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Aus der Stadt Der Emmichplatz soll schöner werden
Hannover Aus der Stadt Der Emmichplatz soll schöner werden
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00:21 16.03.2015
Von Bernd Haase
Die Arkaden auf dem Emmichplatz sollen saniert werden.
Die Arkaden auf dem Emmichplatz sollen saniert werden. Quelle: Ditfurth
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Als Burkhard Huch letztens eine Konzertveranstaltung in der Musikhochschule am Emmichplatz besuchte, war er ganz angetan – allerdings nur von der Musik. Der Platz mit der Arkade vor dem Eingang fand der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung weniger ansprechend. „Hier kann man etwas machen“, dachte er. So wird es nun geschehen.

Die Stiftung des 1991 gestorbenen Keks-Unternehmers und seiner Frau hat in den 40 Jahren ihres Bestehens schon einiges bewirkt, und zwar vor allem in Hannover. Seit genau 25 Jahren arbeitet sie eng mit der Stadt zusammen. „Es gibt keine weitere Stiftung, die von ihrem Zweck her so breit aufgestellt ist“, sagt Oberbürgermeister Stefan Schostok. Weil die Bahlsens den Menschen „in seiner wohlverstandenen Ganzheit“ betrachteten, engagiert sich die Stiftung in Medizin und Gesundheitspflege, ökologischem Landbau und gesunder Ernährung, Naturschutz, Alten- und Pflegeheimen, Kinderbetreuung und Ausbildung sowie Städtebau. Das Credo dabei laut Huch: „Es geht um Nachhaltigkeit. Wir bezahlen nicht nur Beton, sondern auch Personal für Einrichtungen.“ 90 Millionen Euro bilden den Kapitalstock, angelegt in Rentenpapieren, Aktien und Immobilien. Unter anderem gehört das Gisy-Haus in der Innenstadt zum Besitz der Stiftung.

So sah es einst aus, das "Neue Haus" am Emmichplatz. Im Krieg wurde es größtenteils zerstört. Quelle: HAZ

Am Anfang aller in Zusammenarbeit mit der Stadt geförderten Projekte stand die sogenannte Schneckenbrücke in der Eilenriede. Wie sie zu ihrem Namen kam, ist eine in Hannover immer noch gern erzählte Anekdote. Weil Bahlsen die Zeit zwischen Planung und Baubeginn so unglaublich langsam erschien, brachte er zur Eröffnung eine hölzerne Schnecke an, die sich noch heute an dem Bauwerk befindet, das in der nördlichen Eilenriede über den Schnellweg führt.

Insgesamt sind von den 32 Millionen Euro, die die Stiftung bisher ausgegeben hat, 16 Millionen Euro nach Hannover geflossen. Bekannt sind das Alten- und Pflegeheim Klaus-Bahlsen-Haus, die integrative Kinderbetreuung Rut-Bahlsen-Zentrum und im baulichen Bereich der Informationspavillon in den Herrenhäuser Gärten oder der Brunnen vor dem Neuen Rathaus. Zuletzt half die Stiftung bei der Finanzierung der Naturwelten im Landesmuseum und bei der des Internationalen Chorzentrums in der Christuskirche. Die vorschulische Musikerziehung unter dem Titel „Singen-Spielen-Tanzen“ läuft jetzt nach zehn Jahren aus. Das Ernährungprojekt „Iss dich fit“ für Kitas wird weiterlaufen.

Die Arkade mit Pavillon vor der Musikhochschule war Teil des 1894 errichteten „Neuen Hauses“, eines ebenso eleganten wie beliebten Konzertcafés am Rand der Eilenriede. Im Krieg beschädigt, wurde es zwar noch einmal provisorisch wiederhergestellt, dann aber 1970 für den Neubau der Musikhochschule abgerissen. Die Stiftung hat nun Arbeiten am Baudenkmal und am Umfeld angeregt, um das Entree vor der Hochschule aufzuwerten. Entsprechende Gespräche über Einzelheiten mit der Stadt laufen gerade. „Wir werden Hannover auch weiterhin die Treue halten“, verspricht Huch.

Das ist die Hochschule für Musik, Theater und Medien

An der Hochschule für Musik, Theater und Medien am Emmichplatz im Zooviertel studieren rund 1500 angehende Schauspieler, Musiker und Medienwissenschaftler, den Hochschulstatus bekam die Lehranstalt, die unter anderem aus dem Verein für Kammermusik entstanden war, erst 1957, seit 1973 ist das Land Träger der Hochschule. Der in den siebziger Jahren errichtete Betonbau galt architektonisch als richtungsweisend. In den achtziger Jahren kam der Studiengang Jazz/Rock/Pop hinzu, 1990 wurde das Institut für Journalismus gegründet. Der Studiengang Schauspiel ist jetzt an der Expo Plaza angesiedelt. Legendär sind die Konzerte von Musikstudenten entweder am Emmichplatz selbst oder in den Klubs der Stadt. Das Europäische Zentrum für Jüdische Musik, jetzt in der Villa Seligmann, ist ein Institut der Hochschule.

Mathias Klein 16.03.2015
16.03.2015