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Aus der Stadt Cinemaxx entlässt alle Filmvorführer
Hannover Aus der Stadt Cinemaxx entlässt alle Filmvorführer
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00:15 05.01.2013
Von Conrad von Meding
Foto: „Die ,Projektionisten‘, die von angebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten keinen Gebrauch gemacht haben, werden entsprechend das Unternehmen verlassen müssen“, so Unternehmensprecherin Ingrid Beul.
„Die ,Projektionisten‘, die von angebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten keinen Gebrauch gemacht haben, werden entsprechend das Unternehmen verlassen müssen“, so Unternehmensprecherin Ingrid Beul. Quelle: dpa
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Hannover

Der Standort Nikolaistraße hängt noch in der Schwebe, weil unklar ist, ob der Mietvertrag verlängert wird. Gestern kündigte auch der Betreiber der Filmkunstkinos am Raschplatz, der Lichtspiele im Anzeiger-Hochhaus und des Lindener Apollo-Kinos die Umstellung auf Digitaltechnik an. „Es wird bald keine 35-Millimeter-Filmrollen mehr geben“, sagt Torben Scheller. „Auch wir können uns dem Trend nicht verschließen.“

Nach HAZ-Informationen laufen intensive Vorbereitungen für die Veränderungen im Cinemaxx-Kino am Raschplatz. Diskutiert wird auch, alle Kartenverkaufsschalter bis auf einen zugunsten von Ticketautomaten aufzugeben. Zudem könnte die Gastronomie weitgehend auf Selbstbedienung umgestellt werden. Eine Sprecherin bestätigte nur, dass im Zuge des digitalen „Roll-Out-Plans“ über Modernisierungsmaßnahmen gesprochen werde. Welche, sei offen. Am Ende könne es sich nur um neue Bodenbeläge handeln, aber auch um Veränderungen im Kassen- und Thekenbereich. „Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen.“

„Verstärkter Kostendruck“

Cinemaxx (34 Kinos mit 292 Leinwänden) ist im vergangenen Jahr für rund 175 Millionen Euro an den britischen Kinokonzern Vue (85 Kinos mit etwa 800 Leinwänden) verkauft worden. Branchenkenner rechnen damit, dass es nun zu verstärktem Kostendruck kommt. Für die Digitalisierung der Kinos hat die Gewerkschaft ver.di einen Sondertarifvertrag mit der Kette abgeschlossen, der Kündigungen für ehemalige Vorführer ausschließt. Stattdessen sollen ihnen andere Jobs, etwa im Service, angeboten werden. Unternehmenssprecherin Ingrid Breul sagte gestern, dass allen betroffenen Mitarbeitern Weiterbildungen und Arbeitsplatzwechsel angeboten worden seien. Es gelte jedoch: „Die ,Projektionisten‘, die von den Möglichkeiten keinen Gebrauch gemacht haben, werden entsprechend das Unternehmen verlassen müssen.“ Am Raschplatz sollen es dem Vernehmen nach zwei Stellen sein. In der Nikolaistraße gibt es fast ein Dutzend Vorführer. Dort wurden noch keine Kündigungen ausgesprochen.

Für die Digitalisierung und Zentralisierung aller Kinosäle hat Cinemaxx einen Exklusivvertrag mit Sony geschlossen. Kurios: Der Vertrag soll das Unternehmen verpflichten, sämtliche Kinos umzurüsten. Mitarbeiter rechnen damit, dass auch die Nikolaistraße noch vor dem Sommer neue Digitalapparate erhält – und dann Ende August alles ausgebaut werden muss, falls dort der Mietvertrag nicht verlängert wird. Kinomulti Flebbe hat das Gebäude, in dem er 1991 sein erstes Multiplexangebot schuf, kürzlich zurückgekauft und Cinemaxx den Vertrag gekündigt. Gegenüber der HAZ hat er allerdings betont, dass er den Vertrag gerne fortführen will – nur mit neuen Bedingungen. Die Verhandlungen laufen.

Auch kleine Kinos betroffen

Für das Apollo (Inhaber: Torben Scheller) sowie die kleinen Raschplatz-Kinos und die Hochhaus-Lichtspiele (Inhaber: Scheller und Flebbe) laufen Förderanträge zur Umstellung auf Digitaltechnik. „Diese Summen können kleine Kinos nicht bewältigen“, sagt Scheller. 2014 oder 2015 sei mit dem Ende der herkömmlichen Filmrolle zu rechnen. Keinesfalls aber wolle man in den Kleinkinos auf Service verzichten: „Das ist für unser Publikum undenkbar.“

Sonja Fröhlich 02.01.2013
Bärbel Hilbig 05.01.2013
Tobias Morchner 05.01.2013