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Aus der Stadt Mit Bänken gegen Obdachlose und Bettler?
Hannover Aus der Stadt Mit Bänken gegen Obdachlose und Bettler?
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00:21 06.03.2015
Nur zum Sitzen, nicht zum Liegen und Übernachten: Bänke in der City.
Nur zum Sitzen, nicht zum Liegen und Übernachten: Bänke in der City. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Je länger sich ein Mensch in der Innenstadt aufhält, desto mehr Geld gibt er dort aus. Es ist also im Interesse der City-Händler, dass die Menschen in der Innenstadt Plätze finden, um auszuruhen. Bessere Sitzgelegenheiten müssen dafür her, wünscht sich die City-Gemeinschaft. Allerdings sollen sich nicht alle Menschen auf den Bänken und Podesten wohlfühlen: Denn weil Obdachlose und Bettler kein Geld in die Kassen der Kaufleute bringen, sondern eher potenzielle Kunden abschrecken, favorisiert die Standortgemeinschaft Bänke, auf denen man zwar sitzen kann, aber nicht liegen.

„Wir versuchen, auf die Stadt einzuwirken, mehr entsprechende Sitzgelegenheiten anzuschaffen“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. Einige Modelle gibt es bereits in der Innenstadt. In der Georgstraße stehen Bänke, deren Mittelarmlehnen das Liegen unmöglich machen - oder zumindest sehr unbequem. Auf der Jahresversammlung der City-Gemeinschaft zeigte Prenzler Bilder weiterer Modelle - mit organischem, geschwungenem Design.

Geschwungenes Design: Diese Bank wünschen sich die City-Händler.

Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes lehnt die von der Standortgemeinschaft ins Gespräch gebrachten Bänke allerdings ab. „Für Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben, ist die Innenstadt eine Art Wohnzimmer“, sagt er. Und in einem Wohnzimmer möchte man sich auch aufhalten dürfen, betont Müller-Brandes. Er bezeichnet die Pläne der City-Gemeinschaft als „unfreundlichen Akt“. Die Kaufleute wollten nur die Menschen in der City haben, die auch konsumierten, die Innenstadt sei jedoch für alle Menschen da, meint er. Müller-Brandes fordert, die Bänke so zu gestalten, dass sie vielfältig nutzbar sind.

Prenzler verweist darauf, dass laut Stadtsatzung das Hausieren in der City verboten ist - „und eine Bank zum Schlafen oder dauerhaften Betteln in Beschlag zu nehmen, ist Hausieren“. Man müsse unterscheiden, sagt Prenzler: Betteln aus sozialer Not tolerierten die City-Kaufleute, solange es nicht aggressiv, permanent oder gewerbsmäßig sei. Allerdings formten Gruppen von Punks in der City immer wieder sogenannte „Betteltrichter“, um effizienter schnorren zu können. „Diese Gruppen sind ein Fall für die Polizei“, findet er.

Eventshopping

Kunden sollen beim Einkaufen in der City künftig mehr erleben, kündigte Prenzler an. So steht der erste von vier verkaufsoffenen Sonntagen des Jahres am 29. März in Hannovers City unter dem Motto „Die Altstadt elektrisiert“. Der Frauenlauf des Annabads soll am Sonnabend, 27. Juni, in der Innenstadt stattfinden - möglicherweise mit einem „High-Heels-Lauf“ im Rahmenprogramm. Zeitgleich bespielen die Schützen den Kröpcke, und die Polizei plant einen Sporttag auf dem Opernplatz.

Von Rüdiger Meise und Mathias Klein

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