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Aus der Stadt Brutaler Räuber steht vor Gericht
Hannover Aus der Stadt Brutaler Räuber steht vor Gericht
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00:15 14.02.2013
Von Michael Zgoll
Michael M. – hier mit Verteidiger Christian Neumann – sagt, er könnte „sich selbst in den Hintern treten“. Echte Reue klingt anders. Quelle: Behrens
Hannover

Am Montag begann vor der 19. Großen Strafkammer am Landgericht Hannover der Prozess gegen ihren Peiniger. Marion N. muss viel weinen, als sie ihre Zeugenaussage macht. Auf der Anklagebank sitzt der 32-jährige Michael M. Sein Geständnis, wie es zu dem brutalen Überfall kam und warum er mit dem erbeuteten Geld unmittelbar nach der Tat in Urlaub fuhr, löst bei den Zuschauern ungläubiges Kopfschütteln aus.

Es ist spätabends kurz nach elf, als es bei Marion N. an der Tür klingelt. Sie wohnt im vierten Stock, nahe dem Weißekreuzplatz. Die Rentnerin schaut durch den Türspion, sieht, dass die Tür der gegenüberliegenden Wohnung offen steht. Dort ist eine junge Frau zu Hause, die sie flüchtig kennt. Die Seniorin schließt auf, vor ihr steht Michael M. Die 66-Jährige erinnert sich: Sie hat den jungen Mann schon mal im Treppenhaus gesehen, er ist mit ihrer Flurnachbarin befreundet. Er erzählt ihr etwas von einer defekten Heizung, doch das ist nur ein Vorwand. Einen Augenblick später drängt er Marion N. durch die Türöffnung, stößt sie zu Boden, fällt auf sie. Bei dem Sturz, so stellt ein Arzt später fest, prellt sich die Oststädterin die Schulter. Michael M. hat ein Messer in der Hand, hält der anfangs schreienden Frau den Mund zu. „Noch einen Mucks, und Sie sind tot“ – so bedroht er sie nach ihrer Erinnerung mehrmals.

Er schleppt die Rentnerin ins Wohnzimmer, durchsucht ihre Handtasche, findet 300 Euro. Dann zwingt er sie, ihm die PIN-Nummer ihrer ec-Karte zu verraten. In einem Briefumschlag findet er weitere 3000 Euro. Er legt das Messer beiseite, zählt das Geld, in aller Seelenruhe. Dann schneidet der 32-Jährige alle Telefonkabel durch, zerstört die SIM-Karte aus dem Handy seines Opfers. Er beordert Marion N. in ihr Schlafzimmer, fesselt sie mit den abgeschnittenen Telefonkabeln an Armen und Beinen. Als er die Seniorin nach Klebeband fragt, um ihr den Mund zu verschließen, glaubt sie, dass sie nun sterben muss. Schließlich bindet ihr der Verbrecher ein Sweatshirt um den Kopf. Sie solle sich eine halbe Stunde nicht rühren, warnt er sie, bevor er verschwindet. Kurze Zeit später kann sich die Rentnerin zumindest teilweise aus den Fesseln winden und ruft ihren Hauswirt mit einem zweiten Mobiltelefon an. Dann ist die Polizei im Haus, befragt das Opfer bis zum frühen Morgen.

Schwerer Raub, Körperverletzung, Freiheitsberaubung – das wirft Oberstaatsanwalt Ingo Rau dem Angeklagten vor. Doch was hat Michael M. zu diesem Verbrechen getrieben? Der 32-Jährige ist geschieden, hat zwei Kinder. Zuletzt arbeitete er als Gebäudereiniger, doch offenbar setzten ihn zwei Firmen vor die Tür. Er soll Kollegen bestohlen haben, auch seiner neuen Freundin, die gegenüber der Seniorin wohnt, hat er schon Geld entwendet. Er saß wegen Betrugs ein paar Wochen im Gefängnis.

Um dieser Freundin, die sich von ihm trennen will, zu imponieren, lädt er sie zu einem Urlaub ein. Geplanter Starttermin   ist der Tag nach dem Überfall auf die Seniorin. Doch M. hat nur noch 80 Euro, viel zu wenig, um sich eine Ferienreise leisten zu können. Als er am Abend der Tat die Wohnung seiner Eltern in Hohenhameln verlässt, erzählt er der Freundin, er müsse noch ein Geschenk kaufen gehen. In der Nacht kommt er wieder heim, die beiden fahren per Auto zum Frankfurter Flughafen. An einem Last-Minute-Schalter zahlt er bar: eine Woche Ägypten. Die 26-jährige Zahnarzthelferin freut sich, es ist ihr erster „richtiger“ Urlaub in ihrem Leben, wie sie dem Gericht erzählt. Woher das Geld kommt? Sie sagt, sie habe nicht im Entferntesten geahnt, dass es von einem Überfall stammt.

Das Paar macht sich eine schöne Zeit, mit Ausflügen und Massagen, mit Schnorcheln und Shoppingtouren. Nahezu das ganze Geld, an die 3300 Euro, verprassen die beiden. Doch nach dem Rückflug ist der Spaß schnell vorbei: Die Polizei nimmt M. noch am Zielflughafen Frankfurt in der Maschine fest – und für die Freundin bricht eine Welt zusammen. Wochen später bringt sie den Mut auf, ihrer Nachbarin ein paar Pralinen und Blumen vorbeizubringen, verbunden mit einer Entschuldigung für das, was ihr Freund angerichtet hat.

Bei seinem ausgiebigen Geständnis vor Gericht wirkt Michael M. relativ gelassen. Bezeichnet sich als „Dussel“, der „sich selbst in den Hintern treten könnte“. Doch tief betroffen wirkt er nicht, hat sich bei der Seniorin auch noch nicht entschuldigt. Die weißhaarige, zierliche Frau hat seit vier Monaten massive Schlafstörungen, Angstattacken, fürchtet sich im Dunkeln und geht abends nicht mehr aus dem Haus. Richter Stefan Joseph rät ihr, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Der Prozess wird am 22. Februar fortgesetzt. Einiges deutet darauf hin, dass es  ein schnelles Urteil geben könnte.

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