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Aus der Stadt Bundespolizei fordert Alkoholverbot im Nahverkehr
Hannover Aus der Stadt Bundespolizei fordert Alkoholverbot im Nahverkehr
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08:38 14.04.2010
Flasche leer: Im Metronom gilt das Alkoholverbot seit November.
Flasche leer: Im Metronom gilt das Alkoholverbot seit November. Quelle: Christian Behrens
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Damit sei zwar nicht jedes Problem gelöst, aber es wäre zumindest ein Baustein, die Zahl der Straftaten zu reduzieren, erklärte Osterroth weiter.

Die 2000 Beamten der Bundespolizei sind unter anderem für die Sicherheit an Bahnhöfen und Flughäfen zuständig. „Bei vielen Delikten, mit denen wir es zu tun haben, spielt Alkohol eine Rolle“, ergänzte der Bundespolizeipräsident. Er wies darauf hin, dass die private Bahngesellschaft Metronom mit Sitz in Uelzen mit ihrem seit November 2009 geltenden Alkoholverbot äußerst positive Erfahrungen gemacht hat. Dort ging die Zahl der alkoholbedingten Straftaten in den Zügen signifikant zurück. Registrierte die Polizei im Oktober des vergangenen Jahres noch 188 Vergehen in den Metronomzügen, waren es im Dezember nur noch 102. Das ist ein Rückgang von 46 Prozent. Ähnlich deutlich sind auch die Zahlen im Bereich Vandalismus in den Zügen zurückgegangen.

Die Deutsche Bahn allerdings hat Vorbehalte gegen ein generelles Alkoholverbot. „Das kann man nicht als Bahn alleine stemmen“, sagte deren Sprecher Egbert Meyer-Lovis. Dazu gehöre auch eine breite „gesellschaftliche Akzeptanz“, meinte er. Daher müsse sich auch die Politik zu diesem Thema positionieren. Unklar ist für Meyer-Lovis, ob die Forderung der Bundespolizei auch für Fernzüge gelte. „Was machen wir dann in den Speisewagen?“, fragte er. Allerdings gebe es durch die Beförderungsbedingungen schon jetzt die Möglichkeit „auffällige Menschen“ vom Transport auszuschließen. „Das machen wir auch“, sagte der Sprecher.

Im Nahverkehr müssten nach Ansicht des Bahnsprechers Gespräche mit den Bestellern geführt werden. Die Region Hannover meint allerdings, die Einführung eines Alkoholverbotes sei Sache der Bahn. „Wir können das nicht einfordern“, sagte Sprecher Klaus Abelmann. Bei der Ausschreibung für den S-Bahn-Verkehr sei kein Alkoholverbot gefordert worden.

Die Landesnahverkehrsgesellschaft setzt auf das „Prinzip Freiwilligkeit“, wie Sprecher Rainer Peters berichtete. „Was Metronom gemacht hat, geht in die richtige Richtung“, sagte er. Wenn andere Verkehrsunternehmen ähnliche Initiativen entwickelten und die Fahrgäste befragten, sei das in Ordnung.

Auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann plädiert seit Langem für ein grundsätzliches Alkoholverbot in allen S-Bahn- und Regionalzügen. Durch ein Verbot erhofft sich der Minister nicht nur mehr Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr, sondern auch einen positiven Einfluss auf die Gewalt in Fußballstadien. Weniger Alkohol auf der Fahrt zum Spiel reduziere „die Konflikte zwischen den Fangruppen“, hatte Schünemann im Dezember erklärt.

Tobias Morchner und Matthias Klein

Klaus Wallbaum 13.04.2010
Felix Harbart 13.04.2010