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Aus der Stadt Davenstedter Säbelmord bleibt ein Rätsel
Hannover Aus der Stadt Davenstedter Säbelmord bleibt ein Rätsel
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00:15 15.05.2013
Von Christian Link
Im November wurde der Leichnam von Wolfgang Liehs in der Wohnung des 54-Jährigen gefunden. Beobachtet von den Nachbarn sicherte die Polizei die Spuren. Quelle: Droese
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Hannover

Aus der Bevölkerung gingen bei den Ermittlern keine verwertbaren Hinweise ein. Die letzten Hoffnungen der Kriminalpolizei, den Täter überhaupt noch zu finden, ruhen nun auf der Auswertung der Tatortspuren.

„Die Spurenauswertung beim Landeskriminalamt ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Oberstaatsanwältin Irene Silinger. Die Arbeit am Tatort haben die Kriminaltechniker allerdings eingestellt. Sie schauen sich die sichergestellten Beweismittel nur noch im Labor an.

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Einen Tatverdächtigen hat die Kripo bisher ebenso wenig wie ein Tatmotiv. Wolfgang Liehs gehörte nach den Ermittlungen der Polizei keiner Szene an. Das private Umfeld des arbeitslosen Mannes sei sehr überschaubar, offenbar war er ein Einzelgänger. Auch die auf den ersten Blick ungewöhnliche Mordwaffe hilft den Ermittlern nicht weiter. „Dieser Säbel ist eine Allerweltswaffe, die man überall im Internet bestellen kann“, sagt ein Polizeisprecher.

Der Säbel steckte noch im Rücken von Wolfgang Liehs, als dieser blutüberströmt in seiner Wohnung im Mehrfamilienhaus Davenstedter Markt 4 gefunden wurde. Zwei Angestellte einer Firma, die in der Nachbarschaft tätig war, hatten die Polizei alarmiert. Ihnen war aufgefallen, dass die Wohnungsfenster vom 8. bis 11. Januar offen standen - in diesem Zeitraum wurde Liehs getötet. Der Mörder stach mehrfach auf sein Opfer ein. Seine Kleidung muss blutverschmiert gewesen sein, als er den Tatort im fünften Stock verließ. Gesehen hat ihn jedoch nach bisherigen Erkenntnissen niemand, auch die Kleidung wurde bisher nicht gefunden.

Die Tatort-Wohnung ist Mitte April von der Polizei wieder freigegeben worden. Hauseigentümer Meravis will die Wohnung aber frühestens im August erneut vermieten. Offen ist noch, was nun aus den Besitztümern des Ermordeten wird. „Wir können die Sachen nicht einfach entfernen, uns gehören sie ja nicht“, sagt ein Meravis-Sprecher. Das Unternehmen warte noch auf eine Entscheidung des Nachlassgerichts. Einen großen Wert dürfte die Hinterlassenschaft nicht haben. Ein Blick durch das Küchenfenster des kleinen Apartments verrät nur eine sehr einfache Ausstattung. „Das war ein armer Schlucker“, sagt ein Nachbar über Liehs.

Kein Hausbewohner weiß darüber hinaus viel mehr über den ermordeten Nachbarn zu berichten. Im Hausflur oder Fahrstuhl habe man sich getroffen und gegrüßt - das war’s. Außerhalb des Wohnhauses ist das Verbrechen sogar schon größtenteils in Vergessenheit geraten. Mehrere Geschäfte haben die Fahndungsaufrufe der Polizei wieder aus den Schaufenstern entfernt, in den übrigen hängen sie, ohne wirklich Beachtung zu finden. In den Cafés und Restaurants am Davenstedter Markt spricht niemand mehr über den Mord.

Dass der Mörder noch frei herumläuft, verunsichert die Davenstedter nicht - nicht einmal die ehemaligen Nachbarn von Wolfgang Liehs. „Das Problem ist, dass in dieses Haus jeder reinkommen kann“, sagt ein Nachbar unbekümmert. Er habe sich damit abgefunden, und auch neue Sicherheitsvorkehrungen des Hauseigentümers könnten daran nichts ändern. Meravis will am Hauseingang und den Durchgangstüren neue Sicherheitsschlösser installieren, die sich nur mit Chipkarten öffnen lassen. „Wenn hier jemand unbedingt hineinwill, findet er einen Weg“, kommentiert eine Hausbewohnerin diesen Schritt.

Christian Link 12.05.2013
Juliane Kaune 12.05.2013
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