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Aus der Stadt Caritas-Straßenambulanz stellt erstmals Arzt ein
Hannover Aus der Stadt Caritas-Straßenambulanz stellt erstmals Arzt ein
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00:16 25.11.2017
Erster angestellter Arzt der Caritas Strassenambulanz: Benjamin Hoffmann
Erster angestellter Arzt der Caritas Strassenambulanz: Benjamin Hoffmann Quelle: Uwe Dillenberg
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Hannover

 Die Caritas Straßenambulanz stellt erstmals seit ihrer Gründung 1999 einen eigenen Arzt für die medizinische Versorgung der Wohnungslosen in Hannover ein.  Der Grund: Die Zahl der Wohnungslosen steigt. Gleichzeitig sinkt bei der Straßenambulanz die Zahl der Ärzte und Helfer, die diese Aufgabe ehrenamtlich übernehmen. Die Region fördert das Projekt deshalb 2017 auch erstmals institutionell: mit 21000 Euro.

 „Wir brauchen dringend eine möglichst flächendeckende, medizinische Grundversorgung“, sagte Erwin Jordan, Dezernent für Soziale Infrastruktur der Region Hannover, gestern. Dazu kommen Stiftungsgelder für die Straßenambulanz in Höhe von insgesamt 19 000 Euro von der Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung und der Bürgerstiftung. 95 000 Euro benötige man jährlich, um das Projekt aufrechtzuerhalten, hieß es gestern. Die Gesamtsumme setze sich aus weiteren Spenden, Geldern der Caritas Stiftung „Von Mensch zu Mensch“ und mit den Krankenkassen abrechenbaren Leistungen zusammen.

Etwa 420 000 Wohnungslose gab es nach Angaben der BAG Wohnungshilfe 2016 bundesweit, anerkannte Flüchtlinge, die auf den Wohnungsmarkt drängen nicht eingerechnet. Das entspricht dem Verband zufolge einem Anstieg seit 2014 um 150 Prozent. Auch in Hannover ist ihre Zahl gestiegen. Hier gibt es nach Schätzungen von Experten mittlerweile 4000 Wohnungslose, zwischen 400 und 600 von ihnen sind obdachlos

Kälte, Schmutz, fehlende Körperhygiene, dazu Alkohol, Sucht und die Angst in eine normale Arztpraxis zu besuchen, mache den Menschen auf der Straße zu schaffen, sagte Caritas-Projektkoordinatorin Ramona Pold gestern. Die Folge seien nicht nur hoher Blutdruck und schwere Infektionen, sondern multiple, vielfach sogar chronische Erkrankungen. 

Hier setzt die Arbeit der kostenlosen Hilfe der Straßenambulanz an. Fünf Ärzte und zehn Helfer und Fahrer sind an sieben Standorten in Hannover neun Mal in der Woche für ihre Patienten da. Jährlich rund 2500 Behandlungen führen sie nach Angaben der Caritas Hannover jährlich durch. Von 2011 bis 2016 wurden sie insgesamt 15959mal tätig.

Immer größere Probleme bereitete den Ehrenamtlichen dabei nicht nur die steigende Zahl der Wohnungslosen. Auch die Patientenstruktur veränderte sich – so Pold – im Laufe der Jahre erheblich. Heute haben mehr als 30 Prozent der Hilfesuchenden einen Migrationshintergrund, mehr als 20 Prozent sind nicht krankenversichert. Dazu kommt: Etwa 2,5 Prozent der Behandlungsfälle sind unter 18. All das habe zumindest teilweise eine Professionalisierung der Arbeit erfordert, sagte Andreas Schubert, Vorstand des Caritasverbandes Hannover, gestern.

Von Jutta Rinas

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