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Aus der Stadt Dealer kommen wegen zu vieler Beweise frei
Hannover Aus der Stadt Dealer kommen wegen zu vieler Beweise frei
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20:50 18.10.2012
Von Tobias Morchner
Im März nahem Polizisten die fünf Mitglieder des Kokain-Rings in einem Café am Vahrenwalder Platz fest. Am Mittwoch wurden die Haftbefehle der Männer aufgehoben. Quelle: Christian Elsner
Hannover

Die waren von den Ermittlern akribisch über die Drogendealer gesammelt worden. „Während der Verfahrens sind immer wieder umfangreiche Datensätze nachgeliefert worden, die weder vom Gericht noch von den Verteidigern so schnell durchgearbeitet werden konnten“, erklärt Gerichtssprecher Matthias Kannengießer. Der Prozess gegen die fünf aus Albanien stammenden Männer soll im Juni 2013 wieder aufgerollt werden - vorausgesetzt, die Angeklagten sind bis dahin nicht untergetaucht.

Für die Beamten der „Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift“ von Zoll und Landeskriminalamt ist die Aussetzung des Prozesses ein Schlag ins Gesicht. Monatelang waren sie der Bande auf der Spur. Es gelang ihnen, ihre Telefonate abzuhören, sich in die Facebook-Kommunikation der mutmaßlichen Dealer einzuklinken und sogar Mikrofone in den Fahrzeugen der Verdächtigen zu platzieren, sodass sie auch diesen Unterhaltungen lauschen konnten. Mitte März hatten die Rauschgiftfahnder dann offenbar genügend belastbares Material gegen die Gruppierung gesammelt. In einem fernsehreifen Streich nahmen die Ermittler alle fünf Männer am Vahrenwalder Platz fest. Sie saßen gemütlich beim Espresso in einem Eiscafé. Von dort aus wollten sie per Handy die nächste Lieferung Kokain aus Holland koordinieren. Als zwei Zivilpolizisten, die sich ebenfalls im Café aufhielten, das Zeichen gaben, erfolgte der Zugriff. Fünf Streifenwagen umstellten das Café, die Beamten nahmen die Männer fest. Die Dealer im Alter zwischen 24 und 39 Jahren leisteten keinen Widerstand. Kurz darauf fingen die Drogenfahnder den holländischen Rauschgiftlieferanten auf der Autobahn ab. Er hatte zwei Kilogramm hochwertiges Kokain nach Hannover geschmuggelt. Damals sprach die Polizei von einem entscheidenden Schlag. Man habe nicht nur einen Dealerring ausgehoben sondern seit langem bestehende Strukturen zerschlagen.

Heute stehen die Ermittler mit leeren Händen da. Denn die Daten, die sie zusammengetragen haben, um die kriminellen Machenschaften der fünf Verdächtigen zu belegen, haben jetzt das Verfahren gesprengt. „Erst am 8. Oktober erreichte die Verteidigung eine Festplatte mit 388,7 GByte mit weiteren auszuwertenden Daten einer Videoüberwachung“, teilt Rechtsanwalt Horst Wesemann, einer der zehn Verteidiger der Angeklagten, schriftlich mit. Eine Woche später sei die Existenz weiterer Datenbestände in der Größenordnung von 1,7 Millionen Datensätzen bekannt gemacht worden. „Unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten ist die Entscheidung, den Prozess auszusetzen, richtig“, erklärt Rechtsanwalt Matthias Steppuhn, der einen der beiden Haupttäter vertritt. Der Fall werfe allerdings auch die Frage auf, wie ein Gericht künftig ein derart umfangreiches Verfahren handhaben solle, ergänzt er.

Landgerichtssprecher Matthias Kannengießer sieht dagegen keine generellen Probleme mit Prozessen, bei denen ein umfangreiches Datenmaterial zu bewältigen sei. „Derartige Verfahren sind bei uns durchaus üblich“, sagt er. Die Justizminister aller Bundesländer sind offenbar anderer Auffassung. Sie haben eine Initiative ins Leben gerufen, die den Namen „Elektronische Justiz“ trägt und sich zum Ziel gesetzt hat, künftig die Aktenberge in umfangreichen Strafverfahren elektronisch zugänglich zu machen. Zudem arbeitet die Zentralstelle zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität gerade an Konzepten, wie digitale Daten in Verfahren handhabbarer gemacht werden können.

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