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Aus der Stadt Von Launen und Läusen
Hannover Aus der Stadt Von Launen und Läusen
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00:15 09.11.2013
Von Sonja Fröhlich
Foto: Aufstehen und lospalavern: Baumarktmitarbeiter Thomas Brockmeyer probiert sich erstmals als Stand-up-Comedian (links).
Aufstehen und lospalavern: Baumarktmitarbeiter Thomas Brockmeyer probiert sich erstmals als Stand-up-Comedian (links). Quelle: Herzog
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Als Schulsekretärin erlebt Aylin Lefkeli so einiges. Sie begegnet „Asi-Familien, die ihre Kellogs in Jägermeister auflösen“, und Jungs mit Migrationshintergrund oder dem Wunsch danach, die nicht mehr vom Leben erwarten als „Puppen, Star Wars und alles mit Ketchup“. Neulich hörte sie wieder den Spruch, der sie echt ärgert. „‘sch ficke deine Mutter – geht Krankenhaus!“ Diesmal nahm sie sich die Halbstarken zur Brust. Mit einem Crashkursus. Grammatik und Semantik, Prädikate und Präpositionen. Bis die Jungs den Spruch fehlerfrei sprechen konnten: „Ich ficke deine Mutter, bis sie ins Krankenhaus muss.“ Geht doch.

Aylin Lefkeli darf so etwas erzählen. Am Dienstagabend begeisterte das Comedian-Talent aus Hannover im Lindener Klub Béi Chéz Heinz die Zuhörer. Erstmals konnten sich dort Newcomer im Bereich Stand-up-Comedy ausprobieren – oder auch etablierte Künstler, die neues Material testen wollten. Das Probierforum heißt Open Mike, initiiert hat es Heino Trusheim, bekannt aus „TV Total“ und dem „Quatsch Comedy Club“ und durch seine Bühnenpräsenz in der Leine-Stadt.

Jüngst zeichnete ihn das Publikum des Spezial Clubs von Detlef Simon alias Desimo mit dem Publikumspreis „Der Spezialist“ aus. Trusheim betreibt ein Open Mike bereits in Hamburg. Mithilfe seines Freundes Desimo und Sponsoren will der 42-Jährige auch in Hannover eine Stand-up-Szene aufbauen. „Es gibt viele Kabarettisten, aber Leute, die ganz ohne Schnickschnack geradeheraus aus ihrem Leben erzählen, gibt es nur wenige in Deutschland.“

Am Publikum mangelte es bei der Premiere nicht, der Saal war voll. Allerdings musste der Initiator zum Start einige Talente aus Hamburg mitbringen, weil die drei Anmeldungen aus Hannover keinen Abend gefüllt hätten. So plaudern zehn Comedians aus ihrem Alltag, sie haben jeweils sieben Minuten Zeit – viele überziehen. Da erzählt einer von seiner Arbeit in einem großen Büro mit 83 Hierarchiestufen, an deren Ende er selbst steht: „Da gibt es Arbeitgeber, Arbeitabgeber und einen Arbeitnehmer – das bin ich.“

Ein Veganer erklärt, wie er „schwangere Läuse“ in unschuldig wirkenden Marmeladen aufspürt, und der „Typ mit Radiogesicht“ freut sich über die Reaktionen, wenn er heimlich Schwangerschaftstests in Einkaufskörben von Paaren platziert oder schon im Oktober morgens um Vier mit einem Schneeschieber über den Bürgersteig kratzt. Auch Hannovers bekanntester Poetryslammer, Tobias Kunze, probiert sich spontan in dem anderen Genre – und erzählt, wie er erstmals die Polizei wegen Ruhestörung der Nachbarn angerufen hat („So entstehen CDU-Wähler“).

Erstmals auf der Bühne steht dagegen der Hannoveraner Thomas Brockmeyer, der in einem Baumarkt arbeitet und erlebt, wie Kunden nach Autotüren suchen oder Klobürsten mit Pinseln verwechseln („Ist der spülmaschinenfest?“). Brockmeyer ist nervös, aber mutig, und sein Job bietet viel Potenzial für witzige Alltagsgeschichten. Solche Leute sind gesucht.

Open Mike gibt es wieder am 7. Januar 2014 im Bei Chéz Heinz. Infos und Anmeldungen unter www.openmikehannover.de

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