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Aus der Stadt Viel Kritik an Plänen für Tempo 30
Hannover Aus der Stadt Viel Kritik an Plänen für Tempo 30
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00:19 26.11.2014
Von Michael Zgoll
Foto: Auslöser für die Debatte ist ein Bremsmanöver in Göttingen: Dort dürfen Autofahrer seit Freitagnacht auf sieben Hauptstraßen nur noch 30 Stundenkilometer fahren.
Auslöser für die Debatte ist ein Bremsmanöver in Göttingen: Dort dürfen Autofahrer seit Freitagnacht auf sieben Hauptstraßen nur noch 30 Stundenkilometer fahren. Quelle: Markus Führer
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CDU und FDP fürchten großen bürokratischen Aufwand für wenig lärmmindernden Ertrag. Ungeteilten Beifall für den Diskussionsanstoß gibt es dagegen vonseiten der Grünen, die sich eine deutliche Entlastung der Anlieger versprechen. Die SPD verhält sich noch abwartend und will das Projekt „ideologiefrei“ prüfen. Auslöser für die Debatte ist ein Bremsmanöver in Göttingen: Dort dürfen Autofahrer seit Freitagnacht auf sieben Hauptstraßen nur noch 30 Stundenkilometer fahren.

„Viel bürokratischer Aufwand für nichts und wieder nichts“, wettert Jens Seidel, Chef der CDU-Fraktion im Rat. Nach Schätzungen der Verwaltung gebe es bereits mehr als 125 000 Verkehrsschilder in Hannover; mit einer Ausweitung der Geschwindigkeitsbeschränkung würden noch viele dazukommen. Außerdem seien Stadtbahnen lauter als Autos - dürften diese dann auf Podbi, Hildesheimer oder Vahrenwalder Straße auch nur noch Tempo 30 fahren?

„Ich bezweifele, dass diese Reduzierung irgendetwas bringt“, ist FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke ebenso skeptisch. Ein Auto, das mit 50 Kilometern pro Stunde im vierten Gang dahinrolle, sei leiser als eins, das mit 30 im zweiten Gang fahre. „Es werden höchstens die Abrollgeräusche verringert, aber nicht der Motorenlärm“, ergänzt der Linken-Fraktionsvorsitzende Oliver Förste.

Ins Gespräch gebracht hat die Stadt Hauptstraßen wie Podbi, Friedrich-Ebert-oder Marienstraße. Die Verwaltung verspricht sich von nächtlichem Tempo 30 eine Lärmminderung um drei Dezibel. Doch was würde das für die schlafenden Anlieger bedeuten? Während CDU-Politiker Seidel sagt, dass sie kaum einen Unterschied hören würden, sprechen SPD und Grüne bei drei Dezibel Differenz von einer Halbierung der Lärmemissionen.

Für den SPD-Verkehrsexperten Jürgen Mineur spricht noch ein weiteres Argument für Tempo 30 bei Nacht: Das Plus an Sicherheit, weil sich die Bremswege von Autos halbierten. Man müsse aber genau prüfen, welche Abschnitte von Hauptstraßen man einbeziehen wolle. Auf der nördlichen Vahrenwalder Straße etwa sei eine solche Geschwindigkeitsbeschränkung kaum sinnvoll. Den Lärm von Stadtbahnen könne eine rasenähnliche Bepflanzung zwischen den Gleisen verringern - was am Ende wohl eine Kostenfrage ist.

„Wir begrüßen den Vorstoß der Stadt“, sagt Michael Dette, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen. Die Wohnbevölkerung links und rechts von Hauptstraßen könne mit einer Temporeduzierung wirkungsvoll vor Verkehrslärm geschützt werden. Um Tempo 30 bei Nacht durchzusetzen, seien dann aber auch entsprechende Kontrollen der Autofahrer notwendig.

Kristian Teetz 25.11.2014
Andreas Schinkel 26.11.2014
Veronika Thomas 23.11.2014