verdanken - sie und Donna Leon sind seit über 16 Jahre eng befreundet.
Donna Leon liest im Eilenriedestift: Frau Dr. Gesine Lübben ist der hohe Besuch im Eilenriedenstift zu verdanken - sie und Donna Leon sind seit über 16 Jahre eng befreundet. Quelle: Marta Krajinovic
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Hannover

Die in Venedig lebende Amerikanerin war zu Gast im Eilenriedestift, um dort aus ihrem 23. Brunetti-Roman „Tod zwischen den Zeilen“ zu lesen. Darin geht es um den Diebstahl historischer Illustrationen in wertvollen Büchern - und Tote gibt es natürlich auch.

Der Festsaal der Seniorenresidenz ist mit 234 Besuchern komplett ausgebucht. Bereits einen Tag nach Bekanntwerden des Termins waren alle Karten verkauft. Dass die Schriftstellerin für ihre nach Wolfenbüttel einzige Lesung in Deutschland ausgerechnet ins Heideviertel gekommen ist, haben die Krimifans einer Mitbewohnerin zu verdanken. Inge Lübben wohnt im Stift, ihre Tochter Gesine Lübben hat jahrelang die Filmrechte der Brunetti-Bücher für den Diogenes-Verlag vermarktet. „Wir kennen uns alle seit vielen Jahren“, erzählt Gesine Lübben. Und da sei ihre Mutter auf die Idee gekommen, „dass die Donna doch auch mal bei uns im Stift lesen könnte.“ Dass sie dort in einem der nagelneuen Gäste- und Messezimmer auch gleich übernachtet, hat auch Uwe Weiner besonders gefreut. Er ist im Hause zuständig für Kultur - und hat die Grande Dame des Krimis persönlich vom Bahnhof abgeholt und für den Abend einen Tisch im Tropeano in Kirchrode reserviert. Italienisch isst Donna Leon nämlich immer gerne, auch wenn sie in Venedig dazu täglich Gelegenheit hat.

Dieser Besuch ist außergewöhnlich: Die amerikanische Autorin Donna Leon, die seit Jahren in der Lagunenstadt lebt und schreibt, liest aus ihrem 23. Brunetti-Roman "Tod zwischen den Zeilen" im Eilenriedestift.

Die Leseproben der Autorin, übersetzt und launig kommentiert von Literaturjournalistin Margarete von Schwarzkopf, machen dann allerdings nicht den Kern des illustren Abends aus. Vielmehr sind die Zuhörer fasziniert von den Plaudereien und der humorvollen, schlagfertigen Art der zierlichen Amerikanerin. Die nämlich spricht nämlich nicht nur über ihre Bücher, sondern auch gern über Politik. Die Kreuzfahrtschiffe etwa, die täglich vor der Lagunenstadt schwimmen, sind ihr ein Dorn im Auge. „Die stoßen so viele Schadstoffe aus wie 15 000 Autos. Ich fühle mich massiv bedroht.“ Und da das alles in Italien passiere, „wird viel versprochen zur Abhilfe, aber nichts wird geschehen. Nicht zu meinen Lebzeiten.“

Dass der 72-Jährigen die Brunetti-Ideen ausgehen, ist nicht zu befürchten. Band 24 und Band 25 liegen schon auf Englisch vor, Nummer 26 hat sie bereits im Kopf. „Da wird es um Bienen gehen, Hunderttausende geklaute Bienen“, erzählt die Autorin. Auch das sei eine wahre Geschichte, wie im aktuellen Band über die alten Bücher. In Italien sei alles möglich. Übersetzten lässt sie ihre Werke übrigens nicht in diese Sprache. „Ich möchte zu Hause keinen Rummel um meine Person.“ Weshalb auch das Schreiben einer Biografie für sie nicht infrage kommt. „Das ist definitiv ausgeschlossen.“

Commissario Brunetti lernen die Leser dafür immer besser kennen. Donna Leon kennt ihn in- und auswendig. „Da gibt es keine Geheimnisse zwischen uns.“ Besonders sympathisch ist ihr Signorina Elettra, die kluge Sekretärin des Polizeichefs. „Kleiner Auftritt, große Wirkung.“ Die Darstellerin in den Brunetti-Filmen, Annett Renneberg, geht mit Donna Leon sonst auch auf Lesereise. Diesmal ist sie ausgefallen, sie wird Mutter. Sehr humorvoll und gestenreich erzählt Donna Leon von ihren Buchthemen, den Protagonisten, schwärmt von Opern, Händel und - von Tieren.

Der Erlös des Abends im Eilenriedestift geht an die Organisation „Secret World“, die kranke Tiere wieder aufpäppelt und in die freie Natur entlässt. „Leider auch Tauben“, sagt Donna Leon. Wer wie sie in Venedig lebt, mag diese Vögel nicht besonders. „Obwohl es mittlerweile in der Lagune noch mehr Touristen als Tauben gibt.“

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