Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Das Land lässt Hannovers Bombenräumer im Stich
Hannover Aus der Stadt Das Land lässt Hannovers Bombenräumer im Stich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:57 15.09.2010
Von Vivien-Marie Drews
Das Land Niedersachsen lässt nach dem Tod dreier Mitarbeiter Hannovers Bombenräumer im Stich. Quelle: Rainer Dröse (Symbolbild)

Der Grund, warum sich die Einstellung neuer Mitarbeiter verzögert, ist nach Angaben des zuständigen Innenministeriums eine „Strukturprüfung“. Dabei geht es um die Frage, ob sich das Land überhaupt noch einen eigenen Kampfmittelbeseitigungsdienst leisten will. Alternativ könnten in Zukunft private Kampfmittelräumfirmen mit dem Aufspüren und Entschärfen der Blindgänger beauftragt werden. Wann die Verantwortlichen im Innenministerium über die Zukunft der Kampfmittelräumer aus Hannover entscheiden, ist nicht absehbar. Die Prüfung soll sich noch über Monate hinziehen.

Dem Kampfmittelbeseitigungsdienst fehlen damit drei Mitarbeiter auf unbestimmte Zeit. Hinzu kommt, dass es sich bei den verstorbenen Sprengmeistern Thomas Gesk und Gerd Ehler sowie ihrem Vorarbeiter Torsten Ehrhardt um besonders erfahrene Sprengstoffexperten handelte, deren Rat auch international gefragt war. Der Personalengpass führt dazu, dass das seit den achtziger Jahren vorangetriebene Landesräumprogramm, also die systematische Suche nach Blindgängern, derzeit nicht fortgesetzt werden kann. 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges vermuten Experten landesweit noch Hunderte Bomben im Erdreich, in Hannover gibt es vor allem im Norden der Stadt weiterhin zahlreiche Stellen, an denen möglicherweise Blindgänger liegen. Das Unglück von Göttingen hat gezeigt, welche Gefahr von den Sprengkörpern ausgeht. Die Bombe dort war mit einem Zeitzünder ausgestattet und explodierte kurz vor der Entschärfung; die drei Kampfmittelräumer aus Hannover waren sofort tot.

„Wir sind natürlich bemüht, dass alle Aufgaben des Kampfmittelbeseitigungsdienstes wieder komplett wahrgenommen werden können“, sagte Frank Rasche, Sprecher des Innenministeriums. Er betonte, dass die Kampfmittelbeseitiger weiterhin landesweit im Einsatz seien, um etwa bei Bauarbeiten entdeckte Bomben umgehend zu entschärfen. Noch sei völlig offen, wie der Kampfmittelbeseitigungsdienst in Zukunft aufgestellt sein wird. „Es gibt mehrere Optionen, die aber auch im Einklang mit den Sparzwängen der Landesregierung zu sehen sind“, sagte Rasche.

Dass Veränderungen – und vor allem Einsparungen – beim Kampfmittelräumdienst bevorstehen würden, war bereits vor der Bombenexplosion in Göttingen absehbar. Als das Kabinett im August zu einer Klausurtagung zusammenkam, um über landesweite Sparmaßnahmen zu beraten, blieb der Kampfmittelräumdienst zunächst außen vor – wohl auch, weil das Innenministerium es als unglücklich empfand, mögliche Kürzungen in diesem sensiblen Bereich so kurz nach dem Unglück kommunizieren zu müssen.

Mehr zum Thema

Bei einem Gottesdienst in der Marktkirche wollen am Dienstag Angehörige, Freunde und Kollegen Abschied von den drei tödlich verunglückten Mitgliedern des Kampfmittelbeseitigungsdienstes nehmen.

07.06.2010

Nach der verheerenden Bombenexplosion in Göttingen wollen die Mitarbeiter der Zentralen Polizeidirektion Hannover (ZPD) am Dienstag Abschied von ihren verstorbenen Kollegen nehmen. Die ökumenische Trauerfeier in der Marktkirche Hannover beginnt um 14 Uhr.

Vivien-Marie Drews 05.06.2010

Karsten Wolff, Sprecher des Kampfmittelräumdienstes, hat am Donnerstag mitgeteilt, dass die Sprengstoffexperten nach dem Tod der Kollegen vorerst keine weiteren Einsätze übernehmen. „An Normalbetrieb ist nicht zu denken.“

Vivien-Marie Drews 03.06.2010

Der Haupttbahnhof in Hannover diente einst nur der Durchreise. Man ging hin und fuhr weg. Heute wird dort gekauft, gegessen – und gefeiert.

15.09.2010

Die Polizei fahndet mit Bildern aus einer Überwachungskamera nach einer unbekannten Frau, die im August mit einer gestohlenen EC-Karte in Hannover Geld abgehoben hat. Die Karte ist aus der Wohnung eines Rentnerpaars in Düsseldorf entwendet worden, das die Polizei am 4. September tot aufgefunden hat.

Vivien-Marie Drews 15.09.2010

Vier Fahrzeuge waren am Mittwochmorgen in einen Unfall auf dem Messeschnellweg verwickelt. Nachdem eine 60 Jahre alte Fahrerin mit ihrem Auto auf nasser Straße ins Schleudern geraten war, konnten drei nachfolgende Fahrzeuge nicht mehr ausweichen. Der Verkehr staute sich bis in Höhe des Weidetorkreisels.

15.09.2010