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Aus der Stadt Eine 21-Jährige als Kanzler-Favoritin im Internet
Hannover Aus der Stadt Eine 21-Jährige als Kanzler-Favoritin im Internet
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06:30 19.07.2017
Von Andreas Schinkel
Casting fürs Kanzler-Coaching: Theresa Hein.
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Hannover

Mehr Vertrauen in die Politik, eine Rückbesinnung auf Werte und Schokolade für Politiker in Marathonsitzungen – das sind, sehr verkürzt, die Kernbotschaften von Theresa Hein in ihren Internetvideos. Dezent geschminkt, gestreifte Bluse mit Blümchen-Applikation – so präsentiert sich die 21-jährige CDU-Bezirksratsfrau für die CastingshowGermanys next Bundeskanzlerin“. Ausgerichtet wird der Online-Wettbewerb vom Verband Junge Unternehmer. Gewinnt Hein die Kandidatenkür, fährt sie nach Berlin für ein Kanzler-Coaching, eine Art Rhetorikschule für Nachwuchspolitiker. Zudem winkt dem Sieger ein mit 10 000 Euro dotiertes Stipendium. Heins Chancen stehen derzeit nicht schlecht. Sie rangiert unter den ersten zehn Kandidaten mit den höchsten Klickzahlen für ihre Videobotschaften.

Der jungen CDU-Frau ist klar, dass es bei dem Internet-Casting weniger auf die Qualität ihrer Beiträge ankommt als vielmehr auf die Mobilisierung von Anhängern. „Eigentlich sollte eine Jury auch den Inhalt bewerten“, sagt Hein. So aber zählt allein, wie häufig Internet-Nutzer die Videos der 21-Jährigen mit einem Mausklick für gut befinden.

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Mehrere Aufgaben („Challenges“) bekommen die Kandidaten im Laufe des Wettbewerbs gestellt. Ihre Lösungen stellen die Bewerber dann in Form von Videos auf die Internetseite der Castingshow (www.gnbk.de). So müssen sie sich überlegen, wie ihre erste Amtshandlung als Bundeskanzlerin aussehen könnte.

Hein fällt dazu ein, dass Politik stärker auf Werten basieren sollte und Parteien weniger gegeneinander arbeiten sollten. Aber was meint sie, wenn sie von Werten spricht? „Demokratisches Zusammenleben, gegenseitige Toleranz und dass die eigenen Ideen ernst genommen werden“, zählt Hein im Gespräch mit der HAZ auf. Zudem würde sie als Bundeskanzlerin mittelständische Unternehmen fördern und dafür sorgen, dass soziale Berufe mehr Anerkennung bekommen.

Hein sitzt seit der Kommunalwahl im Herbst vergangenen Jahres für die CDU im Bezirksrat Mitte. Dort halten sich ihre Wortbeiträge in Grenzen. „Ich lerne noch und beobachte“, sagt sie. Hein studiert Medienmanagement in Hannover, hat bereits ihren Bachelor absolviert und sattelt jetzt einen Master-Abschluss drauf. Gefördert wird sie von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Nebenbei arbeitet sie für den CDU-Europaabgeordneten Burkhard Balz.

Das alles wirkt wie der kühl kalkulierte Beginn einer politischen Karriere, doch Hein winkt ab. „So etwas kann man nicht planen“, meint sie.