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Aus der Stadt Achtung, feurig!
Hannover Aus der Stadt Achtung, feurig!
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20:23 29.10.2015
Von Juliane Kaune
2000 Chili-Pflanzen sind im Schauhaus zu sehen. Gärtnerin Ulrike Gessert pflegt sie. Quelle: Thomas
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Hannover

Tabasco-Sauce, Jalapeños oder Cayennepfeffer – wer sein Essen gern mit diesen Zutaten würzt, braucht stabile Geschmacksnerven. Doch das ist alles nichts gegen Carolina Reaper. Die kleine, rote, etwas schrumpelige Schote hat es in sich. Sie gilt als schärfte Chili-Sorte der Welt. Etwa tausendmal so feurig wie Tabasco, ist der Verzehr von Carolina Reaper (das englische Wort für „Sensenmann“) alles andere als ratsam. Man kann es auch drastischer ausdrücken: „Hölle“. So lautet der Eintrag auf der Schärfen-Skala, die die Gärtner aus Herrenhausen im Tropenschauhaus aufgebaut haben. Dort sind jetzt rund 2000 Chili-Pflanzen aus 145 Sorten zu sehen – und es gibt jede Menge Wissenswertes über die farbenfrohen Feuerschoten zu erfahren.

Dabei sind Chili-Schoten botanisch gesehen gar keine Schoten, sondern Beeren. „Das ist ein weit verbreitetes Missverständnis“, erklärt Herrenhausen-Betriebsleiterin Anke Seegert, die die Schau um die Chilis konzipiert hat. Die promovierte Landschaftsarchitektin und ihre Kollegen haben sich viel Mühe gegeben, weit mehr als die Botanik zu berücksichtigen. So erfahren Besucher, dass die aus Süd- und Mittelamerika stammenden Chili-Früchte keineswegs erst in unseren Tagen als Gewürz verwendet werden. Archäologen konnten belegen, dass Menschen bereits vor rund 9000 Jahren Chilis gegessen haben. Gezüchtet werden die Früchte seit etwa 6000 Jahren.

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Im Berggarten können Besucher ab dem 30. Oktober 2015 bis zum 22. November über 2000 Chili-Pflanzen aus etwa 100 verschiedenen Sorten bewundern.

Auch das Geheimnis ihrer Schärfe wird in der Ausstellung gelüftet. Für die feurige Note sorgt die Substanz Capsaicin. Sie ist eigentlich zum Schutz der Früchte gedacht und soll verhindern, dass Säugetiere diese vertilgen. Vögel indes sind gegen die Scharfmacher immun. Durch den Kot, den sie nach der Chili-Mahlzeit ausscheiden, tragen sie auf ganz natürliche Weise zur Verbreitung der Gewürzpflanze bei.

Immun gegen das feurige Aroma der Chilis wollen Feinschmecker natürlich nicht sein. Wie scharf es jeweils sein darf, ist aber Geschmackssache. Den Trend bedient Felix Eichholtz vom Pfefferhaus in Linden. Während der Ausstellung hat er eine kleine „Filiale“ im Tropenschauhaus eröffnet. Dort bietet er Gummibärchen mit Chili-Geschmack, sprudelnden Chili-Secco oder verschiedene Würzsaucen für Mutige an. Von den handelsüblichen Schokoladen mit Chili hält der Experte dagegen nicht viel. „Die Hersteller trauen sich da meist nicht richtig ran“, urteilt er.

Das Schärfen-Erlebnis ist übrigens nicht nur subjektiv. Bereits anno 1912 erfand der amerikanische Pharmakologe Wilbur L. Scoville einen Test, um die Schärfe in Chilis zu messen – und auf dieser Skala rangiert Carolina Reaper ganz weit oben.

Die Schau „Scharfe Früchtchen“ ist bis zum 22. November im Berggarten-Tropenschauhaus zu sehen – täglich von 10 bis 17 Uhr für 3,50 Euro Eintritt. Mittwochs und sonntags gibt es Führungen mit Kostproben; sie kosten 7 Euro, Anmeldungen unter (05 11) 1 68-4 45 43. Am 7. /8. November steht ein Chili-Wochenende mit mehreren Anbietern auf dem Programm.

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