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Aus der Stadt Dennis G. droht lebenslange Haft
Hannover Aus der Stadt Dennis G. droht lebenslange Haft
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20:14 01.10.2013
Von Tobias Morchner
Genüssliche Selbstinszenierung: Dennis G. beim Krafttraining auf einem Kampfschiff. Die Bilder stellte er selbst ins Internet.
Genüssliche Selbstinszenierung: Dennis G. beim Krafttraining auf einem Kampfschiff. Die Bilder stellte er selbst ins Internet.
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Hannover

Dennis G., der mutmaßliche Auftragsmörder mit hannoverschen Wurzeln, wird seiner Großmutter in der Südstadt auf absehbare Zeit keinen Besuch mehr abstatten können. Möglicherweise sogar nie wieder. Denn die Vorwürfe der New Yorker Staatsanwaltschaft, die gegen den 27-Jährigen ermittelt, wiegen schwer. Wie die Behörde mitteilt, legen die US-Fahnder G. unter anderem Verstoß gegen das Waffengesetz, Drogenhandel in großem Stil und die Vorbereitungen zum Mord an einem amerikanischen Drogenfahnder sowie dessen Informanten zur Last. Jedes einzelne dieser Vergehen kann mit einer lebenslänglichen Haftstrafe geahndet werden.

Die Behörden im Big Apple sind sich sicher, dass die Beweise für eine Verurteilung des 27-Jährigen und der übrigen vier Mitglieder der Gruppe, die in der vergangenen Woche aufflog, ausreichen. Schließlich wurden sie von verdeckten Ermittlern amerikanischer Behörden zusammengetragen, die der Bande eine Falle gestellt hatten. Neun Monate ließen sich die US-Fahnder Zeit, um Treffen und Gespräche mit Mitgliedern des mutmaßlichen Mordkommandos zu dokumentieren. Dabei soll der Hannoveraner Dennis G. eine weitaus zentralere Rolle gespielt haben, als bislang angenommen.

Die Undercover-Polizisten setzten V-Leute auf die Bande an, die vorgaben, über Kontakte zu einem kolumbianischen Drogenboss zu verfügen, für den sie eine Art Leibgarde zusammenstellen sollten. Mit diesem Jobangebot köderten sie Joseph H., den Kopf der Gruppe. Der 48-Jährige, der sich selbst „Rambo“ nennt, willigte schließlich ein, den Auftrag gemeinsam mit den vier Mitarbeitern seiner Gruppe zu übernehmen. Neben Dennis G. gehörten ein weiterer Amerikaner, ein Pole und der ebenfalls aus Deutschland stammende Michael F. zu der Bande.

Alle Verdächtigen waren in den jeweiligen Armeen ihrer Länder ausgebildet worden, bevor sie versuchten, ihr Geld in der Unterwelt zu verdienen. Dennis G. soll von Oktober 2006 bis Oktober 2010 beim Panzergrenadierbataillon 441 in Mecklenburg-Vorpommern gedient haben, das seit knapp einem Jahr zur 1. Panzerdivision gehört, die ihren Hauptsitz in Hannover hat. In dieser Zeit soll G. auch eine besondere Schießausbildung erhalten haben. Er selbst bezeichnet sich auf seiner Internetseite als Scharfschütze.

Im Auftrag des angeblichen Drogenbosses, das geht aus einer Mitteilung der amerikanischen Strafverfolger hervor, waren Dennis G. und seine Komplizen neun Monate lang rund um den Globus tätig. Im März bewachten sie in Thailand ein Fahrzeug der Kokainschmuggler. Einen Monat später sorgten sie auf Mauritius für die Sicherheit während eines Treffens der Drogenbosse. Weitere vier Wochen später spähte die Bande ein Flugzeug aus, mit dem die angeblichen Drogenschmuggler 300 Kilo Kokain illegal in die USA transportieren wollten.

All diese Aufträge dienten offenbar einem einzigen Zweck: Die verdeckten Ermittler wollten das Vertrauen der Gruppe gewinnen, bevor sie ihnen eine weitere Falle stellten. Mitte Mai war es dann soweit. Sie gaben bei dem Quintett den Mord an dem amerikanischen Drogenfahnder und dessen Informanten, einem Schiffskapitän, in Auftrag. Für die Täter sollten dabei insgesamt 800 000 Dollar herausspringen. Dennis G. und der zweite Amerikaner der Gruppe erklärten sich bereit, den Auftrag im westafrikanischen Liberia auszuführen. Sie wollten den Anschlag aussehen lassen wie einen Straßenraub, der aus dem Ruder gelaufen ist.

Ende September reisten G. und sein Komplize nach Liberia ein. Eine Woche lang wollten sie ihre Opfer ausspionieren. In den Tagen darauf sollten der US-Drogenfahnder und dessen Informant beseitigt werden. Doch bevor der Plan in die Tat umgesetzt werden konnte, nahmen die amerikanischen Behörden die beiden Auftragsmörder in Westafrika fest. Auch die übrigen Mitglieder der Vereinigung sitzen im Gefängnis.

Dennis G. hat sich bereits über seinen Rechtsanwalt zu den Vorwürfen geäußert. Er sei nicht schuldig, ließ der junge Mann mitteilen. Ob diese Aussage der Wahrheit entspricht, darüber muss US-Richterin Laura Taylor Swain in den kommenden Monaten entscheiden.

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