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Aus der Stadt Zu Besuch in Chinas Hannover-Straße
Hannover Aus der Stadt Zu Besuch in Chinas Hannover-Straße
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00:31 02.11.2015
Von Volker Wiedersheim
"Danke, dass Sie uns zum Vorbild nehmen": OB Stefan Schostok (links) und sein Amtskollege Zhou Derui . Quelle: Wiedersheim/M
Hannover/Changde

Merkwürdiges, eigenwilliges Land, dieses China im Jahr 2015, das die hannoversche Delegation um Oberbürgermeister Schostok jetzt besucht hat. Keine Pagoden, Reisstrohhüte, Landschaftsansichten in halb vernebelten Pastelltönen. Dafür ein Etappenrennen mit Terminen ohne Ende, vagen Reden und hüftsteifen Höflichkeitsformeln - eine Tonlage, die Schostok beherrscht, wenn sie gefordert ist. Am Ende wird dann ein Papier unterschrieben, das alles oder nichts festlegen kann. 

Und dann plötzlich: huch, Heimat! Eine Hannoversche Straße, in Changde, einer Metropole, die zwar 6 Millionen Einwohner hat, die in Hannover aber kaum ein Mensch kennt. Gestern hat Schostok mit seinem chinesischen Amtskollegen Zhou Derui bei einer kleinen Feier das Straßenschild mit dem chinesischen Namen Han Nuo Wei - Hannover Straße enthüllt. 20 Rohbauten hanen damit nun eine Adresse und ein Straßenschild - nur die Straße ist noch nicht gebaut. 

Die Hannoversche Straße in Changde. Quelle: Volker Wiedersheim

Warum Changde ausgerechnet Hannover, diese "langweiligste Stadt Deutschlands", nachbaue, hatten überregionale deutsche Medien zuletzt spöttisch gefragt. Schostok hob darauf bei der Enthüllung des Namensschildes an der Straße der Zukunft noch einmal ab. Kopie hin oder her: "Haben Sie Dank, dass sie uns als Vorbild nehmen. Haben Sie Dank für Ihre Freundschaft", flötete Hannovers OB den Gastgebern entgegen. Applaus.

Die kleine, geradezu intime Landezeile bricht hart mit der chinatypischen Gigantomanie, den Wohn- und Businesstürmen, die nicht allzu weit entfernt stehen. Zwei- bis vier, teils fünfgeschossige Fassaden, die an die List, aber auch an Lübeck, Leer und Amsterdamm denken lassen werden, wenn sie einmal fertig sind. "Keine Kopie, sondern eine intelligente Collage", lobt Harald Schulte, Architekt in Hannover und neben einer ganzen Reihe von Unternehmensvertretern Mitglied der Schostok-Delegation. Läden im Erdgeschoss, Büroräume und einige Wohnungen darüber sind geplant.

Fabian Berndt, Mitgründer der Hannoverschen Kaffeemanufaktur, und Freundin Isabel Sum sind die Ersten, die beschlossen haben, sich darauf einzulassen. Vielleicht schon im Mai 2016 wollen sie den ersten Kaffee im Laden an der Hannover-Straße rösten und ausschenken - für Kunden, die zuvor durch Modegeschäfte, Restaurants, ein Hannover-Haus mit Ausstellungen sowie Shops mit Hannover-Produkten vom Leibniz-Keks über 96-Trikots bis zur Lüttjen Lage gebummelt sind. Eine offizielle Werbebroschüre des Projektes nennt all das "die Herstellung einer authentischen ausländischen Atmosphäre". 

Klingt komisch, ist aber bestimmt nett gemeint. 

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