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Aus der Stadt Cebit: Hat das neue Festival-Konzept funktioniert?
Hannover Aus der Stadt Cebit: Hat das neue Festival-Konzept funktioniert?
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00:19 18.06.2018
Auf einer neuen Welle? Die Cebit hat nach drei Jahrzehnten einen Neuanfang mit einem Festival-Format versucht. Quelle: dpa
Hannover

Sie klingen wie Insekten, denen man nicht begegnen möchte. Und ganz falsch ist der Vergleich auch nicht. Denn die Viecher, die das hohe, aggressive Sirren verursachen, sind Copter, die Insekten der digitalen Welt. Sie rasen mit Tempo 80 durch einen Parcours der Messehalle 26. Das kann gefährlich werden. Deshalb stehen die staunenden Zuschauer hinter einem Zaun und einem zusätzlichen Netz, Schilder warnen vor dem Betreten der Rennstrecke und schreiben vor, den Anweisungen des Personals unbedingt Folge zu leisten.

Zwei Hallen weiter wird rumgelümmelt. Auf gestapelten, fantasievoll bedruckten Kisten sitzen und liegen junge Sneakerträger mit Kopfhörern vor ihren Notebooks. Die „Ask-me-Anything-Area“, gestaltet von Kunststudenten der Hochschule Hannover, ist nicht nur Ruhezone für eine neue Generation von Geschäftsleuten, sondern eine zentrale Idee der neuen Cebit. Der Sommer-Cebit. Der Influencer-Cebit. Der Cebit für alle. Hier sollen nicht nur Waren und Dienstleistungen verkauft werden. Sondern ein Gefühl. Das neue Cebit-Gefühl. Irgendwo zwischen Copter und Couch, zwischen Action und Chillen soll es sein.

Warum? Weil die Zeiten sich mehr geändert haben als die Cebit. Es gibt kaum mehr was zu zeigen, also heißt das neue Zauberwort Reden: „Dialog, Interaktion, Inspiration“, sagt Cebit-Sprecher Thomas Mosch, einer der Verkäufer dieses neuen Gefühls. „Sie müssen nicht mehr jährlich auf eine Messe gehen, um Neuheiten zu sehen. Die gibt es alle sechs Wochen beim Media Markt.“

Live-Musik und Bierbuden

Mosch hat beim neuen Zielpublikum, den Digital Natives aus der Coworking-Welt, eine „Sehnsucht nach Authentizität und Erlebnis“ ausgemacht und orientiert die neue Cebit viel mehr an der re:publica in Berlin als an der alten Cebit. „Das war ein Arbeitsplatz, da ist man hingegangen, weil man musste. Wir wollen weiter Business sein, aber das Kreative und Dialogorientierte reindrücken. Das ist die Melange, die wir anstreben.“

Die Zusammenarbeit mit den hannoverschen Kunststudenten soll bestehen bleiben. Deren Präsident, Josef von Helden, kennt als Informatiker noch andere Zeiten. „Ich bin Cebit-Gänger der ersten Stunde und habe zuerst gedacht: Was soll das? Die Cebit war doch immer gut. Nun sehe ich, dass die Messe auch junge Leute aus den Bereichen Gestaltung, Architektur und Medien packen will.“ Auch sprachlich. Großflächige Claims wie „Fuck the Routine!“ haben mit Messe nichts mehr zu tun und umschmeicheln eine Alters- und Bildungsklasse, ohne die eine Cebit-Zukunft nicht denkbar ist.

Oder junge Red-Bull-Trinker, die ab 17 Uhr draußen in Liegestühlen warten, dass Jan Delay anfängt. Live-Musik und Bierbuden sollen den Festivalcharakter stärken, sie schreien: Alle mal herschauen! Ist doch gar nicht so langweilig hier zwischen den grauen Messehallen! Das Abendticket hat bei der Expo funktioniert, irgendwann jedenfalls, bei der Cebit, nun in der outdoorfreundlichen Jahresmitte, muss es sich noch etwas warmlaufen, aber tanzende und singende Menschen produzieren zumindest die gewünschten Bilder, die das neue, coole Image bis zur nächsten Auflage 2019 mit Leben füllen sollen.

