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Aus der Stadt Hannover mimt Köln-Ehrenfeld
Hannover Aus der Stadt Hannover mimt Köln-Ehrenfeld
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00:24 21.06.2014
Von Rüdiger Meise
Foto: „Stromberg"-Star Christoph Maria Herbst (Mitte) dreht eine Tragikomödie in Hannover.
„Stromberg"-Star Christoph Maria Herbst (Mitte) dreht eine Tragikomödie in Hannover. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Die Filmcrew hat sich gut versteckt. In einem Industriegebiet in Laatzen, in einem leer stehenden Bürogebäude, dreht ein 45-köpfiges Team der Produktionsfirma „Coin Film“ gerade die Tragik-Komödie „Die Kleinen und die Bösen“. Mittendrin: Christoph Maria Herbst.

Der 48-Jährige, der mit seiner Rolle als Bernd Stromberg in der gleichnamigen Fernsehserie bekannt wurde, mimt in „Die Kleinen und die Bösen“ den Bewährungshelfer Benno. Mit offenem blauen Hemd wuselt Herbst am Filmset herum und witzelt: „Als ich gehört habe, dass der Film in Hannover gedreht werden soll, hab ich natürlich sofort zugesagt.“ Tatsächlich hören sich selbst Plattheiten lustig an, wenn Herbst sie vorträgt.

Von Hannover allerdings dürfte der Grimmepreisträger nicht viel mitbekommen: Gedreht wird lediglich an zwei Orten: Außer in dem schlichten, etwas heruntergekommenen ehemaligen Bürogebäude der Laatzener Firma Hellux Außenbeleuchtung filmt die Crew noch in der obersten Etage des Postbank-Gebäudes. „Da gibt es einen Balkon mit gutem Blick über die Stadt“, sagt Produzent Herbert Schwering. Im fertigen Kinofilm soll der Blick allerdings Köln darstellen. „Hannover sieht ein bisschen aus wie Köln-Ehrenfeld“, sagt Regisseur Markus Sehr grinsend. Die Abende nach Drehschluss verbringt die Crew im Wyndham-Hotel am Weidetorkreisel. „Wir schauen dann immer gemeinsam Fußball“, verrät Schwering. Insgesamt wird das Filmteam vier Tage in der Stadt sein.

Die Wahl auf Hannover als Drehort fiel aufgrund der Filmförderung der Nordmedia. Mit 100 000 Euro bezuschusst die Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen die Produktion, die Hauptförderung kommt aus Nordrhein-Westfalen. „Die Filmcrew wird etwa das dreifache unserer Fördersumme in Niedersachsen ausgeben, während der Film entsteht“, sagt Jochen Coldewey, Bereichsleiter bei Nordmedia. „Das kontrollieren wir sogar.“
Als mögliche Drehorte hatte sich das Team auch das Arbeitsamt und die Rentenversicherung in Hannover angeschaut. „Aber ein Filmdreh macht so viel Wirbel, dass wir die tägliche Arbeit dort zu sehr durcheinandergebracht hätten“, sagt Produzent Schwering. Also hat man das leer stehende Bürogebäude in Laatzen mit Einrichtung, Computern, Schmierzetteln, Zimmerpflanzen und Schauspielern gefüllt.

Die Handlung des Films: Der Kleinkriminelle Hotte (Peter Kurth) bekommt das Sorgerecht für seine beiden Kinder und zieht zu ihnen, weil er hofft, mithilfe von staatlichen Förderungen wie Kindergeld seine Lebenssituation zu verbessern. Sein Bewährungshelfer Benno (Christoph Maria Herbst) will mit allen Mitten verhindern, dass Hotte das Sorgerecht behält. Herbst war von dem Drehbuch sofort fasziniert, erzählt er. „Es ist eine Mischung aus Drama und Komödie – und in beiden Richtungen sehr intensiv“, sagt er. Das Buch sei eine Steilvorlage: „So schlecht können wir Schauspieler gar nicht sein, dass wir das Ding nicht reinmachen – um mal in der Fußballsprache zu bleiben“, sagt Herbst. Gelächter am Set.

Zu mehr Plauderei ist keine Zeit: Gerade dreht die Filmcrew eine der Schlüsselszenen, wie Schwering sagt: „Benno berät Hotte und gleichzeitig Ivic (Ivo Kortlang), der einen neuen Kühlschrank braucht.“
Kinostart soll im kommenden Jahr sein.

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