Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Demnächst ohne Führerschein im Sportboot?
Hannover Aus der Stadt Demnächst ohne Führerschein im Sportboot?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:38 23.01.2012
Von Vivien-Marie Drews
Lange Binnenschiffe entwickeln einen Sog, der gefährlich werden kann. Quelle: Surrey
Hannover

So ein Gashebel will vorsichtig angefasst werden. Ganz sachte drückt der Bootsführer ihn von sich weg, und schon setzt sich das Boot in Bewegung. Der Außenborder tuckert gemütlich vor sich hin.

„Es ist nicht schwer, ein Boot zu steuern – vorausgesetzt man hat freie Fahrt“, sagt Dirk Hartung vom Deutschen Motoryachtverband (DMYV). Wenn nicht, kann es allerdings knifflig werden. „Und gefährlich“, sagt Hartung. Als Vorsitzender des Prüfungsausschusses Hannover hat er in den vergangenen Jahren Dutzenden Motorbootschülern die Führerscheinprüfung abgenommen.

Nun plant die Regierungskoalition in Berlin, dass Sportbootfahrer in Zukunft auch ohne Führerschein ihre Runden auf den Bundeswasserstraßen drehen dürfen, zumindest wenn sie sich mit einer Motorleistung von weniger als 15 PS begnügen. Die Attraktivität des Wassersporttourismus solle gesteigert werden, heißt es in dem Antrag CDU und FDP. Der DMYV ist strikt dagegen, der Deutsche Segler-Verband auch. „Das ist riskant. Und das sage ich allein aus meiner Erfahrung heraus“, sagt Benno Wiemeyer, Präsident des DMYV-Landesverbandes Niedersachsen.

Zu den Bundeswasserstraßen zählen in Hannover der Mittellandkanal und die Leine, in der näheren Umgebung gehören außerdem die Flüsse Aller und Weser dazu. Die Situation auf dem Mittellandkanal bewertet der Prüfungsausschussvorsitzende Dirk Hartung als besonders kritisch. „Ich kann ganz und gar nicht befürworten, dass dort Personen ohne Führerschein mit ihren Booten unterwegs sein sollen, inmitten der großen Binnenschiffe.“

Wassersport attraktiver gestalten

Auch die Müritz in Mecklenburg-Vorpommern zählt zu den Bundeswasserstraßen, dort wurde die Führerscheinpflicht bereits vor Jahren aufgehoben, um den Wassersport attraktiver zu gestalten. Ein fehlender Führerschein sollte kein Hindernis sein für Touristen, die es auf das Wasser zieht. „Ich habe mir das angeschaut. Spätestens wenn es in die Schleuse geht, bekommen viele unerfahrene Bootsführer richtig Probleme. Sie wissen einfach nicht, wie sie sich verhalten sollen“, sagt Hartung. Gefährlich werden könne es für die führerscheinlosen Freizeitkapitäne vor allem, wenn ihnen große Binnenschiffe begegnen.

„Auf dem Mittellandkanal rund um Hannover sind inzwischen Schiffe mit einer Länge von bis zu 120 Metern unterwegs. Die verdrängen richtig Wassermasse, sie produzieren Wellen und vor allem Sog. Damit muss man umzugehen wissen“, sagt Hartung. Im schlimmsten Falle könne ein kleines Sportboot im Schraubenwasser eines Binnenschiffes querschlagen. „Dann lässt sich das Boot nicht mehr steuern. Nur jemand, der auf eine solche Situation vorbereitet wurde, kann mit Umsicht darauf reagieren“, sagt Hartung.

DMYV-Landespräsident Benno Wiemeyer weist noch auf eine weitere Tücke hin. „Wenn man ordentlich Gas gibt, dann macht der Sog eines entgegenkommenden Binnenschiffes auch keine Probleme. Da steuert man mit voller Kraft durch.“ Auf dem Mittellandkanal ist Rasen aber verboten, die maximale Geschwindigkeit beträgt 15 Stundenkilometer. „Da kommt es dann auf Fahrtechnik an“, sagt Wiemeyer.

15 PS – in den Ohren vieler Laien mag das nach schwacher Leistung klingen. Aber auf dem Wasser kann ein kleines Boot damit durchaus auf Touren kommen. Im Fall der Fälle muss der Bootsführer es zügig „aufstoppen“, also anhalten können. Dafür gibt er einen kurzen Rückwärtsschub, dann muss der Gang raus. Die Schwierigkeit liegt darin, das Boot dabei auf Kurs zu halten. „Ein Sportboot mit 15 PS kann Geschwindigkeiten entwickeln, die sich nicht mehr so leicht kontrollieren lassen“, sagt Hartung.

Nicht jeder darf einfach aufs Wasser

Wer ein Boot mit einer Motorleistung von mehr als fünf PS über die Bundeswasserstraßen steuern will, muss zunächst die Prüfung für den Sportbootführerschein „Binnen“ ablegen. Im Bundestag wird nun über einen Antrag beraten, der vorsieht, dass auch deutlich leistungsstärkere Boote ohne Führerschein geführt werden dürfen. Erst ab einer Motorleistung von 15 PS soll der Führerschein Pflicht sein; noch in diesem Jahr könnte die neue Regelung greifen.

In der Region Hannover sind Sportboote vor allem auf dem Mittellandkanal unterwegs. Für das Steinhuder Meer ist aus Naturschutzgründen nur eine begrenzte Anzahl von Booten mit Verbrennungsmotoren zugelassen, der Rest fährt mit Elektromotoren.

Die Vorbereitung auf die Prüfung zum Sportbootführerschein „Binnen“ umfasst einen erheblichen theoretischen Anteil. Dabei geht es unter anderem um Vorfahrtsregeln, das Lesen der Schifffahrtszeichen, die Gefahren in der Schleuse und im Hafen sowie die unterschiedliche Kennzeichnung der Schiffe durch Lichter bei Dunkelheit.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es ist eine verzwickte Lage für den Vorstand der Kirchengemeinde Ledeburg-Stöcken: Er will die Corvinuskirche verkaufen, doch inzwischen gilt das Gebäude als Denkmal, ein Verkauf wird damit schwierig.

23.01.2012

Gute Nachricht für die Innenstadt: Der Abbruch der Turmetagen des Kröpcke-Centers wird nicht so lange dauern wie zunächst gedacht. Statt im Sommer soll der komplizierte Rückbau im Herzen der Stadt nun schon im Frühjahr beendet sein.

Conrad von Meding 22.01.2012

Der kleine Haktan ist schwer krank und benötigt deshalb dringend einen Stammzellenspender. Zu einer großen Typisierungsaktion kamen am Sonnabend mehr als 2000 Menschen auf den ContiCampus, um sich Blut abnehmen zu lassen.

Mathias Klein 23.01.2012