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Aus der Stadt Lärm von Trinkergruppen zermürbt Anwohner
Hannover Aus der Stadt Lärm von Trinkergruppen zermürbt Anwohner
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00:17 28.10.2017
Von Bärbel Hilbig
Die Stadt will den Andreas-Hermes-Platz ansprechender gestalten und lädt Bürger zur Ideenfindung ein. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Bei manchen Anliegern am Weißekreuzplatz liegen inzwischen die Nerven blank. Obwohl die Stadt seit einiger Zeit einen Sicherheitsdienst beauftragt hat, haben sich die Konflikte mit Alkoholikern auf dem Gelände nicht abgeschwächt. Die Verwaltung hat jetzt zum Auftakt einer Bürgerbeteiligung in den Pavillon eingeladen, sie will den Weißekreuzplatz ebenso wie den unwirtlichen Andreas-Hermes-Platz in den nächsten Jahren neu gestalten.

Die meisten der rund 150 Teilnehmer leben tatsächlich in unmittelbarer Nähe. An Ideen mangelt es nicht. Die Nachbarn schlagen bessere Beleuchtung und Sportfelder für Skateboards, Parkour und Beachvolleyball am Andreas-Hermes-Platz vor, Spiele für Kinder, ein Café und eine Sperrung des Straßenstücks der Lister Meile direkt am Weißekreuzplatz.     

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Die Stadt will den unwirtlichen Andreas-Hermes-Platz und den von Trinkern bevölkerten Weißekreuzplatz in den nächsten Jahren neu gestalten. Zum Auftakt können Bürger bei einer Veranstaltung im Pavillon ihre Ideen und Wünsche formulieren.

Prügeleien und laute Musik

Groß ist jedoch die Sorge, dass alle Veränderungen am Kernproblem der Nachbarn vorbeigehen. Die Trinkergruppe, die den Weißekreuzplatz zu ihrem Areal erkoren hat, zermürbe mit ihrem raumgreifenden und lautstarken Verhalten die Anwohner, berichteten Besucher. Sie erzählen von unflätigen Beschimpfungen, von Trinkern, die bewusstlos umkippen oder sich gegenseitig angreifen. „Das kommt mehrmals in der Woche vor. Ich finde auch immer wieder hilflose Personen“, sagt ein Familienvater. Besonders nachts litten selbst entfernter wohnende Anlieger unter der Musik, die einige aus der Trinkergruppe voll aufdrehten.

Sebastian Hensler argwöhnt, dass eine Verschönerung des Platzes ins Leere läuft und die Bürgerbeteiligung dadurch in Beliebigkeit endet. „Ich will, dass das Gegröle, Geschreie und Geprügel aufhören.“ Mit seiner Familie lebt der 47-Jährige in einer Wohnung, deren Zimmer sämtlich zum Platz hinausgehen. Ein Ausweichen vor der Aggressivität sei unmöglich: „Das zerstört unsere Intimsphäre.“

Viele Nachbarn erleben die Situation ähnlich. „Meine Tochter hat jetzt Angst vor jedem Obdachlosen. Das zerreißt mir die Seele, weil Obdachlose nicht unser Problem sind“, sagt Holger Jongen. Ihre Probleme hätten die Anwohner seit drei Jahren im Bezirksrat Mitte vorgetragen. Geändert hat sich aus ihrer Sicht nichts.

Bürger sammeln Ideen

Eine Frau fragt sich, was aus dem Vorschlag der Stadt für Verhaltensregeln am Platz wie dem Einhalten der Nachtruhe geworden ist. Jongen sieht das Problem eher darin, dass niemand bestehende Gesetze durchsetze. „Der Sicherheitsdienst macht um 20 Uhr Feierabend“, sagt ein Familienvater. Er selbst rufe deshalb mehrmals am Abend die Polizei.
Dennoch sieht selbst Jongen Möglichkeiten, wie sich die verfahrene Situation noch verändern lässt. „Wenn sich Familien oder Boulespieler auf dem Platz aufhalten, ziehen sich die Trinker zurück.“ Deshalb sammelten die Anwohner an dem Abend weiter Ideen. 44 Bürger wollen die Vorschläge für die beiden Plätze nun weiter in Arbeitsgruppen vertiefen. Das Stadtplanungsbüro Plan zwei moderiert die Bürgerbeteiligung. Die Planer wollen die Ergebnisse im Mai 2018 vorstellen. Bürger können sich unter www.hannover.de (Stichwort Weißekreuzplatz) über den Diskussionsstand informieren und Kontakt aufnehmen.     

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