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Aus der Stadt Christian Pfeiffer präsentiert islamskeptische Thesen in Moschee
Hannover Aus der Stadt Christian Pfeiffer präsentiert islamskeptische Thesen in Moschee
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17:58 25.08.2010
Von Thorsten Fuchs
Christian Pfeiffer referiert bei der Podiumsdiskussion mit Vertretern muslimischer Verbände über jugendliche Muslime und ihr Gewaltpotenzial. Quelle: Daniel Kunzfeld

Mutlos? Oh nein. Unter all der Kritik, die der Kriminologe Christian Pfeiffer nach seinen Studien hat einstecken müssen, fand sich ein solcher Vorwurf wohl nie: Einen Mangel an Courage kann dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen niemand ernsthaft unterstellen. Und so begab er sich auch mit seinen neuesten Erkenntnissen am Montagabend dorthin, wo er mit der größten Skepsis rechnen durfte: in eine Moschee.

Der Landesverband der Muslime hatte Pfeiffer eingeladen, um mit ihm über das zu diskutieren, was er in einer bundesweiten Studie mit 45.000 Neuntklässlern herausgefunden hatte und was sich zugespitzt so zusammenfassen lässt: je muslimischer, desto größer die Probleme.

Pfeiffer fand zum Beispiel einen deutlichen Zusammenhang zwischen Religiosität und Bildung. Besonders gläubige muslimische Schüler sprechen schlechter Deutsch, strebten niedrigere Schulabschlüsse an und fühlten sich hier weniger zugehörig als ihre weltlicher geprägten Altersgenossen: „Je stärker ihre religiösen Gefühle sind, desto weniger sind sie integriert“, sagte er in der mit gut 100 Zuhörern gefüllten Moschee in der Dieckbornstraße von seinem Platz auf dem Podium aus – die Gebetsnische nur ein paar Schritte entfernt.

Auch in Sachen Kriminalität habe er seinen Glauben an die positive Wirkung religiöser Bindung in Bezug auf die Muslime verloren, erklärte Pfeiffer. Zwar tränken die muslimischen Schüler weniger Alkohol und klauten weniger. Bei stärker mit Gewalt verbundenen Fällen zeige sich jedoch ein anderes Bild: „Je stärker sie religiös sind, umso häufiger begehen sie Raubdelikte.“ Bei den christlichen Jugendlichen wiederum fand Pfeiffer das exakte Gegenteil. Bei ihnen gelte: je religiöser, desto friedlicher. Und angesichts solch brisanter Thesen konnte man es schon einigermaßen überraschend finden, wie geradezu dankbar Firouz Vladi vom Landesverband der Muslime Pfeiffers Untersuchung aufnahm. Die Studie enthalte „hervorragende Erkenntnisse und Anregungen“, sie sei „eine wichtige Hilfe“.

Dass die Atmosphäre lange Zeit allein wegen der hohen Temperaturen und nicht wegen hochkochender Aggressionen hitzig war, lag zunächst an Pfeiffer selbst. Der Wissenschaftler leitet aus seinen Thesen keine Kritik am Islam selbst ab, sondern lediglich an seiner Vermittlung. Das Problem seien Imame, die kein Deutsch sprechen und wenig über das Leben hier wissen. Letztlich förderten sie die „Machokultur“ unter türkischen Jugendlichen – für Pfeiffer ein Ursprung allen Übels. Von einer Imamausbildung in Deutschland, wie es sie jetzt an deutschen Unis geben soll, verspricht sich Bülent Uçar von der Universität Osnabrück daher „wichtige integrationspolitische Impulse“.

So blieb der Abend konstruktiv, auch weil die gestrenge Moderatorin Ina Wunn von der Universität Bielefeld zielstrebig auf die sozialen Erklärungen für Pfeiffers Ergebnisse zusteuerte. Deutschland habe bei der Anwerbung türkischer Arbeitskräfte „eine starke Auswahl“ betrieben, meinte Vladi. Geholt wurden Arbeiter „am unteren Bildungslevel“ – da dürfe man sich nicht wundern, dass Bildung vielleicht auch in den folgenden Generationen nicht die zentrale Rolle spielte. Laut Wunn dränge die deutsche Gesellschaft Zuwandererkinder immer wieder an den Rand: „Der Druck der Mehrheitsgesellschaft schweißt die jungen Männer zusammen.“ Pfeiffers Thesen sagten jedenfalls mindestens so viel über Deutschland wie über die jungen Muslime aus, meint die Hamburger Turkologin Özlem Nas: „Die schlechten Werte sind auch ein Zeugnis für das Land, in dem sie leben. Sie spiegeln wider, wie sie sich in diesem Land akzeptiert fühlen.“

Erst am Ende, in der zur Unzufriedenheit vieler Besucher auf wenige Minuten beschränkten Diskussion mit dem Publikum, brach das Unwohlsein vieler Muslime mit Pfeiffers Thesen durch. Er habe mit seinen Fragen nach Gebetshäufigkeit und Moscheebesuchen nicht die Religiosität der jungen Menschen erfasst, kritisierten viele. „Man kann Religion so nicht messen, Ihre Ergebnisse sind falsch“, sagte ein Zahnarzt aus Braunschweig und erhielt dafür viel Beifall. In der kurzen Zeit war jedenfalls viel zu spüren von der Verärgerung über Pfeiffers Thesen. Letztlich überwogen an diesem Abend aber die harmonisierenden, manchmal sogar zuversichtlichen Meinungen: „Dass so viele Migranten während der WM gerade für Deutschland jubeln“, meint Firouz Vladi, „daran können wir anknüpfen.“

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