Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Wer hilft, wenn’s ernst wird?
Hannover Aus der Stadt Wer hilft, wenn’s ernst wird?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:08 23.10.2014
Von Jörn Kießler
Bei Übungen, wie dieser gestern Abend an einem Regenrückhaltebecken in Langenhagen, proben die Ortsgruppen des THW regelmäßig den Ernstfall. Quelle: Küstner
Hannover

Ruhe und Besonnenheit sind Eigenschaften, die gerade in Katastrophensituationen besonders wichtig sind. Als während des Jahrhunderthochwassers im Juni vergangenen Jahres ein Deich bei Magdeburg zu brechen drohte und ein Umspannwerk in Gefahr war, behielt Ewald Nagel den Überblick. Er und viele Mitglieder vom Ortsverband Hannover/Langenhagen des Technischen Hilfswerks (THW) waren damals nach Sachsen-Anhalt gereist, um den Deich zu sichern, den Anwohnern zu helfen und die Rettungs- und Einsatzkräfte vor Ort zu unterstützen. Auch als die Elbe in Lüneburg über die Ufer trat und dort Katastrophenalarm ausgelöst wurde, übernahm seine Ortsgruppe wichtige Aufgaben bei der technischen Gefahrenabwehr.

Einsätze wie diese gehören zum Kerngeschäft der Hilfsorganisation und bringen den hannoverschen Ortsbeauftragten Nagel nicht aus der Ruhe. Jetzt gibt es eine Krise ganz anderer Art. Mehr als 20 Prozent der Mitglieder sind dem THW in der Region in drei Jahren verloren gegangen – keine andere Hilfsorganisation hat so viele Mitglieder verloren. Doch Ortsverbandschef Nagel bringt auch das nicht aus der Ruhe. „Natürlich wäre es besser, mehr aktive Mitglieder in unserem Ortsverband zu haben“, sagt Nagel. „Unsere Aufgaben können wir aber glücklicherweise auch mit unserer derzeitigen Stärke erfüllen.“

Es mangelt an Nachwuchs

Drei Jahre nach Abschaffung der  Wehrpflicht ist die Bundesanstalt THW, vor 64 Jahren im Auftrag des Innenministeriums gegründet, heftig gebeutelt. Bis 2013 hatten die regionsweit sechs Ortsverbände noch 476 Aktive. „Mittlerweile sind in Burgdorf, Langenhagen, Lehrte, Ronnenberg, Springe und Wunstorf nur noch 373 Mitglieder im aktiven Dienst“, sagt Britta Kindler, Sprecherin des THW-Landesverbands Bremen und Niedersachsen.

Im März 2011 schaffte der Bundestag die Wehrpflicht ab und befreite damit die jungen Männer in Deutschland nicht nur vom Dienst an der Waffe. Auch den verpflichtenden Ersatzdienst gab es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr. Die meisten Kriegsdienstverweigerer leisteten bis dahin zwar in Krankenhäusern, Altenheimen oder Rettungsdiensten ihren Zivildienst. Wer wollte, konnte statt sich aber Bundeswehr oder Zivildienst für mehrere Jahre – zuletzt waren es mindestens vier – im Zivil- und Katastrophenschutz verpflichten. Der Vorteil dieser Variante war, dass die Tätigkeit einem ehrenamtlichen Engagement sehr ähnlich und auch neben dem Beruf oder der Ausbildung möglich war.

Hilfsorganisationen kaum betroffen

Der Katastrophenschutz-Ersatzdienst konnte außer im THW auch bei der Freiwilligen Feuerwehr, der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft, dem Roten Kreuz, der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Arbeiter-Samariter-Bund und dem Malteser Hilfsdienst abgeleistet werden. Allerdings in deutlich geringerem Umfang als beim THW. „Bei uns wurden in erster Linie Zivis beschäftigt“, sagt etwa Frauke Engel vom Johanniter-Landesverband. „Dadurch, dass das Ende des Wehrdienstes frühzeitig angekündigt wurde, konnten wir uns darauf einstellen.“ Mittlerweile würden diese Stellen mit jungen Leuten besetzt, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren oder am Bundesfreiwilligendienst teilnehmen.

Ähnlich handhaben es die Malteser in Hannover und Umland. „Bis in die neunziger Jahre gab es höchstens eine Handvoll junger Männer, die bei den Maltesern im Katastrophenschutz ihren Ersatzdienst ableisteten“, sagt Michael Lukas von der Landesgeschäftsstelle. Und auch die Feuerwehren in der Region sind von der Abschaffung des Wehrdienstes kaum betroffen. „Der Anteil an Katastrophenschutzeinheiten bei den Feuerwehren in der Region Hannover ist überschaubar“, sagt Regionsfeuerwehrsprecher Armin Jeschonnek.

