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Aus der Stadt Lehmanns letzte Lesung
Hannover Aus der Stadt Lehmanns letzte Lesung
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00:21 31.10.2014
Von Simon Benne
Foto: Hape Kerkeling las bei Weiland aus seinem Buch "Ich bin dann mal weg".
Hape Kerkeling las bei Weiland aus seinem Buch "Ich bin dann mal weg". Quelle: Heusel
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Hannover

Es gibt nicht viel, was Uwe Seeler, Asfa-Wossen Asserate und Jostein Gaarder gemein haben. Die Fußballlegende, der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers und der norwegische Bestsellerautor („Sofies Welt“). Doch es gibt etwas, das sie verbindet: Sie alle waren in den vergangenen Jahren im Drachentöterhaus zu Gast, in mehr oder minder literarischer Mission. Ebenso wie Hera Lind, die hier ihr Frauenbuch „Verwechseljahre“ vorstellte und die wenigen Männer im Publikum kurzerhand „die Mitgebrachten“ nannte. Oder der große, alte Journalist Gerd Ruge, der hier tiefe Weisheiten über Russland nuschelte. Vor seiner Lesung bildete sich eine 30 Meter lange Besucherschlange auf der Georgstraße.

„Ich kann eigentlich keine Talkshow einschalten, ohne jemanden zu sehen, der irgendwann mal bei uns war“, sagt Sybille Rahm, die bei der Buchhandlung Lehmanns für Veranstaltungen verantwortlich ist. Sie kann Anekdoten über Sky du Mont erzählen („sehr kapriziös“), der sich über das Mikrofon echauffierte, oder über Krimiautorin Ingrid Noll: „Eine wunderbare Frau, herzerfrischend und natürlich - vielleicht, weil sie erst spät so berühmt geworden ist.“

Es gibt nicht viel, was Uwe Seeler, Asfa-Wossen Asserate und Jostein Gaarder gemein haben. Die Fußballlegende, der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers und der norwegische Bestsellerautor („Sofies Welt“). Doch es gibt etwas, das sie verbindet: Sie alle waren in den vergangenen Jahren im Drachentöterhaus zu Gast, in mehr oder minder literarischer Mission.

Mehr als 300 Lesungen gab es im Drachentöterhaus, seit hier 2003 die Buchhandlung Weiland (ab 2007 Lehmanns) einzog. Am Freitag geht diese Tradition nun zu Ende: Vor geladenen Gästen, im kleinen Kreis, wird Moderatorin Sabine Heinrich dort ihren Roman „Sehnsucht ist ein Notfall“ präsentieren - dann ist Schluss. Lehmanns schließt im Januar, ein alternativer City-Standort wurde nicht gefunden. Die Kette bleibt in Hannover nur mit einer kleinen Filiale in der Ladenzeile der MHH präsent. Mit der letzten Lesung endet ein Veranstaltungsreigen, der über Jahre immer wieder illustre Gäste in die Stadt zog.

Hape Kerkeling gab hier 2006 zum Besten, wie er auf dem Jakobsweg Gott und der Welt begegnet war. Der Philosoph Rüdiger Safranski plauderte über Goethe, den „Lebenskönner“. Moderator Ulrich Wickert und SPD-Veteran Hans-Jochen Vogel waren hier. Der strenge Pädagoge Bernhard Bueb gab die Super-Nanny für die gebildeten Stände. Und als Comedian Ingo Appelt sich angesagt hatte, der sonst die großen Hallen füllt, musste Sybille Rahm lange mit dessen Management verhandeln, bis dieses akzeptierte, dass es in der Buchhandlung keinen Backstagebereich mit Dusche gibt: „Ingo Appelt selbst war dann total unkompliziert“, sagt sie.

„Es ist schade, dass das nun vorbei ist“, sagt Kathrin Dittmer, Geschäftsführerin des Literaturbüros. Lehmanns habe eine ganz eigene Farbe ins Lesungsprogramm der Stadt gebracht: „Die Autoren saßen inmitten von Büchern, es herrschte eine unaufgeregte Atmosphäre - das ist schon ein Verlust.“ Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „LiteraTour Nord“ gastierten oft namhafte Schriftsteller wie Patrick Roth bei Lehmanns. Auch Sten Nadolny und T.C. Boyle, Götz Aly und Uwe Timm lasen hier - und Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino störte sich nicht daran, bei seiner Lesung vor der Jugendbuchreihe „Freche Mädchen“ sitzen zu müssen. Die Mischung aus gediegener Hochkultur und buntem Boulevard gehörte zum Programm beim kommerziellen Kulturvermittler Lehmanns.

„Hannover verliert mit der Schließung auch einen Kulturort“, sagt der Schriftsteller Jörg Kastner, der wiederholt bei Lehmanns gelesen hat, wehmütig. „Wir Autoren haben uns dort immer gut aufgehoben gefühlt“, sagt auch sein Kollege Günter von Lonski. Er selbst schenkte dort selbstgebrannten Schnaps ans Publikum aus, als er seinen Krimi „Teufelskralle“ präsentierte. Seine Lesungen bei Lehmanns waren Publikumsmagneten. Anders als die von Sigmar Gabriel: Als der Politiker sich angesagt hatte, wurden im Vorfeld nur vier Karten verkauft. „Wir waren ganz froh, als er dann absagen musste“, sagt Sybille Rahm, „wegen ,dringender Verpflichtungen im Wahlkreis’.“

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