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Aus der Stadt Der Bombenentschärfer
Hannover Aus der Stadt Der Bombenentschärfer
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20:54 28.08.2013
 Marcus Rausch: Der 39-Jährige ist seit sechs Jahren beim Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) Niedersachsen, die letzten drei Jahre davon als Sprengmeister für den Bereich Hannover. Quelle: Dillenberg
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Hannover

Herr Rausch, wie haben Sie geschlafen?

Sie meinen gestern Morgen, als ich nach dem Einsatz nach Hause gekommen bin? Gut.

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Sie hatten drei Stunden zuvor eine Zehn-Zentner-Bombe mitten in der Innenstadt von Hannover entschärft. Ist man nach so etwas nicht noch aufgeregt?

Sagen wir es mal so: Nach einem solchen Tag kommt man nach Hause, legt sich ins Bett uns schläft. Solche Einsätze gehören nun mal zu unseren Aufträgen.

War das nicht Ihre erste große Bombe?

Es gab auch schon einige andere.

War die Entschärfung am Mittwochmorgen denn etwas Besonderes?

Einfach war es nicht. Wir wussten zwar, was vor uns liegt, mussten dann aber die beiden Zünder auf unterschiedliche Weise herausnehmen. Wir hatten ja lange Zeit, uns die Bombe anzuschauen. Da haben wir schon gesehen, dass die Zünder stark mitgenommen waren. Durch den lockeren Trümmer-Schutt-Boden, in dem die Bombe lag, bekam die Bombe viel Sauerstoff ab, und so war sie sehr verrostet. Den ersten konnten wir trotzdem mit einer Zange herausdrehen. Beim zweiten war das nicht möglich.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Um die umliegenden Häuser vor einer möglichen Explosion zu schützen, wurden Container um den Fundort der Bombe platziert. Der große Knall blieb zum Glück aus. Am Morgen danach wird aufgeräumt.

Was haben Sie dann gemacht?

Nachdem wir merkten, dass wir den Zünder nicht herausdrehen konnten, haben wir ihn mit einem Wasserstrahlschneidegerät entfernt.

Sie sprechen immer im Plural. Wer außer Ihnen war denn noch bei der Bombe?

Wir arbeiten immer in Zweierteams. Mein Kollege Jürgen Koppelmeyer war bei mir. Aber eine Bombe entschärft man nicht allein und auch nicht zu zweit. Das komplette Team ist an so einer erfolgreichen Aktion beteiligt.

Wie muss man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?

Wir tauschen uns viel aus. Wenn man sich die Kampfmittel angesehen hat, ganz gleich, ob eine Zehn-Zentner-Bombe oder kleinere Sprengkörper, dann überlegen wir, wie wir vorgehen können. Danach wird eine Richtung festgelegt.

Wieso ist das so wichtig?

Man kann nicht jede Bombenentschärfung planen. Und wir können auch nicht an einem Einsatzort schon mal ein paar Dinge ausprobieren, solange die Umgebung nicht geräumt ist. Deshalb überlegen wir, welchen Plan B es gibt, wenn unsere ursprüngliche Planung nicht greift. Und dann bereiten wir die Möglichkeiten vor.

Immer wieder müssen in Hannover Fliegerbomben entschärft werden. Ein Überblick über die Bombenräumungen der vergangenen Jahre:

Das heißt, Sie sitzen vor der Entschärfung nicht in Ihren Einsatzwagen und konzentrieren sich nur?

Natürlich konzentriere ich mich auch. Aber in der Zeit, in der man auf das Okay zur Entschärfung wartet, bringen wir Hilfsmittel und Geräte nach vorn und bereiten den Einsatzort vor.

Gibt es ein Ritual, das Sie durchgehen, bevor Sie zur Bombe gehen?

Da gibt es sicher Kollegen, die eine Philosophie haben. Ich persönlich versuche, mich vor dem Einsatz zu konzentrieren, denke in Ruhe darüber nach, was ich gleich tun werde, und dann mache ich mich an die Arbeit.

Interview: Jörn Kießler

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