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Aus der Stadt So liefen die Demos gegen den AfD-Parteitag
Hannover Aus der Stadt So liefen die Demos gegen den AfD-Parteitag
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19:19 03.12.2017
Mit einem Wasserwerfer ist die Polizei bei den Demonstrationen gegen den AfD-Bundesparteitag vorgegangen.  Quelle: Peter Steffen
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Hannover

Tausende haben am Sonnabend gegen den Bundesparteitag der Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Congress Centrum protestiert. Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Migrantenorganisationen und linksradikale Gruppen hatten zu den Gegenveranstaltungen aufgerufen. Zur Abschlussdemonstration am Nachmittag kamen nach Angaben der Polizei 6500 Teilnehmer, die Organisatoren sprechen dagegen von 9500 Demonstranten. Wegen Blockaden durch Gegner konnte das AfD-Treffen am Morgen erst mit Verzögerung beginnen. Die Polizei setzte auch Schlagstöcke, Pfefferspray und einen Wasserwerfer ein. Bei Auseinandersetzungen wurden fünf Polizisten und mehrere Demonstranten verletzt. Insgesamt gab es vier Fest- und sechs Ingewahrsamnahmen.

Mit fünf Kundgebungen wollen Demonstranten am Sonnabend gegen den Bundesparteitag der AfD im Congress Centrum protestieren.

Hannovers Polizei-Vizepräsident Jörg Müller, der den Einsatz leitet, hatte bereits am Sonnabendabend eine positive Bilanz  gezogen: „Unser Konzept ist aufgegangen, das konsequente Einschreiten hat Wirkung gezeigt“, sagte er. Organisatoren des Protestes gegen das AfD-Treffen übten dagegen Kritik an der Behörde. So bezeichnete Werner Preissner, der Sprecher des Bündnisses „Unsere Alternative heißt Solidarität“, das Aufgebot der Polizei als „unverhältnismäßig“. Auch Belit Onay, der innenpolitische Sprecher der Partei Die Grünen im niedersächsischen Landtag, der sich gemeinsam mit anderen Parteimitgliedern vor Ort ein Bild gemacht hatte, empfand das Auftreten der Polizei als „martialisch.“ „Obwohl der Demonstrationszug sich am Nachmittag vom Veranstaltungsort der AfD weg bewegt hat, flog der Polizeihubschrauber die ganze Zeit über unseren Köpfen und Wasserwerfer und Räumpanzer standen an jeder Ecke“, sagte Onay.

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Wie angekündigt hatten Demonstranten bereits am frühen Sonnabendmorgen versucht, Zufahrtsstraßen zum Parteitagsgelände zu besetzen. Blockaden gab es an der Kreuzung Hans-Böckler-Straße/Clausewitzallee mit rund 200 Teilnehmern und an der Ecke Hindenburgstraße/Adenauerallee mit rund 150 Protestierenden. Die heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Anti-AfD-Demonstranten und der Polizei gab es an der Kreuzung Schackstraße/Gneisenauerstraße. Um kurz vor 8 Uhr hatten sich rund 150 Demonstranten auf die Straße gesetzt und den Weg blockiert. Gegen 9.30 Uhr räumte die Polizei die Kreuzung, nachdem ein Sprecher die Demonstranten mehrfach aufgefordert hatte, den Weg frei zu machen. Dabei kam auch ein Wasserwerfer zu Einsatz. Organisatoren des Protests kritisierten den Wasserwerfereinsatz bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Das setze die Gesundheit vieler Teilnehmer aufs Spiel, sagte der Sprecher der Kampagne „Nationalismus ist keine Alternative“, Jan Sperling.

Bei einer weiteren Protestaktion gegen denAfD-Parteitag ist ein 47-jähriger Demonstrant schwer verletzt worden. Er zog sich einen offenen Bruch beider Unterschenkelknochen zu und musste in einer Klinik operiert werden. Wodurch er die Verletzung erlitten hat, ist noch nicht geklärt. „Wir haben den Betroffenen noch nicht befragen können“, sagte ein Behördensprecher. Der 47-Jährige hatte sich gemeinsam mit einem anderen Demonstranten an eine selbstgebaute Metal-Pyramide gekettet, um den Weg zum HCC zu blockieren. Als die Polizei gegen die Männer vorging, leisteten sie, nach Angaben der Behörde, erheblichen Widerstand.

Mindestens ein Funktionär der AfD ist von linksradikalen Gegendemonstranten angegriffen worden. Der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk war auf dem Weg ins HCC von drei Frauen und vier Männern angegangen worden. Die Polizei hat Ermittlungen gegen alle Verdächtigen wegen Nötigung aufgenommen. Gottschalk ist nach eigenen Angaben bei dem Angriff verletzt worden.

Zur Zentralkundgebung auf den Georgsplatz zogen die Demonstranten am frühen Nachmittag mit großen Transparenten, auf denen es unter anderem hieß „Solidarität statt rechter Hetze“ oder „Rassisten und Nazis entgegentreten - Refugees welcome“. Verschiedene Redner hatte zuvor die AfD und die Politik der Partei scharf kritisiert. „Die AfD hat keine Antworten auf die zentralen sozialen Herausforderungen“, sagte Ralf Kutzner von der IG Metall. „Die Partei propagiert ein ausgrenzendes Menschenbild“, erklärte Probst Martin Tenge. Und die Holocaust-Überlebende Marianne Wilke zitierte in ihrer Rede einen Song der Rockband Die Ärzte: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es ist nur deine Schuld wenn sie so bleibt“, rief sie dem Publikum zu.

Von Andreas Schinkel, Manuel Behrens und Tobias Morchner