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Aus der Stadt DNA-Probe könnte Schießerei aufklären
Hannover Aus der Stadt DNA-Probe könnte Schießerei aufklären
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00:18 09.01.2015
Von Michael Zgoll
Mustafa Smajlaj – im Rollstuhl – und sein Anwalt Timo Rahn. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Am Dienstag trafen die beiden im Landgericht Hannover auf den Mann, der für ihr Elend verantwortlich sein soll: Ihnen gegenüber sitzt der 41-jährige Yüksel G., angeklagt wegen versuchten Totschlags. Die Brüder meinen, den kurdischen Jesiden „tausendprozentig“ als Schützen ausmachen zu können. Doch schon am ersten Verhandlungstag wird klar, dass dies ein Indizienprozess ist. Das Schwurgericht unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch wird es nicht leicht haben, Schuld oder Unschuld von G. zu beweisen.

Mustafa Smajlaj war Chef der Langenhagener Pizzeria „Mama Mia“. Am 31. August 2003 wird am Marktplatz Abschied gefeiert, der Betreiber will das Lokal nach zwei Jahren in andere Hände geben. Der Laden ist voll, auch vom nahen Stadtfest schauen viele Besucher herein. Irgendwann vor Mitternacht kommt es zu einem Streit zwischen dem aus dem Kosovo stammenden Wirt und zwei Gästen – einer soll laut Anklage Yüksel G. gewesen sein. Nach anderthalb bis zwei Stunden kehren die Männer bewaffnet zurück, so sieht es der Staatsanwalt.

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Vor der Tür fallen Schüsse

Mustafa Smajlaj will die ungebetenen Gäste rauswerfen, greift zu einem Stuhl und drängt sie vor das Lokal. Dann fallen Schüsse vor der Tür. Eine Kugel durchbohrt die Lunge des Wirts und durchtrennt sein Rückenmark. Seither ist er querschnittsgelähmt. Sein Bruder, ebenfalls Vater mehrerer Kinder, wird zweimal im Unterleib getroffen, durch mehrere Messerstiche verletzt. Nach einem Handgemenge kann der Angreifer fliehen. Unklar ist bislang, ob es mehrere Täter waren.

Auf die Spur von G. kamen die Fahnder 2013 durch ein anderes Verfahren rund um Schutzgelderpressung und Körperverletzung. Damals verurteilte das Amtsgericht Hannover den Mann mit dem dunklen Vollbart zu einem Jahr Bewährungsstrafe. Routinemäßig nahm die Polizei eine DNA-Probe – und wurde fündig. Yüksel G.s genetischer Fingerabdruck passt zu Spuren, die 2003 an einer Zigarettenkippe, einem Bierglas und einer Halskette im Mama Mia gesichert worden waren. Der Verdächtige wurde in Frankreich festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert.

Der Angeklagte bestreitet die Tat. Er habe in der Pizzeria Drogen kaufen wollen, es sei zu einem Streit und einer Schlägerei gekommen, aber von Schüssen wisse er nichts. Diese Version weisen die Brüder vehement zurück: Niemals sei im Mama Mia gedealt worden. Schon nach dem ersten Besuch der aggressiven Gäste hätten sie die Polizei gerufen, hätten die Geschäftsaufgabe gern friedlich über die Bühne gebracht. Doch die Nacht endete anders - in einem Albtraum.

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