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Aus der Stadt Glückwunsch, altes Haus!
Hannover Aus der Stadt Glückwunsch, altes Haus!
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19:39 05.06.2013
Von Simon Benne
Das Neue Rathaus wird 100 Jahre alt. Quelle: Archiv
Hannover

Das Bild hat arg gelitten, und darin liegt eine ungewollte Symbolik. Die Farbe ist teils abgeblättert, in der Leinwand klafft ein großes Loch. Das Kunstwerk ist im Grunde eine Ruine. Im Jahr 1913 ließ Stadtdirektor Heinrich Tramm sich von keinem geringeren als Max Liebermann porträtieren, zur Eröffnung des Neuen Rathauses, mit dessen Bau der mächtige Mann auch sich selbst ein Denkmal setzte. Während des Krieges wurde das Gemälde vom Kestner-Museum in ein Haus in der Friedrichstraße ausgelagert. Das Gebäude wurde zerstört, das Bild überstand den Bombenangriff in einem Tresor – doch durch die Hitze wurden die Farben regelrecht gekocht.

Mit detektivischem Spürsinn hat Wolf-Dieter Mechler das Gemälde jetzt im Depot des Landesmuseums aufgestöbert, wo es seit Jahrzehnten unbeachtet lag. „In diesem Bild stecken 100 Jahre Geschichte“, sagt der Mitarbeiter des Historischen Museums. In diesen 100 Jahren hat nicht nur Tramms Bild, sondern auch sein Image schwer gelitten: Der langjährige Stadtdirektor gilt heute als erzkonservativer „Wegbereiter der NS-Diktatur“, wie es in einem Text der Ausstellung heißt, die jetzt im Neuen Rathaus zu sehen ist.

Die Schau ist Teil des bunten Festprogramms zum 100-jährigen Rathausjubiläum. Vom 20. Juni an feiert die Stadt ihren Prachtbau mit Konzerten, Führungen und einem „Fest der Kulturen“. Mit rund 250.000 Euro schlägt das Programm laut Erstem Stadtrat Hans Mönninghoff zu Buche – wobei allerdings Sponsoren 90 000 Euro beisteuern und die Fête de la Musique (21. Juni) auch unabhängig vom Rathausjubiläum stattgefunden hätte.

Das fast 100 Meter hohe Gebäude wäre heute womöglich als der großspurige, wilhelminische Emporkömmling unter den Baudenkmalen der Stadt verschrien, hätten sich die Bürger den Bau nicht längst zu eigen gemacht: „Das Rathaus ist uns als Ort einer offenen Demokratie ans Herz gewachsen“, sagt Bürgermeister Bernd Strauch – und zitiert Dada-Künstler Kurt Schwitters, der einst befand: „Das Rathaus gehört den Hannoveranern“.

Zur feierlichen Einweihung des Gebäudes kam 1913 Kaiser Wilhelm II. höchstselbst nach Hannover, im Monat seines 25-jährigen Thronjubiläums. Die Ausstellung zur Rathaushistorie dokumentiert, dass das Haus seither immer wieder Kulisse für all das war, was die Stadt bewegte: Hier tagte nach dem Krieg der erste Landtag, hier gab es 1952 die Trauerfeier für Kurt Schumacher. Die Queen grüßte 1965 huldvoll von jenem Balkon, auf dem 1992 dann die Pokalsieger von Hannover 96 jubelten. Doch natürlich war das Rathaus auch eine Zentrale der NS-Politik und diente 1943 Händlern als Ersatz für die zerstörte Markthalle.

Als Architekt Hermann Eggert das Gebäude seinerzeit plante, stand die überwältigende Kuppelhalle sinnbildlich für das Selbstverständnis der aufstrebenden Stadt. Ein Stück Stein gewordenes Selbstbewusstsein war dieses Rathaus, ein Schloss für die Bürger – oder zumindest für die Stadtoberen. In der Ausstellung zeigen nie realisierte Entwürfe einer ersten Ausschreibung, dass das Gebäude auch ganz anders hätte ausfallen können: Der Baumeister Hubert Stier etwa hätte anstatt der Kuppel einen schlanken Turm errichtet.

Die Ausstellung ist im Bürgersaal des Neuen Rathauses bis zum 27. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet – und in der Langen Nacht der Museen am 15. Juni von 18 bis 1 Uhr.

Querelen lagen über dem Bau des Rathauses, der sich lange hinzog. Nach zehnjähriger Bauzeit wurde Architekt Eggers 1909 abgelöst. Seine stilistischen Vorstellungen führten zum Zerwürfnis mit Stadtdirektor Tramm und der Baukommission. Beinahe hätte Reichstagsarchitekt Paul Wallot das Ruder übernommen, doch der ältere Herr lehnte aus gesundheitlichen Gründen ab. So stellte der Architekt Gustav Halmhuber von der Technischen Hochschule Hannover den Bau fertig – der infolge des Architektenwechsels gewissermaßen zwei Gesichter hat.

Eggerts, noch ganz ein Freund des Historismus, nahm bei der Außenfassade Anleihen bei der Renaissance. Auch für die Säle im Inneren hatte er historisierende Formen geplant, was letztlich zum Buch mit der Stadt führte. Sein Nachfolger Halmhuber stand modernen Strömungen wie dem Jugendstil näher; er sorgte dafür, dass die Räume des Rathauses zeitgemäßer ausfielen: Er verzichtete in der Kuppelhalle auf allzu üppiges Dekors, gestaltete die Festtreppe weniger ausladend und ließ Ferdinand Hodler im heutigen Hodlersaal ein vergleichsweise modernes Wandgemälde erschaffen. Hoch im Kurs stand auch dieses freilich nicht immer: In den sechziger Jahren wurde der ungeliebte, als dunkel empfundene Saal teils als Abstellkammer genutzt.

Auch von solchen Widersprüchen erzählt die Ausstellung. Neben Dokumenten und Bildern zeigt sie auch Originalschreibtische von 1913 oder Dackelskulpturen, wie Stadtdirektor Tramm sie in seinem Vorzimmer aufstellen ließ. Tische erinnern daran, dass der schmucke Bürgersaal einst als Großraumbüro für Steuerkasse und Telefonzentrale genutzt wurde. Mit Spiegeln hat der Szenograf Serge von Arx, der das ausgeklügelte Design der Ausstellung gestaltet hat, die Rathausräume optisch geweitet. Der Blick in die Spiegel lenkt die Sicht unwillkürlich immer wieder auf architektonische Details des Gebäudes. Und damit auf das größte Prunkstück der Schau.

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