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Aus der Stadt CDU wirft Stadt Versagen im Umgang mit „Fall Chico“ vor
Hannover Aus der Stadt CDU wirft Stadt Versagen im Umgang mit „Fall Chico“ vor
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00:17 13.04.2018
Der Fall Chico sorgt nun auch in der Politik für Streit.
Der Fall Chico sorgt nun auch in der Politik für Streit. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Hannover

   Unmittelbar nachdem die  Stadt im Fall Chico ein „gravierendes Versäumnis“ eingeräumt hat, ist in der Kommunalpolitik die Diskussion um die Konsequenzen entbrannt. Der Staffordshire-Terrier-Mischling hatte vor einer Woche in Groß-Buchholz den 27-jährigen Halter und dessen 52-jährige Mutter durch Bisse getötet. „Das Versagen der Stadtverwaltung im Umgang mit dem Hund, der zwei Menschen getötet hat, lässt sich nicht in Worte fassen", kritisiert der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Jens Seidel. Bei der SPD will man zunächst die internen Ermittlungen abwarten. 

CDU-Mann Seidel fordert, die ganze Angelegenheit müsse jetzt genau untersucht werden. Es sei bedauerlich, dass der Rat, anders als der Landtag, keinen Untersuchungsausschuss einsetzen könne: Der Fall sei eigentlich geeignet für solch ein Gremium, das volle Akteneinsicht habe und Zeugen befragen könne. „Die beiden Opfer können wir nicht mehr lebendig machen“, sagt der CDU-Politiker. Nun müsse jedem Hinweis auf möglicherweise gefährliche Hunde gründlich nachgegangen werden. 

Eine 52 Jahre alte Frau und ihr 27 Jahre alter Sohn sind in ihrer Wohnung vom Staffordshire-Terrier des Mannes angefallen und totgebissen worden.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Lars Kelich, hält dagegen das Nachdenken über einen Untersuchungsausschuss für völlig übertrieben. Es sei wichtig, mögliche Fehler in der Stadtverwaltung zu analysieren und daraus die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, sagt Kelich. Aber die Fehlleistung von Mitarbeitern der Verwaltung sei jedoch kein originäres Thema für den Rat. 

Auf Aufklärung setzt auch Hannovers FDP-Chef Patrick Döring. Nachdem den Erkenntnissen über die Gefährlichkeit des Hundes keine Taten gefolgt seien, müsse die Verwaltung nun aus den Fehlern lernen: „In Zukunft muss jeder Teil der Verwaltung genau wissen, was zu tun ist." Döring, der Vorstand einer Hundeversicherung ist, berichtet, dass das niedersächsische Hundegesetz in den einzelnen Kommunen völlig unterschiedlich ausgelegt werde. „Das muss vereinheitlicht werden“, fordert Döring. 

Staffordshire-Terrier-Mischling Chico war vor seiner Einschläferung im Tierheim Krähenwinkel untergebracht worden. Die Polizei geht davon aus, dass der Hund seinen Halter und dessen Mutter totgebissen hat.

Derzeit befindet sich Chico weiter in der Obhut des Tierheims Langenhagen. Dort wird er so lange bleiben, bis alle Prüfungen abgeschlossen sind. Erst dann soll entschieden werden, ob er eingeschläfert wird oder ob es eine Einrichtung gibt, die den Mischling aufnehmen kann. Um welche Einrichtung es sich handeln könnte, ist noch unklar. 

Fest steht: In einem Tierheim kann Chico nicht dauerhaft untergebracht werden. „Das wäre für ihn viel zu stressig, allein schon wegen des Besucherverkehrs“, sagt Claus Reichinger vom Tierschutzverein München. Der Verein betreibt sowohl ein Tierheim als auch einen Gnadenhof. Auch die Unterbringung in einer derartigen Einrichtung sei an bestimmte Bedingungen geknüpft, so Reichinger. „Dort ist es zwar ruhiger, es müsste aber Betreuer geben, die sich um ihn kümmern, bestenfalls einen Hundetrainer, der den Hund auch lesen kann.“ Derartige Einrichtungen gebe es nicht viele in Deutschland, sagt der Tierschützer. 

Nach Angaben von Andreas Hüttl, dem Rechtsanwalt der drei Schwestern des getöteten Halters, sind die drei Hinterbliebenen tendenziell der Ansicht, dass der Hund eingeschläfert werden solle. 

Von Matthias Klein und Tobias Morchner