Der Wegfall des Ersatzdienstes trifft das THW besonders hart, weil es an tatkräftigem Nachwuchs fehlt. „Ich erinnere mich an Zeiten, da haben allein in unserem Ortsverein 36 Mitglieder ihre Ausbildung absolviert, um nach  einem halben Jahr in den aktiven Dienst zu kommen“, erzählt Nagel. Derzeit sind es acht. Das THW hat bereits auf die Entwicklung reagiert. Noch in diesem Monat soll die Änderung der Statuten bekannt gegeben werden. „Dann können Kinder ab einem Alter von sechs Jahren dem THW beitreten“, sagt Sprecherin Kindler. „Bisher ging das erst, wenn die Kinder zehn Jahre waren.“

Die Absenkung des Beitrittsalters ist eine Maßnahme für die Zukunft. Ein Sechsjähriger, der heute dem THW beitritt, kann frühstens 2026 in den aktiven Dienst übergehen, wenn er volljährig ist. Im Innenministerium ist man dennoch nicht besorgt. „Meines Wissens gibt es bisher keine Hilferufe von Hilfsorganisationen, dass sich das Problem auf die Einsatzfähigkeit im Katastrophenschutz auswirkt“, sagt Ministeriumssprecher Matthias Eichler.

Beim THW muss man dennoch umdenken. „Durch den Ersatzdienst war das Engagement bei uns eben auch eine Verpflichtung“, sagt Nagel. „Das merken wir jetzt neben den Mitgliederzahlen auch an der Einstellung der Mitglieder.“ Früher übernahmen die Wehrersatzdienstleistenden auch unbeliebtere Aufgaben – einfach weil es ihre Pflicht gewesen sei, erklärt Nagel. „Heute können wir es uns nicht mehr erlauben, unsere Mitglieder zu vergraulen“, sagt Nagel. „Wenn den freiwilligen Helfern ihre Aufgaben nicht mehr zusagen oder sie nicht gut behandelt werden, verlassen sie einfach den Ortsverband.“

Hilfe im In- und Ausland

Das Technische Hilfswerk wurde 1950 von Otto Lummitzsch, der auch erster Direktor des THW war, gegründet. Aufgabe des ersten zivilen Ordnungsdienstes war der Aufbau eines strukturierten Zivil- und Katastrophenschutzes. Drei Jahre nach der Gründung erhielt das THW den Status einer Bundesanstalt.

Seit seiner Gründung ist das THW nicht nur in Deutschland immer zur Stelle, um bei Unglücken technische Hilfe zu leisten und die Rettungs- und Einsatzkräfte zu unterstützen. Bereits 1953  reisten die Mitglieder, die zu 99 Prozent ehrenamtlich beim THW tätig sind, in die Niederlande, um nach der Sturmflut am 31. Januar bei den Reparaturarbeiten und dem Wiederaufbau zu helfen.

Vorwiegend in Deutschland, aber auch in der ganzen Welt suchen die rund 40 000 aktiven Mitglieder des THW Verschüttete nach Erdbeben, bekämpfen Hochwasser und versorgen die betroffene Bevölkerung mit Strom, Trinkwasser und Unterkünften. Im vergangenen Jahr unterstützte das THW beispielsweise die Vereinten Nationen beim Aufbau von Flüchtlingscamps für syrische Flüchtlinge in Jordanien und dem Irak. Aber auch beim Jahrhunderthochwasser waren THW-Mitglieder unter anderem an Aller, Leine, Oker und Weser im Einsatz.

Aus der Stadt Kürzere öffnungszeiten - Im Zoo beginnt die Winterzeit

Der Zoo verabschiedet sich von der Sommersaison. Anders als in den Vorjahren gibt es in diesem Jahr wegen der späten Herbstferien einen gleitenden Übergang in die Winterzeit, in der die Öffnungszeiten verkürzt und die Eintrittspreise gesenkt werden.

Bernd Haase 23.10.2014

4500 Mitarbeiter der Diakonischen Dienste Hannover (DDH) müssen auf 20 Prozent Weihnachtsgeld verzichten. Als Grund gilt das Defizit von mehr als 2,8 Millionen Euro aus dem Jahr 2013. Personalvertreter sprechen von einer „solidarischen Lösung“.

Andreas Schinkel 25.10.2014
Aus der Stadt Modellversuch an Elsa-Brändström-Schule - Klassenfahrt mit Eltern nun doch erlaubt

Im monatelangen Streit um den Klassenfahrtenboykott gibt es für die Südstädter Elsa-Brändström-Schule jetzt eine Sonderlösung. Eltern dürfen mehrtägige Ausflüge mit den Gymnasiasten unternehmen. Der Konflikt um Mehrarbeit an Gymnasien bleibt aber bestehen.

Saskia Döhner 25.10.2014