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Aus der Stadt Das sind die besten Ideen für den Raschplatz
Hannover Aus der Stadt Das sind die besten Ideen für den Raschplatz
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02:16 29.05.2015
Hannover Raschplatz ist nicht für größere Veranstaltungen gedacht. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Für die meisten Hannoveraner ist der Raschplatz nur eine Verbindungsstrecke zwischen Hauptbahnhof und Lister Meile. Sie hasten über die schwarz-weißen Bodenfliesen, zum Verweilen fühlt sich fast niemand ermuntert. „Nur graue Bauten, es liegt viel Müll herum, und auf den Treppenstufen befindet sich überall Taubendreck“, sagt eine Hannoveranerin. Lediglich eine Trinkergruppe hat den Platz für sich entdeckt und verbringt auf den breiten Freitreppen alkoholselige Stunden. „Vor den Trinkern habe ich zwar keine Angst, aber unangenehm ist es schon, durch die Gruppen durchzuspazieren“, sagt eine junge Frau.

Die Anrainer des Raschplatzes sind sich einig, dass es so nicht weitergehen kann. „Der Platz ist auf dem besten Wege herunterzukommen“, sagt die Sprecherin der Spielbank, Karoline Jerg. Auch der Präsident des Amtsgerichts, Gerd Vogel, bedauert, dass der Platz „sich selbst überlassen bleibt“. Der Raschplatz müsse mit mehr Leben gefüllt werden, meint er. Die Frage ist nur: Wie kann das „hinterm Bahnhof“ gelingen?

Anrainer und Veranstaltungsexperten haben sich auf Nachfrage der HAZ Gedanken gemacht. Auch HAZ-Leser sind dem Aufruf gefolgt und unterbreiten zahlreiche Vorschläge. „Wir erwarten jetzt ein Signal vonseiten der Stadt, was möglich ist“, sagt Marlon Melzer, Geschäftsführer des Musikklubs Palo Palo. Die Stadt erklärt, dass das Hausrecht bei der Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG), Eigentümerin des Platzes, liege. Sie sei der erste Ansprechpartner für mögliche Veranstalter. „Die Stadtverwaltung nimmt aber noch mal Kontakt zur HRG auf, um die grundsätzlichen Möglichkeiten von Veranstaltungen zu besprechen“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix.

Die Vorschläge, die jetzt diskutiert werden, sind breit gefächert. Sie reichen von ein paar Sitzgelegenheiten über Märkte bis zu Musikfestivals mit Hannovers Star-DJ Mousse T. „Das Interesse ist allemal da, auf dem Raschplatz etwas zu organisieren“, sagt Palo-Chef Melzer. Ein Raschplatz-Festival mit Diskomusik und einem Live-Auftritt, wie es Melzer vorschwebt, dürfte aber schwer umzusetzen sein.

Das sagen die HAZ-Leser

Tanzen unter 
freiem Himmel

In den Sommermonaten könnte man unter Mitwirkung aller hannoverschen Tango-Veranstalter und eventuell der Gastwirte vor Ort einmal im Monat (oder häufiger, je nach Machbarkeit und Engagement der Beteiligten) eine Open-Air-Milonga anbieten. Am Ballhof gibt es so etwas einmal jährlich „in Groß“, die Raschplatz-Milonga stelle ich mir hingegen wesentlich niedrigschwelliger vor. Nur das Mindeste an technischen Mitteln, Musik vom Band, schlankes Getränkeangebot, Biertischgarnituren als Sitzgelegenheiten, mobiles Beleuchtungskonzept. Ausgereift ist die Idee nicht, viel wäre zu überdenken und zu organisieren, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Tango-Gemeinde Hannovers die Idee aufgreifen würde. Und damit würde der Platz auch immer wieder atmosphärisch-kulturell aufgewertet und würde sich allmählich in den Köpfen und Gefühlen der Teilnehmer und Passanten neu, anders, schöner verorten. Katrin Bosse

Fußball gucken – aber ohne pöbelnde Gästefans

Wie wäre es mit Außengastronomie, die gegebenenfalls auch Fußballspiele zeigt, zum Beispiel auch die EM oder WM. Pöbelnde Gästefans sollten jedoch nicht zugelassen werden. Inge Keese

Karussell, Boule oder
 eine Kleinkunstbühne

Mit einem Karussell könnte man einen Versuch wagen. Dies könnte ganzjährig stehen. Etwas Grün könnte nicht schaden. Eine Boule-Anlage. Oder eine Bühne zur freien Verfügung für Kleinkunst und Musik. Dr. Matthias Zufall

