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Aus der Stadt Das sagen HAZ-Leser zur Pegida-Berichterstattung
Hannover Aus der Stadt Das sagen HAZ-Leser zur Pegida-Berichterstattung
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19:34 23.01.2015
Quelle: Tomicek
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Volksvertreter sollten ihr Volk ernst nehmen

Da gehen viele Menschen auf die Straße und bringen ihre Angst zum Ausdruck. Die von uns gewählten Volksvertreter nehmen ihre Bürger nicht ernst und stellen ihr Volk in die rechte Ecke. Ja, auch ich habe Angst - nein, ich bin kein Nazi. Dass sich Pegida Nazis anschließen, ist nicht zu leugnen. Aber auch bei diesem Thema hat unser Staat leider versagt. Stattdessen wird nach den Bürgern und der Zivilcourage gerufen. Aber wie passt das zusammen, wenn die Volksvertreter ihr Volk in die rechte Ecke stellen?

Das Grundgesetz gilt für alle. Die eine Demo wird geächtet, zu einer anderen Demo, parteikonform, wird aufgerufen. Und bei der Demo muslimischer Verbände stehen unsere Volksvertreter in der ersten Reihe. Muss ich das verstehen? Wir haben keine Angst vor Ausländern. Die ersten Gastarbeiter wurden auch skeptisch empfangen, dann integriert. Heute haben diese ausländischen Mitbürger auch Angst. Natürlich müssen wir uns der Flüchtlinge annehmen. Ausländer die sich nicht integrieren wollen, die kriminell sind, sollten zurück in ihre Heimat gehen dürfen. Dann haben wir genug Kapazität und Freude, anderen zu helfen.

Hannover, Bärbel Tessmer

Hagida-Demo erfordert Mut

Ja, es ist richtig, bei der Hagida-Demonstration in Hannover am 12. Januar haben nur circa 200 Personen teilgenommen. Es erforderte aber auch eine Menge Mut, trotz des Bewurfs mit Feuerwerkskörpern und Flaschen durch den linken Antifa-Mob, das grundgesetzliche Versammlungsrecht in Anspruch zu nehmen. Ich habe selbst gesehen, wie mehrere Antifa-Kämpfer einen älteren Mann mit Schlägen, Tritten und wüsten Beschimpfungen wie „Verpiss dich Nazischwein“ traktierten und damit erfolgreich an der Teilnahme der Demonstration hinderten. Herzlichen Glückwunsch, Herr Ministerpräsident Weil und Herr Innenminister Pistorius. Dank Ihrer „schlagkräftigen“ Verbündeten konnten Sie gemeinsam die Absage des geplanten Demonstrationszuges bejubeln.

Dass bei der Hagida-Gegendemonstration circa 19.000 Teilnehmer gezählt wurden, kann nicht verwundern, da, wie der HAZ vom 8. Januar entnommen werden konnte, Hannovers Oberbürgermeister Schostok seine circa 11.000 Mitarbeiter aufgerufen hatte, an der Demonstration gegen Hagida teilzunehmen. Der aus der DDR stammende Begriff Betriebskampfgruppe bekommt damit eine völlig neue Bedeutung. Ich frage mich, ob die Mitarbeiter der Stadt Hannover, die an der Gegenkundgebung nicht teilnehmen konnten oder wollten, ihrem Oberbürgermeister ein ärztliches Attest vorlegen müssen, um eine lebenslange Beförderungssperre oder Kündigung zu vermeiden.

Celle, Kurt-Detlev Kempf

Frieden setzt ernsthaften Dialog voraus

Demokratie darf nicht wahllos nur bestimmten, mir genehmen Gruppierungen zugestanden und andererseits denen verboten werden, die eine andere Meinung äußern als ich. Ein Friedensgebet erhält nur dann seine Glaubwürdigkeit, wenn gleichzeitig ernsthaft ein Dialog mit den oben erwähnten Gesprächspartnern angestrebt wird, in dem diesen eine Möglichkeit gegeben wird, ihre Fragen, Ängste und Vorbehalte zu artikulieren.

Hannover, Dagmar Schreiber

Meinungsfreiheit gilt
 nicht nur für Satire

Ich finde es schon erstaunlich, dass steuerzahlenden Pegida-Demonstranten ihre zweifellos mangelnde Toleranz und den fehlenden Respekt gnadenlos als Rechtsradikalität ausgelegt wird, und dass diesselbe Meinungsäußerung unter dem Deckmantel der Satire plötzlich unser höchstes Gut ist!

Gehrden, Markus Redlin

Demokratie wird 
Pegida aushalten

Es wird allerorts auf die Demokratie sowie auf Presse- und Meinungsfreiheit hingewiesen, Diffamierungen werden verurteilt, schnell werden mögliche Abweichungen wieder auf Kurs gebracht. Darf man diese Grundprinzipien jenen vorenthalten, welche dem Meinungsbild anderer im Wege stehen? Unsere Demokratie wird es aushalten, das Phänomen P.E.G.I.D.A. zu hinterfragen. Diese Buchstaben scheinen zu ungenau für die Anliegen der Demonstranten und zu reduziert, um dies leicht in eine bestimmte Ecke wegdrücken zu können. Wer kennt die Punkte des Positionspapiers – und wenn nein warum nicht? Offensichtlich gibt es bei manchen Bürgern das Gefühl, dass gewisse Fragestellungen nicht von der Politik angegangen werden.

