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Aus der Stadt Busfahrer lässt Kinder nicht aussteigen - jetzt muss er zahlen
Hannover Aus der Stadt Busfahrer lässt Kinder nicht aussteigen - jetzt muss er zahlen
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00:15 13.04.2013
Von Michael Zgoll
Das Verfahren gegen den Busfahrer ist gegen Zahlung einer Geldbuße von 800 Euro eingestellt worden.
Ein Busfahrer missachtete Haltestellen. Jetzt muss er eine Geldbuße von 800 Euro zahlen. Quelle: Zgoll (Symbolfoto)
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Hannover

Der 46-jährige Angestellte eines privaten Busunternehmens, das auch die Üstra-Linie 611 in Langenhagen bedient, hatte an einem Morgen im September 2012 an drei Haltestellen in Krähenwinkel nicht gestoppt. Etliche Grundschüler, die auf dem Weg zu ihrer Grundschule waren, mussten unfreiwillig bis zum Busstopp Reuterdamm mitfahren und kamen verspätet zum Unterricht - nach einem Fußmarsch von einem Kilometer inklusive dem Überqueren einer Hauptverkehrsstraße.

Vor Gericht bestätigten drei Mütter, dass es in Langenhagen und Umgebung immer wieder Probleme mit Busfahrern gebe, die Haltestellen ignorieren. Die Mutter einer Zehnjährigen berichtete, dass sie eines Morgens gegen 7.45 Uhr mit eigenen Augen gesehen habe, wie ein Bus der Linie 611 an den Haltestellen Friedensallee, Eichstraße und Lönsweg durchrauschte. Sie folgte dem Bus bis zur Station Reuterdamm und machte dort gegenüber dem Fahrer ihrem Ärger Luft. Mehrere Grundschüler sagten später in polizeilichen Vernehmungen aus, dass sie den Halteknopf gedrückt und lauthals gerufen hätten, um aussteigen zu dürfen. Ein Schüler, der den Busfahrer ansprach, soll mit den Worten abgespeist worden sein: „Da habt ihr wohl Pech gehabt, dann müsst ihr eben zurücklaufen.“ Die Polizei eingeschaltet hatte im Vorjahr der damalige CDU-Ortsverbandschef von Kaltenweide, der von einer Parteifreundin ins Bild gesetzt wurde.

Wegen des Dienstplans der Transportfirma, so sagte Richter Michael Siegfried, sei klar, dass der angeklagte 46-Jährige am Steuer des Nonstop-Busses gesessen habe. Das stritt der Kosovo-Albaner zwar vehement ab, akzeptierte aber schließlich zähneknirschend, 800 Euro zu zahlen. Der Richter hatte ihm klargemacht, dass eine Verurteilung möglicherweise eine eingetragene Vorstrafe und die Gefährdung seines Arbeitsplatzes bedeutet hätte. Der Vater von drei Kindern muss das Geld nun an den Förderverein der Grundschule Krähenwinkel überweisen; das Gericht ließ eine Zahlung in sechs Raten zu. Im Zuge eines Strafbefehls, gegen den der Mann Einspruch erhoben hatte, sollte er ursprünglich sogar 1000 Euro zahlen.

Für die drei Mütter ist wichtig, dass Üstra und Subunternehmen auch strukturelle Probleme wie die Überfüllung von Bussen vor Schulbeginn lösen. Im Vorfeld des Prozesses war der Verdacht laut worden, dass Fahrer Haltestellen gelegentlich links liegen lassen, weil sie ohnehin keine neuen, wartenden Fahrgäste aufnehmen können. Auch verursache das Tohuwabohu beim Ein- und Ausstieg der Kunden in vollgepfropften Bussen zusätzliche Verspätungen - die die Fahrer vermeiden möchten.

Üstra-Sprecherin Katrin Raddatz bestätigte, dass die Busse in der Zeit zwischen sieben und acht Uhr „bis zum Anschlag“ ausgelastet seien. Natürlich sei es untragbar, dass eine Haltestelle nicht bedient werde. Die Üstra habe die Situation in Krähenwinkel mehrfach begutachtet, sei jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kapazitäten ausreichend seien. In anderen Fällen habe man schon größere oder zusätzliche Wagen eingesetzt. Raddatz wies darauf hin, dass die Üstra jederzeit für Hinweise von Fahrgästen, Schulen oder Eltern dankbar sei, die auf Missstände aufmerksam machten. Unter Telefon (0511) 16680 sollten Anrufer Linie, Haltestelle und Uhrzeit nennen, zu der die Schwierigkeiten auftraten.

Michael Zgoll 11.04.2013
Jan Szyszka (fM) 13.04.2013