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Aus der Stadt „Das machst du jetzt!“
Hannover Aus der Stadt „Das machst du jetzt!“
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19:23 21.08.2013
Alexandra Fries eröffnete vor einem Jahr das erste Porzellan-Café in der Südstadt. Quelle: Rainer Surrey
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Bei Anruf Cocktail

Mit der Selbstständigkeit kennt Ünal Gül sich aus. Schon als 17-Jähriger eröffnete er eine eigene Pizzeria, es folgten unter anderem ein Kiosk, eine Bäckerei und ein Döner-Imbiss. Sein neustes Projekt ist eine mobile Cocktailbar, das Cocktail-Taxi. „Das Prinzip ist ganz einfach. Die Leute rufen bei mir an, ich fahre bei ihnen vorbei und mixe die Cocktails vor Ort. Ähnlich wie beim Pizza-Bringdienst.“ Die Idee zum Cocktail-Taxi hatte Gül schon vor ein paar Jahren. „In meinem Imbiss gab es auch eine kleine Bar und da habe ich gemerkt, dass mir Cocktails shaken viel Spaß macht.“

Eigens dafür hat er einen kleinen Lieferwagen umgerüstet. Hinter den beiden Hecktüren verbirgt sich nun eine kleine Bar, mit allem, was zum Cocktailshaken dazugehört. Auf einem großen Brett stehen Hochprozentiges, Säfte und Sirupflaschen. Unter dem Tresen lagern in einer Kühlbox die Eiswürfel und in der Tür ist ein Spühleimer eingebaut. Schon für zwei Cocktails lässt er den Motor an und fährt zu den Kunden nach Hause, in den Park oder wo auch immer gerade jemand Lust auf einen frisch gemixten Cocktail hat.

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In seiner Heimatstadt Duingen bei Hildesheim ist das Cocktail-Taxi schon ein großer Erfolg. Doch in Hannover läuft der Verkauf schleppend. „Ich war davon ausgegangen, dass die Idee einschlägt wie eine Bombe, doch bis jetzt bekomme ich nur wenig Anrufe aus der Stadt“, sagt Gül nachdenklich. Aufgeben kommt für den 32-Jährigen aber nicht infrage: Nächstes Jahr will er rund 6000 Euro in Werbung investieren. „Wenn sie das Konzept und seine Möglichkeiten erst einmal verstanden haben, haben die Leute bestimmt weniger Hemmungen, das Cocktail-Taxi zu rufen“, sagt Gül zuversichtlich.

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Erfolgsrezept aus Seidenpapier

Wie bunte fluffige Blüten sehen die Pompoms aus, die unter der Zimmerdecke im Wind schaukeln. Wegen ihnen hat Irka Fürle ihren Job als Unternehmensberaterin aufgegeben und sich selbstständig gemacht: mit der PomPom-Manufaktur. Drei Jahre sind vergangen, seit sie und ihr Mann die selbstgebastelte Dekoration aus Seidenpapier zum ersten Mal auf der Internetplattform für Kreative DaWanda  einstellten. Heute beschäftigt das Ehepaar 20 Mitarbeiter und stattet prominente Auftraggeber wie das Berliner Kaufhaus des Westens oder den Saal für die Aftershowparty der Band Coldplay mit ihren Kreationen aus.

Angefangen hat alles in Indien. Dort heirateten Fürle und ihr Mann in aller Stille. Zurück in Hannover wollten sie noch einmal mit Freunden und Familie feiern und ihnen das indische Flair näherbringen. „Das Kloster, in dem wir feierten, sollte richtig farbenfroh geschmückt sein“, sagt Fürle. Doch Blumen wären in dieser Fülle zu teuer geworden. „Im Blog einer Amerikanerin entdeckte ich dann die Bastelanleitung für die Seidenpapier-Pompoms und da war die Sache klar“, erzählt Fürle. Nach der Feier bastelten die beiden einfach weiter und zogen damit ein kleines Unternehmen mit Werkstatt in der List auf. Die Nachfrage wuchs schnell und schon bald kamen sie mit Basteln gar nicht mehr hinterher. Also stellten sie „Pompom-Feen“ ein, die die Papierbäusche in Heimarbeit fertigten.

„Vergangenes Jahr mussten wir uns  dann entscheiden, ob wir das Geschäft aufgeben oder professionell aufziehen wollten“, sagt Fürle. Sie endschied sich für Letzteres – und gegen ihren Job als Partnerin einer Unternehmensberatung. „Ich bereue es nicht, denn die Arbeit macht Spaß und nun habe ich auch Zeit für meine siebenjährige Tochter“, sagt sie und hängt einen weiteren Pompom auf.

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Der ganz persönliche Kaffeepott

Malen kann Alexandra Fries eigentlich nicht. „Abmalen gelingt ganz gut, aber alles darüber hinaus ist nichts für mich“, sagt die 43-Jährige und lächelt. Doch genau das sei das Schöne an einem Porzellan-Café: Wer hierher kommt, muss nicht malen können, um Kunst zu schaffen. Vor knapp einem Jahr eröffnete Fries das erste Porzellan-Café in der Südstadt – und seitdem brummt das Geschäft.

Der Kaffee ist hier Nebensache, im Mittelpunkt steht das Geschirr. In einem Regal an der Wand stehen unterschiedliche Keramik-Rohlinge; vom Teller bis zur Totenkopfspardose. Die können die Gäste nach Herzenslust gestalten. Ob mit Aufklebern, Schablonen oder ganz frei aus dem Handgelenk; es zählt, was gefällt.

Vorbild war ein Café in München, das Fries in der Vorweihnachtszeit entdeckte. „Ein Café, in dem man neben dem Kaffeetrinken Tassen bemalen konnte, das fand ich super“, sagt die gelernte Zahntechnikerin. Die Idee ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Mit ihrem Job als Vertriebsleiterin für ein Dentallabor war sie ohnehin nicht zufrieden, denn es blieb kaum Zeit für ihre drei Söhne. „Eines Morgens wachte ich dann auf und dachte: Das machst du jetzt!“ Ihr Mann stand der Idee zunächst skeptisch gegenüber, doch als er sie nach einem einwöchigen Praktikum in einem Hamburger Porzellan-Café abholte, war auch er angetan von dem Konzept.
Mittlerweile läuft das Geschäft so gut, dass Fries als Einzelperson davon leben könnte. „An den Wochenenden ist es eigentlich immer voll und oft kommen Kindergeburtstage und Junggesellinnen-Abschiede.“

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