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Aus der Stadt Politiker will Alkohol in Stadtbahn verbieten
Hannover Aus der Stadt Politiker will Alkohol in Stadtbahn verbieten
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00:15 20.01.2014
Von Mathias Klein
Foto: Alltag in der Stadtbahn: Etliche Fahrgäste sind, vor allem an den Wochenenden, mit Bierflasche unterwegs. Andere fühlen sich dadurch belästigt.
Alltag in der Stadtbahn: Etliche Fahrgäste sind, vor allem an den Wochenenden, mit Bierflasche unterwegs. Andere fühlen sich dadurch belästigt. Quelle: Rainer Surrey
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Vor allem Frauen und ältere Menschen könnten davon profitieren, denn aus Angst vor Übergriffen durch angetrunkene Fahrgäste trauten sie sich abends häufig nicht mehr in die Stadtbahn.

Brockmann bezieht sich auf eine Untersuchung zur „Sicherheit und Kriminalität“ des Landeskriminalamtes. Die Studie zeige, dass fast ein Drittel der Frauen nie oder fast nie in den Abendstunden öffentliche Verkehrsmittel nutzt. „Das ist ein erschreckendes Ergebnis“, sagte Brockmann. Eine Erklärung dafür sei der massive Alkoholkonsum in den Bahnen vor allem an den Wochenenden. „Das exzessive Trinken im Bereich der Üstra trägt stark zur Verunsicherung der weiblichen und der älteren Fahrgäste bei“, resümierte Brockmann.

Der ehemalige Polizeipräsident bemängelte, dass das Thema bisher von der Politik völlig vernachlässigt werde. Ein Alkoholverbot könnte von den Sicherheitsleuten des Verkehrsunternehmens durchgesetzt werden, sagte er. Er setze auf die Vernunft der Fahrgäste. „Das Rauchverbot in Bussen und Bahnen wird auch beachtet“, betonte Brockmann.

Üstra-Sprecher Udo Iwannek wies die Forderung am Freitag zurück. Das Problem sei nicht das Trinken von Alkohol in Bahnen und Bussen, meinte Iwannek. „Wir haben eine durchschnittliche Verweildauer von zehn Minuten in den Bahnen“, berichtete er. In dieser Zeit betrinke sich niemand so sehr, dass er zu einer Gefahr für andere Fahrgäste werde, sagte der Üstra-Sprecher. Problematischer sei es, dass manche Fahrgäste schon stark angetrunken in die Stationen oder in die Bahnen kämen. „Wenn Fahrgäste so stark angetrunken sind, dass von ihnen eine Gefahr ausgeht, greift das Sicherheitspersonal ein“, so Iwannek. Insgesamt sei die Sicherheitslage bei der Üstra gut, meinte er. Tätlichkeiten unter Alkoholeinfluss kämen sehr selten vor.

Unterstützung erhält die Üstra von der Polizei. „Ein Alkoholverbot in der Stadtbahn ist nicht zielführend“, sagt Sprecherin Martina Stern. In den Bahnen selbst werde nicht besonders viel Alkohol konsumiert, meinte sie. Die meisten alkoholisierten Fahrgäste hätten schon vorher Alkohol getrunken.

Gute Erfahrungen mit einem Alkoholverbot hat dagegen das Nahverkehrsunternehmen Regiobus gemacht. In den Bussen ist der Konsum von Bier, Sekt und härteren Getränken seit dem Mai 2007 nicht mehr erlaubt. „Das funktioniert gut“, sagt Sprecher Tolga Otkun. Man habe sich für das Verbot entschieden, weil etliche Fahrgäste abgeschreckt würden, wenn andere mit geöffneten Alkoholflaschen im Bus säßen.

Im Jahr 2011 hatten die SPD Hannover sowie Finanz- und Ordnungsdezernent Marc Hansmann ein Alkoholverbot in den Bahnen der Üstra gefordert, sich aber nicht durchsetzen könne.

Auch zum Thema Müllgebühren bezog Brockmann Stellung. Die Neuordnung sei „unmöglich“ und diene nicht der Müllvermeidung. Er habe noch nie ein Regionsthema erlebt, das so heftig diskutiert werde.

Kommentar

Warum nicht?

Der CDU-Regionspräsidentenkandidat Axel Brockmann hat zum Start in den Wahlkampf ein Law-and-Order-Thema gewählt. Das mag man einfallslos finden, in seinem Fall jedoch ist es nur logisch. Schließlich kann er im Ringen ums Amt auf seinen guten Ruf als ehemaliger Polizeipräsident durchaus setzen. Allerdings ist das gewählte Thema nicht neu. Bisher hat sich stets die Lesart durchgesetzt, dass ein Alkoholverbot in Bussen und Bahnen nicht viel nützen würde. Wegen der zu kurzen „Verweildauer“, der Schwierigkeit der Kontrolle und weil sich der Sicherheitsdienst auch jetzt schon um randalierende Fahrgäste kümmern könne. Da ändert es auch nichts, dass Regiobus und Metronom von guten Erfahrungen mit dem Alkoholverbot berichten. Vollends einleuchtend ist die Argumentation von Verkehrsbetrieben und Polizei jedoch nicht. Die Verweildauer auf einer Fahrt mit der Linie 1 von Sarstedt nach Langenhagen reicht durchaus hin, sich einen ordentlichen Schwips anzutrinken, zumal für eine Gruppe Teenager mit kreisender Wodkaflasche. Und warum verwirft die Polizei ein Alkoholverbot in der Bahn, wirbt aber in regelmäßigen Abständen für eines auf öffentlichen Plätzen? Auch hier könnte man ins Feld führen, das beste Verbot nütze nichts, wenn sich die Delinquenten schon vorher betränken. Schließlich: Warum ist es Üstra-Kunden nicht zuzumuten, aufs Bier zu verzichten, wenn damit das Sicherheitsgefühl der anderen Fahrgäste steigt und die Geruchsbelastung in den Wagen sinkt? Brockmanns Vorschlag ist also eine Überlegung wert – wenn die Region sicher auch drängendere Probleme hat. Ein wenig mehr muss dem Kandidaten sicher noch einfallen. Felix Harbart

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