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Aus der Stadt Das Problem am rechten Rand
Hannover Aus der Stadt Das Problem am rechten Rand
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14:23 28.11.2009
Von Tobias Morchner
Quelle: ddp (Archiv)
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Wenn Vanessa (Name geändert) darüber spricht, was ihr Neonazis im Stadtteil Misburg angetan haben, kämpft sie gegen die Tränen. All die Schläge, die Schmähungen und die all Bedrohungen der letzten Zeit haben bei der 19-Jährigen deutliche Spuren hinterlassen.

Auf Einladung der Stadtverbands der Grünen saß die Schülerin am Donnerstagabend im Bürgerhaus auf dem Podium. Die Infoveranstaltung trug den Untertitel: „Aktuelle Vorfälle in Misburg - was können die Bürger tun?“

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An den Vorfällen sind in der Regel junge Männer beteiligt, die sich unter anderem auf Supermarktparkplätzen in der Hannoverschen Straße treffen, Bier trinken und dann, wenn der Pegel hoch genug ist, Passanten anpöbeln und ihnen Hitler-Gruß zeigen. „Es sind nur einige wenige Angehörige des rechten Umfeldes mit denen wir es zu tun haben ohne feste Strukturen“, sagte Detlef Lerbs, der Leiter des Polizeikommissariats Misburg. Vanessa und ihre Freunde haben andere Erfahrungen gemacht. „Die Szene wächst immer schneller“, erklärte die 19-Jährige.

Die Gäste, etwa 40 an der Zahl, die den Weg in den Clubraum zwei in der Seckbruchstraße gefunden haben, hörten der jungen Frau aufmerksam zu. Denn bereits die Ankündigung des Diskussionsabends hatte im Stadtbezirk, zum dem rund 31.000 Einwohner gehören, für Aufsehen gesorgt. Die Misburger sind in Sorge, eine öffentliche Aussprache über das Nazi-Problem, von dem alle gehört und mit dem einige bereits eigene Erfahrungen gemacht haben, könne den Stadtteil als Hochburg der rechten Szene brandmarken. Die SPD-Bezirksratsfraktion hatte sogar beschlossen, die Veranstaltung zu boykottieren. Selbst Bezirksbürgermeister Knut Fuljahn, ebenfalls Sozialdemokrat, war nicht gerade erfreut, als er von dem Abendtermin, zu dem er aus beruflichen Gründen nicht erscheinen konnte, erfuhr: „Die Veranstaltung passt nicht in unser Konzept. Das habe ich den Grünen auch klipp und klar gesagt.“

Das Konzept sah bislang vor, so wenig wie möglich über die Übergriffe der Neonazis öffentlich zu sprechen. Er habe sich bei der örtlichen Polizei informiert. Dann habe er den Fraktionsvorsitzenden aller im Bezirksrat befindlichen Parteien die Einschätzung der Beamten mitgeteilt. Anschließend habe man beschlossen, das Thema weder in die Bezirksratssitzung noch in anderen Gremien weiter zu verfolgen. „Wir wollen die Bürger nicht beunruhigen“, so Knut Fuljahn. Auch während der Diskussion wurden diese Befürchtungen immer wieder geäußert. „Wir schaden uns doch nur selbst, wenn wir in Misburg eine Hochburg der Rechten herbeireden“, erklärte Jürgen Quardt, der für die WfH, die Partei Wir für Hannover im Bezirksrat, sitzt. Helge Limburg, Landtagsabgeordneter der Grünen, der die Veranstaltung moderiert, vertrat eine andere Ansicht: „Wir wollen aufzeigen, dass etwas getan werden muss, bevor sich eine feste Neonaziszene in einem Stadtteil verfestigt hat.“ Dazu sei es wichtig, dass die Bürger aufmerksam auf das werden, was um sie herum geschehe. „Wenn plötzlich überall Aufkleber mit der Aufschrift: „Anderten ist nicht gleich Ankara, Misburg ist nicht gleich Moskau“ auftauchen, müssen bei allen die Alarmglocken läuten“, sagte Limburg.


Conrad von Meding 28.11.2009
27.11.2009