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Aus der Stadt „Schluss mit dem Tarifchaos um Tickets und seltsame Zonen“
Hannover Aus der Stadt „Schluss mit dem Tarifchaos um Tickets und seltsame Zonen“
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00:18 13.01.2018
SPD-Politiker Philipp Kreisz.  Quelle: Clemens Heidrich

Herr Kreisz, Sie von der SPD haben gemeinsam mit Grünen und FDP das 365-Euro-Jahresticket für Busse und Bahnen gefordert – aber aus der für den Nahverkehr zuständigen Region gibt es große Vorbehalte. Wundert Sie das? 

Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass in der Regionspolitik und -verwaltung gleich „Hurra“ geschrien wird. Ich finde es aber schade, dass gleich wieder Bedenken laut werden. 

Es war ausgerechnet die SPD-Regionsfraktionschefin Silke Gardlo, also Ihre Parteigenossin, die Sorge hat, dass mehr Menschen wegen des preiswerteren Tickets auf Busse und Bahnen umsteigen könnten und man dann mehr Fahrzeuge anschaffen muss. 

Ach wie schrecklich! Nein, ohne Ironie: In Wien gibt es das Modell der Monatskarte, die am Tag einen Euro kostet, also 365 Euro im Jahr. Deshalb wissen wir: Ja, die Nutzerzahlen im Öffentlichen Nahverkehr werden sprunghaft nach oben schnellen. Und richtig: Wenn die Kapazitäten erschöpft sind, dann muss in zusätzliche Fahrzeuge, in mehr Personal und vielleicht auch zusätzliche Strecken investiert werden. Aber das sollte Kommunalpolitiker doch eigentlich freuen. Denn wir reden doch darüber, wie wir die Luftschadstoffe reduzieren. Und dafür wäre es ein großer Erfolg, wenn mehr Leute vom Auto umstiegen. Es drängt – Hannover wird wegen der Luftschadstoffe verklagt. Tausende Dieselfahrer müssen ihre Autos stehen lassen, wenn uns nicht bald etwas einfällt. Da sollten gute Vorschläge doch eigentlich willkommen sein. 

Bisher ging es wegen der Schadstoffe ja meist eher um Zwang in Verkehrsfragen. Plakettenpflicht für Autos , die Tempo-30-Diskussion, Umleitungen für Lkw und so weiter. Ist es ein Paradigmenwechsel, jetzt mal auf einen Anreiz zum Umsteigen zu setzen, damit der Verzicht aufs Auto attraktiv wird? 

Ich bin kein Freund von Verboten. Deshalb halte ich die Dieselklage der Deutschen Umwelthilfe gegen Hannover und andere Städte für völlig falsch. Darunter leidet der einfache Dieselbesitzer, statt dass die Autokonzerne bestraft werden. Wir hören immer wieder, dass Leute sagen, sie würden gerne aufs Auto verzichten, aber die Tickets seien so teuer. Tja, wenn es daran liegt, dann sollten wir versuchen, das zu ändern. Wir haben ja bei der frisch eingeführten Jugend-Sparcard gesehen, was für ein Erfolg solch ein Angebot ist. Das war ein Wahlkampfschlager der Jusos. Die kostet pauschal 15 Euro im Monat, und die Nachfrage ist riesig. Wir wollen das Umsteigen leicht machen.

Womit wir bei der Finanzierung wären: Wer soll denn die nötigen Millionenbeträge für Ihren Vorschlag zahlen? 

Das ist sicherlich eine Sache, die Kommunen nicht alleine werden finanzieren können. Aber die Kanzlerin hat doch beim Dieselgipfel Hunderte Millionen Euro versprochen. Warum sollen wir einen Teil des Geldes, statt immer nur E-Autos zu fordern, für verbilligten Öffentlichen Nahverkehr nutzen. Deshalb: Kommunen, Land und Bund müssen da gemeinsam ran. Wir haben dazu einen Vorstoß gemacht. 

Der Regions-Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz, auch mit SPD-Parteibuch, sagt, er habe „nie verstanden, was daran gut fürs Klima sein soll, wenn man die Preise senkt“. 

Wenn die Leute umsteigen, weil Busse und Bahnen billiger werden, nutzt das sehr wohl der Umwelt. Ich verstehe nicht, was man daran nicht verstehen kann. Aber vielleicht sollte sich die Region ohnehin mal darum kümmern, das unselige Tarifsystem des GVH-Großraumverkehrs zu modernisieren. Viele Nutzer steigen durch diese seltsamen Cards und Tickets und unterschiedlichen Zonen und Tarife nicht durch. Das ist abschreckend und undurchsichtig. Auch dagegen scheint mir der 365-Euro-Vorstoß ziemlich gut zu sein: 

Soll das 365-Euro-Jahresticket denn für die gesamte Region gelten? 

Ich fürchte, das wird finanziell nicht gehen. Aber allein schon für das Stadtgebiet wäre es eine Verbesserung.

Aber wir sind ja eine regionsweite Solidargemeinschaft – die Umlandbewohner würden den Städtern ihre verbilligte Öffikarte mitsubventionieren. Ist das fair? 

Die Umlandbewohner würden ja auch profitieren von der Verbilligung in der Stadt. Da muss man sich überlegen, wie das gehen könnte. Im Moment stehen wir ja ganz am Anfang. 

Und wurden gleich wieder ausgebremst. Die CDU-Fraktion hat Beratungsbedarf angemeldet und die Abstimmung vertagt. 

Das ist demokratische Praxis und völlig in Ordnung.Wir sind sehr gespannt, ob Hannovers CDU den Vorschlag mitträgt oder Änderungswünsche hat oder sich dagegen stellt. Falls wir den Vorstoß gemeinsam beschließen, wäre er ein starkes Signal in die Regionspolitik, dass die Stadtpolitik gerne innovative Wege beim Tarifsystem gehen will. Ich glaube, üb er solch einen Wunsch würde sich die Regionspolitik nicht einfach hinwegsetzen können. 

Der „Antrag für saubere Luft“

Der Vorstoß für das 365-Euro-Jahresticket ist ein Baustein im Antrag „Saubere Luft für Hannover“, den SPD, Grüne und FDP im Umweltausschuss des Rates vorgestellt haben. Weiter geht es dort etwa um Fahrradparkhäuschen, mehr Qualität für Fußgängerverkehr, den Ausbau des Ladesystems für E-Mobilität, die Einführung der Blauen Schadstoffplakette, „falls Fahrverbote für eine kurzfristige Reduzierung der Stickstoffdioxidwerte unumgänglich sein sollten“, und ähnliches. Der Antrag wird im Februar beraten.

Von Conrad von Meding

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