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Aus der Stadt CDU wehrt sich gegen „Schnüffel“-Vorwürfe
Hannover Aus der Stadt CDU wehrt sich gegen „Schnüffel“-Vorwürfe
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00:25 27.04.2015
Von Andreas Schinkel
Diese Einrichtung besuchten die CDU-Frauen unangekündigt: Das ehemalige Seniorenzentrum der AWO in Kirchrode.
Diese Einrichtung besuchten die CDU-Frauen unangekündigt: Das ehemalige Seniorenzentrum der AWO in Kirchrode. Quelle: Alexander Körner / Montage
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Haben sich vier CDU-Politikerinnen widerrechtlich Zutritt zu einem Flüchtlingswohnheim in Kirchrode verschafft? Schnüffelten sie herum, trampelten sie „wie Godzilla“ durch die privaten Räume von Flüchtlingen, wie es die Grünen vermuten? CDU-Ratsfrau Stefanie Matz ist eine der Gescholtenen. Dass sie sich wie eine Monsterechse benommen haben soll, traut man der Ärztin (56) schwerlich zu. Matz untersucht im Auftrag der Region Kita-Kinder und Erstklässler. Sie weist die Vorwürfe, die am Donnerstag zu einem Eklat im Rat führten, entschieden zurück. „Wir haben nichts falsch gemacht“, sagt sie.

Kein privates Zimmer eines Flüchtlings habe sie betreten, keine Fotos von Menschen gemacht und nur kurz mit einer Heimbewohnerin gesprochen. „Da ging es um ein medizinisches Problem der Frau, bei dem ich sie beraten konnte“, sagt die Ärztin.

In der Ratssitzung hatte der unangemeldete Besuch der Christdemokratinnen vom 6. März im Flüchtlingswohnheim eine hitzige Debatte ausgelöst. SPD und Grüne gaben sich „entsetzt“ und verlangten von CDU-Fraktionschef Jens Seidel, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder vorkomme. Die Stadtspitze wollte kein Öl ins Feuer gießen und riet, beim nächsten Besuch einen Termin abzusprechen. Doch eine Grundsatzdebatte über Flüchtlingspolitik in Hannover ließ sich nicht mehr abwenden.

Dabei ging es Matz, Georgia Jeschke, Jutta Barth und der stellvertretenden Bezirksbürgermeisterin Petra Stittgen nicht um Grundsätzliches, sondern um die Zustände in der Unterkunft an der Zweibrückener Straße. „Wir hatten zwei Wochen zuvor vom Beschwerdebrief ehrenamtlicher Helfer gehört“, sagt Matz. Darin beklagten sich die Unterzeichner beim Heimbetreiber, der Firma Fair Facility, über häufige Personalwechsel, Schmutz und etliche Feueralarme. „Dem wollten wir nachgehen“, sagt Matz. Deshalb der Besuch im Heim.

„Wir konnten den Eingangsbereich einfach betreten. Da gab es keinen Pförtner und keine Rezeption“, erzählt die 56-Jährige. Vorsichtig habe sie an verschiedene Türen geklopft, dann erschien ein Hausmeister. „Wir stellten uns vor, erwähnten die Beschwerden und baten ihn, uns herumzuführen“, sagt Matz. Der Hausmeister willigte ein und ging mit den vier Politikerinnen durch die Flure. Zimmer habe man sich nicht angesehen. „Die Kritik der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer hat sich bestätigt“, sagt Matz knapp, ohne ins Detail gehen zu wollen. Nur so viel: Einen Brandmelder über dem Herd anzubringen, das sei schon fahrlässig.

Den Ärger um ihren Besuch kann die Christdemokratin nicht verstehen. „Wir wissen doch auch, worum es geht und wie sensibel wir vorgehen müssen“, sagt die Medizinerin.   

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