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Aus der Stadt Wulff geht ins Kloster
Hannover Aus der Stadt Wulff geht ins Kloster
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00:15 09.01.2014
Von Michael B. Berger
Ex-Bundespräsident Christian Wulff nahm am Montag am Neujahrsempfang des hannoverschen Landesbischofs im Kloster Loccum teil. Quelle: HAZ
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Hannover

Der Neujahrsempfang des hannoverschen Landesbischofs im Kloster Loccum ist gewöhnlicherweise frei von Überraschungen. Nicht jedoch dieses Jahr. Unter den 140 Ehrengästen in der ehrwürdigen Bibliothek des Klosters fand sich diesmal ein Mann, den man die letzten Jahre hier nicht erwartet und gesehen hatte – Christian Wulff. Landesbischof Ralf Meister hatte Wulff in dessen Eigenschaft als früherer niedersächsischer Ministerpräsident eingeladen und der frühere Spitzenpolitiker, der seit Monaten donnerstags auf der Anklagebank sitzen muss, ist der Einladung gern gefolgt. Er habe aus der Kirche in letzter Zeit sehr viel Zuspruch erhalten, sogar von einer Nonne, sagte Wulff Gästen, die ihm freundlich die Hand drückten. Er nahm neben dem Abt des Klosters Loccum, Horst Hirschler, an der Ehrentafel Platz.

„Ich freue mich, dass der Herr Bundespräsident unserer Einladung gefolgt ist“, sagte Bischof Meister. Wulff, der noch wegen Korruptionsvorwürfen in Hannover vor Gericht steht, aber auf einen Freispruch hofft, hat zum Kloster Loccum eine sehr innige Beziehung. Abt Hirschler taufte hier seinen Sohn Linus. Als Ministerpräsident ist er hier als Redner sieben Mal selbst aufgetreten. Diese Rolle hatte diesmal zum ersten Mal der Sozialdemokrat Stephan Weil. Nach einer kurzen Überlegungspause begrüßte er den Überraschungsgast ebenfalls als „Herr Bundespräsident“.

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Der frühere Bundespräsident Christian Wulff (links) nahm die Einladung von Landesbischof Ralf Meister an und kam zum Neujahrsempfang nach Loccum. Quelle: dpa

Auf dem Empfang am Tag der Erscheinung des Herrn (so lautet die Übersetzung des griechischen Wortes Epiphanias) sah Gastgeber Meisner diesmal auffällig viele neue Damen und Herren in der ehrwürdigen Klosterbibliothek – eine Folge des Regierungswechsels nach dem 20. Januar 2013, an dem eine rot-grüne Mehrheit die schwarz-gelbe Landesregierung ablöste. Weil, der bereits als hannoverscher Oberbürgermeister häufig in Loccum war, absolvierte seinen Auftritt in gewohnter Nüchternheit und Freundlichkeit. Er hob in seiner kurzen Rede das traditionell gute Verhältnis zu den Kirchen des Landes hervor, insbesondere zur evangelischen. Bei der schwierigen Selbstfindung Niedersachsens nach dem Kriege habe die Kirche eine Art Patenrolle gehabt, meinte der Ministerpräsident. Von „Neujustierungen“ des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche hält der Ministerpräsident wenig. Andere Themen seien wichtiger.

Weil lobte, dass die Kirche die Absicht der Landesregierung unterstütze, einen Staatsvertrag mit den Muslimen abzuschließen. Der Respekt des demokratischen Staates gebühre auch anderen Glaubensgemeinschaften.
Einig zeigte sich der Ministerpräsident mit Landesbischof Meister, dass Staat und Gesellschaft noch mehr für die Aufnahme von Flüchtlingen tun müssten. Diesen Ball nahm der Landesbischof in seiner Rede auf. Er problematisierte den Begriff „Willkommenskultur“: „Was meint dieses Wort eigentlich?“ Wenn in seinem Elternhaus Besuch angekündigt worden sei, den er und seine drei Geschwister nicht ausstehen konnten, hätten die Eltern gesagt: „Seid trotzdem nett zu ihnen“. In einem bloßen Appell zur Nettigkeit könne sich diese „Kultur“ nicht erschöpfen, meinte Meister. Er mahnte mehr Anstrengungen der Verbände an, aber auch mehr praktische und konkrete Hilfestellungen.

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