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Aus der Stadt „Islam gehört zu Deutschland“
Hannover Aus der Stadt „Islam gehört zu Deutschland“
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00:16 15.01.2015
Von Rüdiger Meise
Foto: Christian Wulff ist zu Gast bei der muslimischen Familie Varol in Stöcken. Quelle: Eberstein
Hannover

Die Vorspeise verlief noch harmonisch, beim Hauptgang gab es erste Schärfen im Ton – und zur Nachspeise musste Christian Wulff zur Verteidigung der Freiheit anheben. Bei einem Mittagessen mit dem ehemaligen Bundespräsidenten trat gestern zutage, wie unterschiedlich Christen und Muslime die Welt sehen – trotz viel Bereitschaft zum Dialog.

Der Termin war schon lange verabredet: Im Rahmen der Aktion „Speisen für Waisen“ war Wulff einer Einladung des muslimischen Süßwarengroßhändlers Baycan Varol gefolgt. Bundesweit sammelt die Organisation „Islamic Relief“ mit Aktionen dieser Art Spenden für Waisenkinder in muslimischen Ländern. Durch das Massaker in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ durch radikale Islamisten bekam das Tischgespräch gestern im Haus der Varols in Stöcken allerdings eine ungeahnte Aktualität.

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff bei "Speisen für Waisen" in Hannover.

Wulff fragt die Gastgeber, wie sie es finden würden, wenn die Töchter später mit Deutschen liiert seien. Daran könne man dann nicht viel machen, gibt Meriyem Varol zurück. „Behaltet dieses Essen in Erinnerung“, rät Wulff den Töchtern. „Das ist euer Freibrief.“

Schon als Bundespräsident war Wulffs großes Thema das Streben nach Normalität im alltäglichen Umgang der Religionen miteinander. Sein Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ ist berühmt geworden. Er sehe keinen anderen Weg, eine gemeinsame Zukunft zu gewährleisten, sagt er.   

Brisant wird es bei der Nachspeise: Diskutiert wird, ob die Redakteure von „Charlie Hebdo“ mit ihrer Arbeit die Gefahr eines Attentats heraufbeschworen hätten. „Jeder darf seine Meinung sagen, dafür muss unser Staat sorgen“, stellt Wulff klar. „Ich bekomme ständig Morddrohungen. Deswegen stelle ich mein Handeln nicht infrage.“

Schräg gegenüber sitzt der Muslim Aris Karagöl, und der antwortet: „Aber ich würde nie einer anderen Religion gegenüber respektlos sein. Da muss ich eben aufpassen.“ Damit handelt er sich einen Vortrag von Wulff über das Hohe Gut der Pressefreiheit ein – „auch wenn mein Bekenntnis dazu durch eigene Erfahrungen auf eine harte Probe gestellt wurde“.

Die Organisation „Islamic Relief“ hatte das Essen inszeniert – exemplarisch für viele interkulturelle Einladungen von Muslimen, deren Tischgesellschaften für die Aktion „Speisen für Waisen“ spenden. Auch die Gespräche könnten exemplarisch gewesen sein.

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