Kassel, Kai Kanstein

Lieber Aufklärung
 statt Stimmungsmache

Meinungsfreiheit muss mit gegenseitigem Respekt einhergehen. Das gilt auch für die Presseberichterstattung zum Thema Pegida. Erstaunt habe ich die Wortwahl in der HAZ verfolgt: „Merkwürdige Organisation“, „Menschen einzuwickeln und zu locken“, „das Pegida-Prinzip“ sowie Kriegsvokabular wie „Feindbild“ und „Anführer“ lassen keine eigene Meinungsbildung mehr zu. Provokation mit einseitiger Berichterstattung auf der einen Seite, die Verachtung auf der anderen Seite hervorruft, ist kein angemessenes Mittel einer freien Presse innerhalb einer Demokratie.

Hier findet keine respektvolle Auseinandersetzung mit dem Demonstrationsrecht als demokratischem Instrument statt. Anstatt verunsicherte Bürger über die Hintergründe aufzuklären, nämlich die Ziele der Politik in Bezug auf Einwanderungsströme darzulegen, wird „Stimmungsmache á la Mainstream“ betrieben. Welche Position Pegida vertritt, was die Beweggründe der Demonstranten sind, erfährt der Leser nicht. Mich befremdet, wie neuerdings Toleranz ausgelegt wird. Gilt sie nur für Mehrheitsmeinungen? In einem Kommentar wäre diese Ausdrucksweise angebracht, in einem Artikel, der den Leser neutral informieren soll, allerdings nicht.

Ich wünsche mir eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Entstehen der Organisation Pegida und den Zielen der Demonstranten. Polarisierung und das Unterdrücken von abweichenden Meinungen waren noch nie hilfreich. Das haben wir aus der deutschen Geschichte gelernt.

Wennigsen, Amirah Adam

Nicht von dumpfen Ängsten leiten lassen

Streng genommen drehen wir uns in dieser Diskussion seit Wochen im Kreis. Die einen (Pegida, Hagida und andere) schüren Ängste und berufen sich auf die eigene Meinungsfreiheit („Das wird man doch sagen dürfen!“), während sie Andersdenkenden und -gläubigen (Kritikern und Moslems) eben diese aus vollster Überzeugung absprechen. Dass sie dabei ähnlich engstirnig denken wie die fanatischen Terroristen von Paris, merken sie nicht oder wollen es nicht merken! Auf der anderen Seite stehen die Kritiker dieses Verschwörungs-Mummenschanzes, die fein zwischen Islam und Islamismus zu differenzieren in der Lage sind, die Pegida-Drahtzieher als Bauernfänger an den Pranger stellen und eine Pauschalverurteilung einer Religion und eines Kulturkreises nicht zulassen.

Neue Argumente gibt es auf beiden Seiten schon länger nicht mehr – und es wird sie auch künftig nicht geben. Aber solange die einen unbeirrt den Untergang des Abendlandes prophezeien, ist eine Gegenbewegung als Sprachrohr derer notwendig, die sich nicht vor den Karren aus Bangemacherei und dumpfen Ängsten spannen lassen. Wer weiß, welchen Lauf die deutsche Geschichte genommen hätte, hätte es eine ähnlich couragierte Gegenbewegung vor 1933 gegeben!

Ronnenberg, Volker Pinkernelle

Demonstrationsrecht
 nicht missbrauchen

Bernd Haase schreibt am vergangenen Sonnabend in der HAZ: „Die angemeldeten Demonstrationen und Gegendemonstrationen sind zwar von Versammlungsfreiheit gedeckt, man darf aber von Missbrauch dieses Rechtes sprechen, wenn Demonstrationen als Regelveranstaltungen abgehalten werden, bei denen sich die immer gleichen Teilnehmer die immer gleichen Parolen an die Köpfe werfen und dabei öffentliche Plätze blockieren, die im Grunde für alle da sind.“ Hier muss allerdings gefragt werden, ob diese Bedenken nicht allgemeingültigen Charakter haben. Gilt das oben gesagte nicht gleichlautend für die seit Mai 2014 andauernde Demonstration auf dem Weißekreuzplatz? Hierüber habe ich bisher nur wohlwollende Kommentare gelesen, nicht jedoch eine kritische Auseinandersetzung wie oben.

Hannover, Ulrich Gregor

Religion ist Privatsache

Wir sollten die Religionen endlich dahin zurückführen, wo sie hingehören, nämlich ins Private. Denn Glauben kann jeder was er will (an Jesus, Mohammed, Aliens), das ist seine Privatangelegenheit. Der Staat hat damit nichts zu tun, sollte auch nicht die Kirchensteuern eintreiben, das sollten die Glaubensgemeinschaften selbst tun. In Personalpapieren hat das Glaubensbekenntnis auch nichts zu suchen. So wird auch eine Diskriminierung vermieden, weil niemand weiß, an was der andere glaubt, es sei denn er trägt sein Glaubensbekenntnis offensiv vor sich her und verlangt ständig Rücksichtnahmen und Sonderrechte deswegen. Wie viel Leid ist im Laufe der Geschichte dadurch schon entstanden? Alles was niedergeschrieben wurde (Bibel, Koran) ist Menschenwerk, eine Art Lebenshilfe. Über die Auslegung und Handhabung dieser Lebenshilfe können die Gläubigen diskutieren, müssen es sich aber gefallen lassen, von anders-oder nicht Gläubigen kritisiert zu werden, sofern ihr Glaube das friedliche Zusammenleben im heutigen modernen Staatsgebilde stört. Jemand, dessen Existenz nicht bewiesen ist, kann auch von niemanden beleidigt, geschweige denn gerächt werden. Unser friedliches Zusammenleben regelt das Grundgesetz und nicht die Religion. Es gilt für alle Staatsbürger gleich welchen Glaubens. Staatliche Institutionen und ihre Mitarbeiter sind zur Neutralität verpflichtet. Ihre Religion hat dahinter zurückzustehen.

Hannover, Eva Panten

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