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Aus der Stadt Strauch: Rumänische Polizisten nach Hannover
Hannover Aus der Stadt Strauch: Rumänische Polizisten nach Hannover
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09:24 28.01.2014
 Suchte das Gespräch in Rumänien: Bürgermeister Bernd Strauch. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Von Zentralheizung, fließendem Wasser und ausgebauten Straßen können die Roma in ihrer Siedlung vor der rumänischen Stadt Giurgiu nur träumen. Offene Feuer entfachen sie in ihren Wohnungen, um gegen die eisigen Temperaturen anzukämpfen. „Wenn der Begriff bitterste Armut auf einen Ort zutrifft, dann ist es diese Siedlung. Jeder von uns würde versuchen, von dort wegzukommen“, sagt Bürgermeister Bernd Strauch (SPD). Er ist soeben von einem viertägigen Aufenthalt in Rumänien zurückgekehrt. Strauch war Mitglied einer Delegation des Deutschen Städtetags, die auf Einladung der rumänischen Regierung mit Ministerien, Roma-Vertretern und kommunalen Beamten über die Zuwanderung nach Deutschland diskutierte.

Auslöser für die Einladung aus Bukarest ist ein Positionspapier des Deutschen Städtetags. Darin weist der Verband auf die Probleme bei der Integration von südosteuropäischen Zuwanderern in mehreren Städten hin. Zu diesen „besonders betroffenen Kommunen“ zählt der Städtetag neben Duisburg, Dortmund und Mannheim auch Hannover. Die Zuwanderer, um die es geht, verfügen über keine Deutschkenntnisse, äußerst geringe Schulbildung und keine berufliche Qualifikation. Oft fehle es an „Integrationsbereitschaft“, sagte der hannoversche Sozialdezernent Thomas Walter (CDU) kürzlich.

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Aus den Gesprächen in Bukarest und seinen Erfahrungen in Giurgiu hat Strauch zwei Ideen entwickelt. „Wir sollten einen Austausch mit rumänischen Polizisten initiieren“, sagt er. Denn diese fänden einen anderen Zugang zu den bedürftigen Roma, die es nach Hannover verschlagen hat. Umgekehrt könnten sich hannoversche Beamte ein Bild von der Lebenssituation in Rumänien machen. Es komme darauf an, sich besser kennenzulernen und mehr Verständnis füreinander aufzubringen. Zum anderen hat Strauch auf seiner Reise erkannt, dass sich die bitterarmen Rumänen große Illusionen über das Leben in Deutschland machen. „Wir sollten sie darüber aufklären, welche Bedingungen sie erfüllen müssen, wenn sie hier leben wollen“, sagt Strauch. Noch bevor sich Menschen aus Armutsvierteln auf den Weg machten, sollten sie wissen, was sie in Hannover erwartet, welche Rechte und Pflichten sie haben. „Sie dürfen nicht in neue Abhängigkeiten geraten“, sagt Strauch.

Hilfe vom Bund

Der Deutsche Städtetag begrüßt die Ankündigung der Bundesregierung, den Kommunen mit finanziellen Mitteln unter die Arme zu greifen, etwa durch mehr Geld für das Programm „Soziale Stadt“. „Das ist ein Baustein, weitere müssen folgen“, heißt es vom Städtetag.  

Er spielt damit auf prekäre Mietverhältnisse an, unter denen Zuwanderer aus Südosteuropa nicht selten zu leiden haben. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass Wohnungen zum Teil überbelegt sind, die Miete bar kassiert wird und die Menschen von einem Tag auf den anderen auf die Straße gesetzt werden.

Seine Vorschläge will Strauch jetzt mit Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) und Sozialdezernent Thomas Walter (CDU) besprechen. Eine Liste von Telefonnummern habe er mitgebracht, berichtet Strauch, von rumänischen Behördenmitarbeitern, Vereinen und Initiativen. Der Schlüssel für ein besseres Leben der Menschen in den Armenvierteln sei in besserer Bildung und Gesundheitsvorsorge zu suchen. „Aber davon sind sie leider weit entfernt“, sagt Strauch. Zweifellos bemühten sich die rumänischen Behörden, die Not zu lindern. So böten „Sozialhäuser“ Hygieneberatung und gesundheitliche Aufklärung an.

Tobias Morchner 05.02.2014
Bernd Haase 27.01.2014