Es ist schön, dass die Stadt einen großen, freien Platz hat

Muss ein so großer Platz immer „funktionieren“? Muss er immer genutzt werden? Es ist schön, dass die Stadt so einen großen und freien Platz hat. Dann kann man doch spontan etwas machen, zum Beispiel kann der Pavillon ihn nutzen, aber auch Bürger für eine kleine spontane Aktion.  H.-W. Emrich

Eine grüne Oase neben dem Hauptbahnhof

Der Raschplatz muss eindeutig grüner werden. Ein paar kleinere Bäume und Bänke, vielleicht auch ein Musik-Gully, der das Ganze nicht so trostlos erscheinen lässt. Da der Bahnhof ohnehin nicht viele Sitzmöglichkeiten für Reisende bietet, wäre der Raschplatz eine schöne, kleine Oase neben dem Bahnhof. Da Hannover als „graue Stadt“ bekannt ist, muss sich farblich dringend was verändern: weniger Beton, mehr freundliche Materialien.  Carolin Serowy

Größtes Hemmnis für eine Belebung des Raschplatzes sind die strengen Sicherheitsvorschriften. Unter dem Eindruck der Loveparade-Katastrophe in Duisburg 2010 mit etlichen Toten hatte die HRG vor fünf Jahren ein Gutachten über die Sicherheit bei Veranstaltungen in Auftrag gegeben. Ergebnis: Der größte Teil des Platzes darf nicht bespielt werden, um genügend Wege für Flüchtende und für die Feuerwehr freizuhalten. 10 000 Menschen könnten nach Angaben der HRG auf dem Raschplatz einem Konzert lauschen, aber das Sicherheitskonzept lässt nur 360 Besucher zu. „Dennoch sind wir an allen sinnvollen Vorschlägen interessiert, die helfen, den Platz zu beleben“, betont HRG-Chef Thomas Heinemann. Massive Bühnen, große Boxen und Mischpulte haben kaum Chancen, auf dem Raschplatz installiert zu werden. Alles was mobil und leicht abzubauen ist, könnte eine Zukunft haben.

„Der Raschplatz eignet sich für spontane Formate ohne großen Aufwand, etwa Flashmobs“, meint die Geschäftsführerin des Pavillons am Raschplatz, Susanne Müller-Jantsch. Über das Internet verabreden sich Menschen zu Zusammenkünften mit einem bestimmten Zweck, etwa um gemeinsam auf einer öffentlichen Fläche zu tanzen. „Auch die Idee einer stummen Diskothek hat Charme“, sagt die Pavillon-Chefin. Dabei treffen sich Menschen mit Kopfhörern auf den Ohren und wählen ihre Musik, die von DJs eingespielt wird. Jeder tanzt nach seinen eigenen Rhythmen. HRG-Chef Heinemann bleibt skeptisch, weil die Zuschauerzahl bei Flashmobs kaum zu kontrollieren ist.

„Ein Bauernmarkt oder Weihnachtsmarkt könnten dem Platz helfen“

Größere Chancen räumt die HRG dem Vorschlag der Spielbank ein, Märkte zu organisieren. „Ein Bauernmarkt oder ein kleiner Weihnachtsmarkt könnten dem Platz helfen“, sagt Spielbank-Sprecherin Jerg. Zwar wäre ein Bauwerk wie die Kröpcke-Weihnachtspyramide auf dem Raschplatz nicht möglich, doch Marktstände in leichter Bauweise dürften die Sicherheit kaum schmälern. „Eine ständige Fluktuation von Marktbesuchern würde auch dafür sorgen, dass sich nicht so viele Menschen auf dem Platz aufhalten“, sagt Heinemann.

HAZ-Leser, aber auch Anrainer wünschen sich ein Tanzfest ähnlich der Tango-Veranstaltung auf dem Ballhof. „Auf den Treppenstufen könnte man den Tanzenden zuschauen, das wäre wunderbar“, sagt Chi Trung Khuu, Inhaber des Restaurants Mister Q auf dem Raschplatz. Er ist einer der wenigen, dem es erlaubt ist, ein paar Tische und Stühle aufs Pflaster vor seinem Gastraum zu stellen. Mindestbreite zwischen den Tischen: 1,20 Meter. Auch sportliche Veranstaltungen, etwa Volleyball- und Basketballturniere kann er sich vorstellen. „Die behördlichen Bestimmungen müssten insgesamt transparenter sein“, sagt er.

Von Andreas Schinkel und Susanne Kolbeck

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