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Aus der Stadt Cornelia Funke liest in Hannover
Hannover Aus der Stadt Cornelia Funke liest in Hannover
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20:57 01.11.2009
Von Jutta Rinas
Cornelia Funke (Mitte) und Margarete von Schwarzkopf (rechts) bei der Lesung im Wilhelm-Busch-Museum. Quelle: Martin Steiner
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Da soll noch mal jemand sagen, die Kinder von heute lesen nicht gern! 550 von ihnen (na gut, auch einige Erwachsene waren dabei) drängten sich am Sonntag im Wilhelm-Busch-Museum in der aktuellen Austellung mit Illustrationen von Cornelia Funke (51): Sie wollten die derzeit erfolgreichste deutsche Kinderbuchautorin, die die meisten ihrer Bücher selbst gezeichnet hat, bei einer Lesung erleben. Morgens um 9 Uhr – also zwei Stunden vor dem Einlass – hatten sich die ersten Fans angestellt. Um 11 Uhr sitzen sie mit vor Aufregung glühenden Wangen nicht nur im unteren Ausstellungsraum. Sogar von der Galerie im zweiten Stock schauen welche herunter, um die aus Hamburg stammende und in Los Angeles lebende Autorin wenigstens hören zu können.

Bevor sie zu lesen beginnt, erzählt Funke schmunzelnd, dass sie als Illustratorin angefangen habe – sich bei den Geschichten, die ihr die Verlage zum Bebildern geschickt hätten, aber immer schrecklich gelangweilt habe. Kinder auf dem Schulhof habe sie zeichnen sollen, Kinder im Kinderzimmer: Es war die Zeit der realistischen Kinderliteratur. Sie habe aber lieber phantastische Geschichten illustrieren wollen, mit Drachen („meine Lieblingstiere“), Werwölfen, Elfen. Außerdem hätten die Autoren nie Details gewusst – ob die Haarfarbe der Hauptfigur blond sei, wie genau das Kinderzimmer aussehen solle. „Da dachte ich, wenn ich mir das alles ausdenken muss, kann ich die Geschichten auch selber schreiben.“

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Funke hat die Ausgabe von „Tintenherz“, aus der sie lesen will, vergessen. „Aber hier ist doch sicher jemand, der mir seine leiht?“, fragt sie – und hat Sekunden später das Buch der sichtlich stolzen Luisa (11) in der Hand. Nach 20 Minuten, in denen Funke zeigt, dass sie auch als Vorleserin eine vor Spannung knisternde Atmosphäre erzeugen kann, ist Zeit für Fragen. Funke und Moderatorin Margarete von Schwarzkopf vom NDR registrieren amüsiert, dass – wie immer, wenn Kinder etwas wissen wollen – auch die wirklich wichtigen Dinge zur Sprache kommen.

Ob sie auch Rechtschreibfehler mache, will ein Junge wissen. Natürlich, sagt Funke und gesteht, dass ihr die neue Rechtschreibung zu kompliziert sei und sie weiter die alte verwende. Ob sie gut in der Schule war, wird gefragt. In Deutsch, Englisch und Geschichte ja, in Mathe nicht, und Sport habe sie gehasst, sagt Funke. Ob sie schon Preise gewonnen habe, fragt ein Mädchen. Da geht ein Raunen durch den Saal: Funke ist eine oft ausgezeichnete Autorin. Erst an diesem Wochenende ist sie mit dem mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis geehrt worden, dazu hat die Internetplattform Marelibri.com sie im Wilhelm-Busch-Museum zur Ehrenantiquarin ernannt. Dann hat die Fragerin aber die Zustimmung aller, denn sie macht Funke das an diesem Vormittag schönste Kompliment: „Ich hätte für Sie an den Oscar gedacht.“