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Aus der Stadt Burka im Dienst? – Stadt Hannover setzt auf Kompromiss
Hannover Aus der Stadt Burka im Dienst? – Stadt Hannover setzt auf Kompromiss
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09:41 02.02.2011
Von Gunnar Menkens
Im Streit um das Tragen einer Burka am Arbeitsplatz setzt die Stadt Hannover auf Kompromisse. (Symbolbild)
Im Streit um das Tragen einer Burka am Arbeitsplatz setzt die Stadt Hannover auf Kompromisse. (Symbolbild) Quelle: dpa
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Die Stadt Hannover hat keine einheitlichen Regeln für den Umgang mit muslimischen Frauen, die in Burka oder mit einem Kopftuch arbeiten wollen. Während der Magistrat in Frankfurt eine vollverschleierte Angestellte nicht weiterbeschäftigen möchte und auch einen Prozess in Kauf nimmt, gab es in der niedersächsischen Landeshauptstadt bisher zwei Fälle, in denen Mitarbeiterinnen wegen religiös motivierter Kleidung den Arbeitsplatz innerhalb der Verwaltung wechselten.

Stadtsprecher Andreas Möser nannte keine Details, sagte aber am Dienstag, man bemühe sich, diese seltenen Konflikte einvernehmlich zu lösen. Einer dieser beiden Fälle spielte sich vor wenigen Jahren in einer hannoverschen Kindertagesstätte ab. Nach einem Türkeiurlaub erschien eine Beschäftigte in einer burkaähnlichen Verhüllung, die ihren Körper nahezu vollständig verschleierte.

Die Stirn war tief bedeckt, das Kinn ebenso, die Kinder waren sehr irritiert von der Frau, die sie doch anders in Erinnerung hatten. Nach einem Gespräch entschieden sich Stadt und Muslima, dass ein Arbeitsplatz im Innendienst, ohne Kontakt mit Kindern, der geeignetere Ort sei. Dort kann die Frau nun die Kleidung ihrer Wahl tragen.

Eine zweite Debatte entspann sich, als vor etwa drei Jahren eine Büchereiangestellte aus der Elternzeit in ihren Beruf zurückkehrte. Die muslimische Mutter berichtete ihren Vorgesetzten, dass sie in Zukunft nur noch mit Kopftuch in einer der hannoverschen Stadtteilbibliotheken arbeiten wolle. Der Stoff verhüllte die Haare, ließ das Gesicht aber frei. Einige Kunden störte sich zunächst an dem Kleidungsstück, da es Ausdruck einer Religionszugehörigkeit sei; etliche andere hatten gegen das Verhalten der Angestellten nichts einzuwenden.

„Es steht jedem Mitarbeiter frei, sich nach eigenen Vorstellungen zu kleiden“, sagte Bibliothekschefin Carola Schelle-Wolff. Das Verhältnis zwischen Kunden und Mitarbeiterin habe sich nach einigen Wochen entkrampft. Inzwischen arbeitet die Frau, ebenfalls nach gemeinsam getroffener Entscheidung, an einem anderen Arbeitsplatz im verzweigten Netz der Stadtbibliothek.

Die Stadtverwaltung habe auch deshalb keine generelle Richtlinien beschlossen, weil für Kommunen gesetzliche Grundlagen fehlten, sagte Sprecher Andreas Möser. „Wir reagieren im Einzelfall.“ Man respektiere aber die Religionsfreiheit und benachteilige niemanden wegen seines Glaubens.

Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) hatte bereits am Vortag gegenüber der HAZ deutlich gemacht, dass er die Burka als Kleidungsstück „nicht für angemessen“ halte. Es sei aber Sache des Gesetzgebers, Einschränkungen festzulegen.

Hannovers voraussichtlicher neuer SPD-Chef Alptekin Kirci lehnt es als „unmöglich“ ab, wenn Frauen in ganzkörperverhüllenden Burkas in der Verwaltung arbeiten würden. Der türkischstämmige Rechtsanwalt kritisiert im Gegenteil Männer und Frauen, die persönliche religiöse Grundsätze kompromisslos durchsetzen wollen. „Glaubenstoleranz ist schön und gut, aber die Engstirnigkeit solcher Personen schadet ihrem Glauben selbst und der Integrationsdebatte.“

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