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Aus der Stadt Das kann Hannovers neuer Superlöschwagen
Hannover Aus der Stadt Das kann Hannovers neuer Superlöschwagen
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00:15 10.06.2015
Von Jörn Kießler
Eines der 16 neuen Fahrzeuge "HLF" der Feuerwehr Hannover. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Gut 6500 Kilometer Testfahrt hat er schon hinter sich, der neue Superlöschwagen der hannoverschen Berufsfeuerwehr. Glaubt man dem Herstellerkonsortium, dann hat er die Prüfung ohne Probleme überstanden. Deshalb wird es jetzt ernst: Zum Ende dieser Woche, wenn auf dem Messegelände die Rettungsschau Interschutz schließt, werden fast alle der 16 neuen Löschfahrzeuge an die hannoverschen Feuerwehrkräfte übergeben - der Rest wird noch in diesem Jahr ausgeliefert. 9,6 Millionen Euro gibt die Stadt auf einen Schlag aus - das sind rund 600.000 Euro pro Fahrzeug. Gespart hat man darauf seit 2008.

Videos zum HLF

Die technischen Besonderheiten des HLF erklären diese acht Videos.

Für das viele Geld durfte man sich bei der hannoverschen Feuerwehrführung und aus dem Kreis der Einsatzkräfte einiges wünschen. Und so bringt es die Karosse des neuen Hilfsleistungslöschfahrzeugs (HLF) zwar auf neun Meter Länge - dank einer Hinterachszusatzlenkung aber soll der Wagen auch in engen und zugeparkten Kurven noch manövrierfähig sein. Das hatte sich schon beim Vorgänger bewährt und ist deshalb übernommen worden.

3000 Liter Wasser pro Minute

2000 Liter fasst der Löschwassertank, 200 Liter der Schaumtank. Wenn das Fahrzeug an einen Hydranten angeschlossen ist, kann die Düse des Dachwerfers sogar 3000 Liter in der Minute versprühen. Ein 299 PS (220 kW) starker Motor treibt den Wagen an, der Lichtmast ist natürlich mit LED-Technik bestückt, eine Seilwinde kann Güter mit der Kraft 50 Kilonewton bewegen, ein Generator liefert 15 Kilowatt Strom.

Feuerwehrsprecher Michael Hintz lobt vor allem das Modulsystem der Fahrzeuge. Jede Wache verfügt demnach über identische Modelle. Werden bei einem Einsatz spezielle Geräte benötigt, kann ein Fahrzeug mit entsprechender Ausstattung immer von der nächstgelegenen Wache ausrücken. Und die Einsatzkräfte vor Ort wissen dann auch genau, was sie wo auf dem Wagen finden - obwohl sie diesen konkreten Wagen vielleicht noch nie gesehen haben.

Vor allem die langfristige Planung zahlte sich aus. Denn in den vergangenen Jahren sammelte die für die Fahrzeugtechnik zuständige Abteilung der Feuerwehr Daten, um die Wagen, die ihre zur Expo 2000 in Dienst gestellten Vorgänger ablösen, effizienter zu machen. Dabei holten sich die Verantwortlichen Tipps und Anregungen von den Einsatzkräften, die jeden Tag mit den Fahrzeugen ausrücken. „Dadurch entsprechen die Wagen jetzt auch genau unseren Ansprüchen“, sagt Feuerwehrsprecher Hintz. Die Hersteller Mercedes und Magirus, die für Fahrgestell und Aufbau verantwortlich sind, zeigen die neuen Fahrzeuge daher jetzt auf der Messe Interschutz.

"Eierlegende Wollmilchsau"

Sogar eine medizinische Ausrüstung ist an Bord. Denn die Feuerwehrleute, die alle auch als Rettungssanitäter ausgebildet sind, fahren mit den HLF auch immer wieder sogenannte First-Responder-Einsätze. „Das heißt, wir rücken aus, wenn es einen medizinischen Notfall in unserem Bezirk gibt, zu diesem Zeitpunkt aber kein Rettungswagen in der Nähe ist“, erklärt Hintz. Auch bei den Werkzeugen und Einsatzgeräten wurde nachgerüstet.