Stände wie der der Unternehmensgruppe Isgus werden dabei vermutlich keine große Rolle spielen. Die Spezialisten für Zeiterfassungssysteme geben sich in Halle 17 seriös und traditionell, Herren in Businessuniform warten auf Geschäftskunden. Auch hier wird geredet, nur eben nicht in Sneaker auf dem Sitzsack. Mitarbeiter Wolfgang Zuckschwerdt hat keine große Veränderung zu den Vorjahren erlebt. Statt neuer Cebit würde er sich eine Verschmelzung mit der Industriemesse wünschen. „Man kann es ja sowieso kaum noch trennen. Und wenn man sieht, wie viele Hallen hier leer stehen, würde wahrscheinlich eine Messe reichen.“

Stellenweise wartet noch Arbeit

Ein Stück weiter, auch die alte Cebit: kleine, schmucklose Parzellen mit Coolnessfaktor null, ein asiatischer Unternehmerverbund, jeweils ein oder zwei Mitarbeiter warten in weißen Hemden geduldig auf Kundschaft. Keine „Ask-me-any­thing-Area“. Auf die Imagewandler der Cebit 2.1 wartet noch viel Arbeit.

Und in der City? Kein neues Gefühl. Hier und da sind ein paar blaue Hüte zu sehen, Giveaways von der Messe. Ein Kellner der Südstadtkneipe „Högers“ sagt: „Eigentlich ist alles wie immer.“

Das Expo-Gefühl in der Innenstadt soll am heutigen Freitag noch einmal ausgiebig aufleben. Um 18 Uhr beginnt die große Open-Air-Abschlussparty der diesjährigen Cebit auf dem Kröpcke. Den Auftakt macht die britische Soulsängerin Emma Lanford, die hierzulande vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit Mousse T. bekannt geworden ist. Um 19 Uhr gehört die Bühne dann der Band Munique, die beim Maschseefest zu den Publikumslieblingen zählt. Um 20 Uhr folgt der Auftritt von Tom Gregory, der mit seiner Debütsingle „Run to you“ in Deutschland den Durchbruch schaffte. Und für 21 Uhr ist noch der Auftritt eines Überraschungsgastes am Kröpcke geplant. So viel sei aber schon einmal verraten: Die Indiepopband aus Hamburg begeistert mit ihren deutschen Texten. Den Abschluss bilden von 22 Uhr an Ferry Ultra, die die Gäste mit ausgelassener Partystimmung ins Wochenende schicken wollen. Die Veranstaltung ist gleichzeitig die Abschlussveranstaltung für die Cebit-Aussteller, der Eintritt ist frei.

Die Hoteliers und die Taxiunternehmer sind mit dem neuen Cebit-Konzept und dem Termin im Sommer zufrieden, während die Messezimmervermittlung extreme Einbußen verzeichnet. Die Taxiunternehmer konnten dagegen sogar ein deutliches Plus an Touren gegenüber der Cebit im vergangenen Jahr verbuchen.

Cebit 2018: Das waren die Highlights

Am Montagabend startet die Cebit mit einer „Welcome Night“.

Bei der Welcome Cebit Night feierten am Montagabend 2500 geladene Gäste aus Politik und Wirtschaft den Beginn der Computermesse. Ein Konzert der Sängerin Leona Lewis bildete den Höhepunkt des Programms.

Dienstag traten Mandio Diao auf dem d!Campus auf.

Hunderte Fans rocken gemeinsam mit den Schweden. Ein gelungener Auftakt in die Konzertwoche auf der Cebit.

Einen Tag später folgte Jan Delay.

Grandioser Höhepunkt: Über 7000 Zuschauer rocken auf der Cebit ab.

Auf die Konzerte folgte an jedem Abend ein Drohnen-Ballett der Firma Intel.

300 Drohnen der Firma Intel haben am Dienstagabend den Himmel über dem Messegelände der Cebit erleuchtet.

Von Uwe Janssen

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