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Aus der Stadt Debatte über ISIS und Islam in Stöcken
Hannover Aus der Stadt Debatte über ISIS und Islam in Stöcken
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00:15 22.03.2015
Grenzt den Islamischen Staat vom Koran ab: Usman Naveed, Imam der Gemeinde. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Eingeladen zu der Veranstaltung hatte die reformierte islamische Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat. Auch der Rabbiner der liberalen jüdischen Gemeinde, Gábor ­Lengyel, war anwesend, um „Solidarität zu zeigen“, wie er sagte. Für Farooq Ahmed, Mitglied der reformierten islamischen Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat, stellt sich die immer wieder diskutierte Frage, ob der Islam ein Teil Deutschlands sei, längst nicht mehr. Seine Gemeinde sei ein Teil Hannovers geworden, erklärt er, weil das seinem Glauben entspräche: offen zu sein, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, sich einzubringen. Tatsächlich hat sich nach dem zunächst umstrittenen Bau der ­Sami-Moschee in Stöcken im Jahr 2008 schnell ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn in der Siedlung Schwarze Heide entwickelt.

Thomas Hermann freut sich über das Angebot zu Aufklärung und Dialog: „Das ist ein wichtiger Schritt gegen Vorurteile, Populismus und Angst.“ Er grenzt sich entschieden von Pegida und Hagida ab – das sei falsch verstandener Patriotismus. Stattdessen begrüße er die Weltoffenheit der Ahmadiyya Muslim Jamaat im Sinne einer bunten, toleranten Stadtgesellschaft.

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Der Imam der Sami Moschee in der Schwarzen Heide hält einen Vortrag über Islam & Terror - mit dabei ist auch Bürgermeister Thomas Hermann.

Usman Naveed, Imam der Gemeinde, erläutert, warum Toleranz, Nächstenliebe sowie Glaubens- und Gewissensfreiheit grundlegende Werte in seinem Verständnis des Koran seien. In seinem leidenschaftlichen Vortrag geht es ihm vor allem um Abgrenzung. Dabei ist es nicht notwendig, dass sich seine Gemeinde von Terror und Extremismus abgrenzt. Ihr Glaube schließt diese ohnehin aus.

Vielmehr grenzt Naveed den „Islamischen Staat“ vom Koran ab. Die heilige Schrift verlange von Muslimen, mit Andersgläubigen umzugehen, als wären sie Brüder – so wie der Prophet Mohammed dies als Oberhaupt der multiethnischen Gemeinschaft in Medina bereits vorgelebt habe. Gewalt erlaube der Koran ausschließlich zur Verteidigung gegen Angreifer. Naveed ist überzeugt: „Isis handelt nur zur Befriedigung weltlicher Interessen und verfolgt keinerlei spirituelle Ziele im Sinne des Islam.“ Der Imam hält sich auch nicht mit politischen Analysen zurück. Die Unterstützung und Versorgung von Isis durch Dritte mache die Extremisten erst handlungsfähig. Ihnen könnte durch mehr eindeutigen politischen Willen weltweit deutlich schneller das Handwerk gelegt werden, ist er überzeugt. Usman Naveed erläuterte anhand ausgewählter Koranstellen die Widersprüche zwischen der Ideolologie von radikalen Islamisten und den Grundlagen des Islam.

Ein wachsames Miteinander wünschte sich Rabbiner Gábor Lengyel abschließend: „Auch die Bibel ist voll von Fundamentalismus. Wir müssen damit leben, aber kritisch damit umgehen. Wir müssen hadern mit Gott!“

Von Thomas Kaestle

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