Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Ganz Hannover feiert bei der Fête de la Musique
Hannover Aus der Stadt Ganz Hannover feiert bei der Fête de la Musique
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:42 21.06.2017
Von Uwe Janssen
Quelle: Collage/HAZ (Archiv)
Anzeige
Hannover

So stellt man sich die Ankunft in einer Stadt vor: Raus aus dem Zug, raus aus dem Bahnhof, und schon wird man von einem Chor empfangen. Und egal, ob man Richtung Kröpcke geht oder Richtung Schillerdenkmal schräg nach rechts, oder schräg nach links Richtung Oper, man trifft überall auf Musik. Laute, leise, rockige, nachdenkliche, alles gratis – und gutes Wetter gibt es noch obendrauf. So in etwa haben sie es sich gedacht, damals vor 35 Jahren, als in Paris die Fête de la Musique geboren wurde.

Hannover trägt die Idee, die jedes Jahr am 21. Juni um die Welt geht, in bester Weise mit. Wer an diesem Mittwoch durch die City tingelt, bekommt einen Eindruck, warum Hannover die drittgrößte Party des globalen Musikfests ist. 2500 Musiker sollen insgesamt beteiligt sein, allein am Hauptbahnhof sind Hunderte am Werk. Am Singwerk. Die Bühne ist dem Bahnhof zugewandt, schon am Nachmittag begeistern die I.V.O. Kids mit ihren fröhlichen Songs, unterstützt von afrikanischen Trommlern, einem Trompeter, einem Pianisten und Gitarristen schicken sie ein heimliches Motto des Tages auf den Bahnhofsvorplatz: „Gib mir deine Hand und tanz mit mir“. Die Laune ist prächtig, der Applaus herzlich, ein internationales Projekt, so soll es sein.

Anzeige
35 Bühnen, 2500 Musiker - so läuft die Fête de la Musique 2017 in Hannover.

Manchen Zuschauern, ob gezielt angereist oder einfach neugierig stehen geblieben, ist es gar zu heiß, sie suchen Schatten, den auch mancher Bühnenaufbau bietet.
Wer den Weg durch die Niki-Promenade wählt, trifft erstmals auch hier Musiker – auf kleinen Bühnen, die in der engen Gasse kein Hindernis darstellen, aber die Szenerie trotzdem von der täglichen Straßenmusik unterscheidet.

Polizei zeigt Präsenz

Dabei hat man sich fast schon dran gewöhnt, dass die Polizei bei solchen Veranstaltungen offensiv Präsenz zeigt. Auch bei der Fête de la Musique stehen die großen Polizeiwagen, ob an der Bahnhofstraße oder vor der Marktkirche. Auf der dortigen Bühne soll Weltoffenheit demonstriert werden. Unterschiedliche Träger wie Radio Leinehertz, das Musikland Niedersachsen und das Niedersächsische Kulturministerium haben sich zusammengeschlossen, um geflüchtete Musiker zu unterstützen

Das komplette Programm

Hier können sich die Besucher der Fête de la Musique das gesamte Programm anschauen und herunterladen.

Auf dem Goseriedeplatz wird zu DJ-Musik getanzt, am Schillerdenkmal zeigt die Unesco City of Music Bands aus anderen Städten mit diesem Titel. Und am Platz der Weltausstellung bittet nach dem umjubelten Auftritt der Big Band der Helene-Lange-Schule eine inklusive Gruppe aus der Wohnstätte Weberstraße zum Tanz.
So heterogen ist es gedacht. Und das bis in den späten Abend. Wer spät wieder in den Zug steigt, hört mit Glück ein gemeinsames „Der Mond ist aufgegangen“. Hannover, da ist wirklich Musik drin.

So war die Fête de la Musique 2016.

Songwriter bei Traumwetter

Singer-Songwriter sind bei der Fête de la Musique traditionell in der Mehrzahl. Sie haben sogar ihre eigene Straße in der Altstadt, wo zwischen Ballhofcafe und Marktkirche Bedeutungsvolles zum Besten gegeben wird und traditionell eine der ruhigeren, aber auch beliebtesten Treffpunkte für Musikfreunde ist. Doch auch am Schillerdenkmal haben sich einige eingefunden. Schon am Nachmittag spielt der Hannoveraner Maciek mit Band. Bassist Mathis Eberhardt ist – geplant – für den etatmäßigen Bandbassisten eingesprungen und freut sich nun über die Möglichkeit, nach drei Jahren wieder mal bei der Fête spielen zu können: „Bei dem Wetter ist es natürlich traumhaft. Aber ich hatte ein bisschen Angst, dass es schlechter wird.“

Singer-Songwriter: Maciek mit Bassist Mathis Eberhardt (r.).

Kleiner Konzertsaal in der Niki-Promenade

Er ist ein Neuling auf einer neuen Bühne. Dennis Maaßen spielt in der Niki-Promenade auf einer kleinen Plattform, kaum größer als ein Kistendeckel. Aber der Songschreiber aus Alfeld weiß sich zu helfen: Wenn schon keine Mitmusiker auf die Bühne passen, ersetzt ein sogenannter Harmonizer den Chor. So singt er allein zweistimmig, und der Platz zwischen „KFC“ und „Top Girl“ wird ein kleiner Konzertsaal. Und Maaßen singt vom „Stadtstaub“. Passt!

Vor der Marktkirche hat es gefunkt

„Funky, funky“:  Man kennt den Song Cantaloop von US3 – aber nicht so: Die Indian Fusion Band spielt den Song zum Entzücken der Zuschauer an der Marktkirche in einer leisen und doch treibenden Version für Gitarre, Sitar und Soundeffekte. Zwei der Musiker sitzen auf dem Boden, man kann sie hinter den Monitorboxen am Bühnenrand kaum sehen. Die „Welcome“-Bühne ist eine der spannendsten auf dem Musikfest. Funky, funky.

Niederländer rocken den Holzmarkt

Charles Dons lässt die Saiten seiner Les-Paul-Gitarre klingen: Die niederländische Ska-Punk-Formation Bazzookas ist mit ihrem umgebauten, leuchtend gelben Schulbus auf den Holzmarkt gefahren. Eigentlich spielt die Band traditionell auf oder am Bus – das fröhliche Publikum in Hannover aber hat den Gitarristen von seinem angestammten Platz gelockt. Die fröhliche, aber eigentlich ziemlich laute Musik gefiel quer durch die Generationen: Sogar die kleinsten Besucher groovten mit den Takten.

Andreas Schinkel 20.06.2017
20.06.2017