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Aus der Stadt CDU kritisiert Schul- und Jugendpolitik in Hannover
Hannover Aus der Stadt CDU kritisiert Schul- und Jugendpolitik in Hannover
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21:46 26.08.2010
Der Stadtteil bestimmt die Bildungschancen: In Hannover hat sich nach der Bildungsstudie eine Debatte über die Schul- und Jugendpolitik entzündet. Quelle: dpa (Symbolbild)

Die Ergebnisse der städtischen Bildungsstudie befeuern weiterhin eine Diskussion über Versäumnisse in Hannovers Schul- und Jugendpolitik. So wirft CDU-Ratsfraktionschef Jens Seidel der Verwaltung vor, die Belange von Kindern und Jugendlichen zu vernachlässigen – „und zwar ganz bewusst“. Seidel begründet seine Kritik mit der rückläufigen Zahl von Spielplätzen sowie dem Stellenabbau in Jugendeinrichtungen. „Nur mit dem Finger auf das Land zu zeigen ist definitiv zu wenig und zeigt, wie weit sich die Stadtverwaltung von der Realität in den Stadtteilen entfernt hat“, sagt Seidel.

Unterdessen schalten sich auch Repräsentanten von Migrantenverbänden und muslimischen Gläubigen in die Debatte ein. Die Vorsitzende des Türkischen Elternverbands Niedersachsen, Havva Mermertas, fordert, die Schulelternräte um zusätzliche Vertreter aus den Reihen der Eltern mit Migrationshintergrund aufzustocken. „Viele Eltern wissen gar nicht, was an den Schulen los ist.“ Der Landesverband der Muslime setzt auf Eigeninitiative und Integration. „Die großen Moscheen bieten alle Hausaufgabenhilfe an“, sagt Vorsitzender Avni Altiner. „Ein großer Fortschritt wäre es aber, wenn das niedersachsenweite Projekt Islamunterricht an Schulen in deutscher Sprache zu einer dauerhaften Einrichtung würde. Das zwingt die Eltern, deutsch zu sprechen.“ Die Muslime wollen ihre Jugendarbeit ausweiten und mit den Jugendfeuerwehren und dem Verband christlicher Pfadfinder zusammenarbeiten.

Gegenstand der Diskussion ist weiterhin auch das Modell der Durchmischung bürgerlicher Schulbezirke mit Problemstadtteilen. Zuletzt hatte SPD-Ratsherr Alptekin Kirci diesen Austausch als überlegenswert bezeichnet. Muammer Duran, Vorstand im CDU-Ortsverein Linden-Limmer und Vorsitzender des Rats türkischer Vereine, hält dagegen wenig davon. „Ich halte es für wenig praktikabel, die Kinder durch die Gegend zu kutschieren“, sagt er. Schließlich sei keinem Kind damit geholfen, wenn seine Schule in einem anderen Stadtbezirk liege als sein Zuhause. „Was machen die Kinder nach der Schule, wenn sie wieder in ein anderes soziales Umfeld müssen?“, fragt Duran. Er plädiert stattdessen dafür, schwache Standorte zu stärken.

Kritik übt die Ratsopposition auch am Schweigen von Kultur- und Schuldezernentin Marlis Drevermann zum Thema Bildungsgerechtigkeit. Die Dezernentin hatte sich im Schulausschuss am Mittwoch mit keinem Wort zu der Studie geäußert. „Das ist eine Ohrfeige für alle Eltern und Lehrer und ein politischer Offenbarungseid“, sagt CDU-Stadtchef Dirk Toepffer. Ratsherr Jens Meyburg (FDP) kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass „Frau Drevermann das Thema Kultur näher liegt als das Thema Schule“. CDU-Kollege Seidel geht noch weiter: Er nennt Drevermann die „Schuldezernentin der Ahnungslosigkeit“.

Felix Harbart und Veronika Thomas

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