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Aus der Stadt Bürger löchern Stromnetzbetreiber Tennet
Hannover Aus der Stadt Bürger löchern Stromnetzbetreiber Tennet
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00:19 09.10.2014
Von Bernd Haase
Eine Tennet-Mitarbeiterin (Mitte) beantwortet die Fragen der Bürger.
Eine Tennet-Mitarbeiterin (Mitte) beantwortet die Fragen der Bürger. Quelle: Eberstein
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Hannover

Der Tisch mit den Landkarten zur Alternative 91 in der Niedersachsenhalle des HCC ist dicht umringt beim sogenannten Informationsmarkt des Stromnetzbetreibers Tennet in Sachen Südlink. Die Menschen stehen in Zweierreihen, und mittendrin versucht Thomas Wagner, verantwortlich für den Bürgerdialog bei Tennet, möglichst jeden zu seinem Recht kommen zu lassen.

Alternative 91 gibt es noch nicht allzu lange. Sie ist eines der überraschendsten Ergebnisse aus der Bürgerbeteiligung zur Stromautobahn und hat einen möglichen Trassenverlauf nach Westen verschoben, in die Wedemark, nach Garbsen, Seelze, Gehrden und Wennigsen. Bisher ging man davon aus, dass die umstrittene Stromleitung im Osten um Hannover herumgeführt werden soll.

Dirk Machan dachte das auch. Dann hat der Wennigser die neuen Karten gesehen, die seit gut einer Woche auf dem Markt sind. Im Prinzip findet er die Energiewende gut, die ja beinhaltet, dass Windstrom vom Norden in den Süden Deutschlands transportiert wird. Dass nun Wennigsen dabei ins Spiel kommt, hat ihn aber nachdenklich gemacht. „Ich will mich informieren“, sagt er. Sein erster Eindruck: „Hier ist es laut und unübersichtlich.“ Der Grund dafür: Es sind an die 500 Bürger in die Niedersachsenhalle gekommen, mehr als bei jeder anderen Veranstaltung, die Tennet im Verlauf der Planung angeboten hat.

Die Wennigser gehen die Sache trotz allem gelassen an, auch wenn die Alternative 91 die Gemeinde ganz schön beuteln würde, wie Bürgermeister Christoph Meineke sagt. „Unser Gebiet würde einmal halbiert, die Ökosiedlung, der Ruheforst und der Deisterkamm wären betroffen“, sagt er. Das erscheint ihm reichlich unausgegoren. Andererseits hat die Alternative 91 von Tennet die Qualifizierung „geringe Eignung“ erhalten, was immer noch besser ist als die Ursprungsvariante, die als „sehr gering geeignet“ eingestuft ist. Höhere Werte gibt es nicht, wenn man eine Stromtrasse in einem Ballungsraum wie Hannover plant. Wagner kann den Unterschied erklären. „Wir haben die Kriterien berücksichtigt, die uns bekannt sind. Es kann sein, dass im weiteren Verfahren noch andere auftauchen.“ Bei der Frage eines Wedemärkers, ob beispielsweise bekannt sei, dass es im Umfeld des Flughafens in Langenhagen Höhenbeschränkungen für Bauwerke wie Masten gelten, muss er ein wenig ausweichen.

Man kann nicht sagen, dass sich die Tennet-Mitarbeiter keine Mühe gäben. Sie bleiben immer freundlich, beantworten möglichst alle Fragen, und wenn sie keine Antwort wissen, dann nehmen sie das Gesagte als Hinweis zu Protokoll. Wenn aber jemand wissen will, wo denn nun die Trasse genau entlang gehen wird oder nach Wunsch des Netzbetreibers gehen soll, werden sie einsilbig und verweisen auf das weitere Planungsverfahren. „Das Ganze trägt nicht zur Klarheit bei“, befindet deshalb der Burgwedeler Andreas Strauch. Man kann es auch so sagen: Es gibt viele Informationen, aber man wird nicht schlauer.

Erfolgreiche Suche nach Raumwiderständen

Raumwiderstände – so heißen im Bürokratendeutsch Kriterien, die einem Infrastrukturvorhaben wie etwa dem Bau einer 800 Kilometer langen Stromtrasse durch Deutschlands Mitte entgegensprechen. Stolze 329 davon haben vier Landkreise aus Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie die Region Hannover zusammengetragen, mit denen ihrer Ansicht nach die Planungen zum Südlink in ihrem Gebiet nicht vereinbar sind. Dazu zählen etwa Naturschutzgebiete, Wohnsiedlungen mit Kindergärten und Altenheimen, Vorranggebiete für Rohstoffabbau oder Windenergieanlagen, Tourismusgebiete oder Kulturgüter. Die Landkreise und die Region Hannover wollen ihre sogenannte Raumwiderstandsanalyse ins kommende Antragsverfahren zur Stromtrasse einbringen. Ihr Ziel: Keine Diskussion über kleinräumige Änderungen an der bisher genannten Trasse, sondern eine über die drei früher genannten großräumigen Alternativen. Eine davon führt durch den Osten Deutschlands.

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