„Man kann sagen, dass wir bald mit einer Eier legenden Wollmilchsau ausrücken“, sagt Dominik Rudolph. Der 32 Jahre alte Berufsfeuerwehrmann fungiert als sogenannter Multiplikator für die neuen Einsatzfahrzeuge. Das bedeutet, dass er und acht weitere Kollegen die rund 100 Feuerwehrleute auf der Feuerwache 1 im Umgang mit dem neuen HLF schulen. Auf jeder Wache sollen künftig zwei Modelle stationiert werden. Sechs weitere dienen als Ersatzfahrzeuge.

Die technischen Besonderheiten des neuen HLF

Hinterachszusatzlenkung

Um auch auf engem Raum rangieren zu können, verfügen die neuen Fahrzeuge über eine Lenkung der Hinterräder. Im Gegensatz zu den alten Löschfahrzeugen gibt es jedoch ein weiteres Steuerungsprogramm. Die Hinterreifen können steifgestellt werden, sich parallel zu den Vorderrädern drehen oder für eine enge Kreisfahrt in die entgegengesetzte Richtung einschlagen. Zudem gibt es die Möglichkeit, sie manuell anzusteuern und somit nur sie zu bewegen.

Quick-Release-System

Um die Abläufe so kurz wie möglich zu gestalten, legen die Feuerwehrleute schon während der Anfahrt zu einem Einsatzort ihre Atemschutzausrüstung an. Sie ist bereits im Auto in einem Sitzsystem angebracht. Um sie nach dem Anlegen aus der Verankerung zu lösen, muss ein Knopf gedrückt werden. Dieser ist jetzt über den Sitzen angebracht – nicht mehr seitlich von den Feuerwehrleuten, wo er in voller Ausrüstung bisher nur umständlich zu erreichen war.

Kommunikationssystem

Da es zwischen der Fahrer- und der dahinterliegenden Mannschaftskabine keine Sichtverbindung mehr gibt, wurde ein Kamerasystem installiert. Die Feuerwehrleute im hinteren Teil des Fahrzeuges können demnach über zwei Bildschirme genau sehen, wohin ihre Kollegen fahren. Sogar die Blinker und das Bremslicht werden angezeigt. Zudem können die Feuerwehrleute über ein Lautsprechersystem miteinander kommunizieren.

Schwenkwände

Um nicht nur viel Werkzeug und anderes Material in den Löschfahrzeugen mitnehmen zu können, sondern dieses auch schnell erreichen zu können, gibt es im Wagen sogenannte Schwenkwände. Sie können einfach ausgeklappt und die entsprechenden Gegenstände schnell herausgenommen werden.

Haspel

Die beiden Haspeln mit je fünf Schläuchen, die es noch an den alten HLF gab, wurden durch eine Haspel mit acht Schläuchen ersetzt. Darauf sind alle Werkzeuge angebracht, die man braucht, um Hydranten zu öffnen und Schläuche anzuschließen. Ein einziger Feuerwehrmann kann die Haspel allein vom Wagen nehmen und bedienen.

Hygieneboard

Damit die Feuerwehrleute nach den Einsätzen nicht komplett verschmutzt wieder in die Löschwagen einsteigen müssen, gibt es bei der neuen Fahrzeuggeneration ein Hygieneboard, wo sie sich die Hände waschen und desinfizieren können. Ein Schlauch samt Bürste dient zudem dazu, die Einsatzstiefel schon einmal grob zu reinigen.

Euro-6-Norm

Ein wichtiges Kriterium für die Feuerwehr war, dass die neuen Fahrzeuge die Euro-6-Norm erreichen. Dafür wurde eine Abgasanlage installiert, die Rußpartikel aus den Abgasen filtert. Regelmäßig reinigt sich die Anlage selbst, indem sie sich so stark erhitzt, dass die schädlichen Überbleibsel verbrennen.

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